Anna Eder Oberbürgermeisterin von Deggendorf. Foto: Piffer

Münchner Brauerei löst Bierkrieg aus

München/Deggendorf - Freibier für „Großkopferte" und die Belieferung eines Bierzelts mit Münchner Gerstensaft haben einen Bierkrieg im niederbayerischen Deggendorf ausgelöst. Jetzt ermittelt sogar die Staatsanwaltschaft.

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft, sagt der Volksmund. Nicht so im Deggendorfer Rathaus. Dort sollte derzeit lieber von Gaben abgesehen werden. Vor allem wenn es sich dabei um „Biertragl“ handelt. Denn in der Kreisstadt tobt ein Bierkrieg. Im Mittelpunkt der Streitereien: Freibier-Lieferungen an die Deggendorfer Oberbürgermeisterin Anna Eder (CSU) und ein drittes Bierzelt beim Volksfest, das künftig von der Münchner Brauerei Augustiner beliefert werden soll. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen aufgenommen.

Rückblick: Gut eine Woche ist es her, da entschieden Oberbürgermeisterin Eder und ihre Kollegen im Rathaus, dass das örtliche Volksfest um ein drittes Bierzelt erweitert werden sollte. Eigentlich keine große Sache. Was dann aber hinter verschlossenen Türen geschah, sorgte für Zündstoff: Nicht etwa die regionalen Brauereien Arco, Irlbach oder Alderbach beliefern das Zelt mit Gerstensaft, sondern der Münchner Augustiner Bräu. Ein schwerer Schlag für die Platzhirsche. Die machen nun ihrem Ärger Luft.

„Es ist ein Stich ins Herz der regionalen Brauereien“, sagt Simon Freiherr von Poschinger-Bray, Chef der Irlbacher Brauerei. Er sei erschüttert, wie die Vergabe abgelaufen sei. „Die einheimischen Betriebe sind schlichtweg übergangen worden.“ Unverständnis zeigt auch Georg Adam Freiherr von Aretin, Geschäftsführer von Adelsbacher. „Die Münchner lassen uns doch auch nicht auf die Wiesn, warum lassen wir sie dann zu uns? Das kann ich nicht nachvollziehen.“

Arcobräu-Direktor Holger Fichtel spricht von einem „abgekarteten Spiel“ der Stadtoberen. Man habe nur gerüchteweise von den Plänen gehört und sei erst auf Nachfrage zu einer Art Alibi-Gespräch eingeladen worden. Die Entscheidung der Verantwortlichen für Augustiner sei daher „eine Watschn für die regionale Wirtschaft“. Er wirft der Stadtspitze in Sachen Volksfest „Inkompetenz“ und „Spezlwirtschaft“ vor.

Fichtel war es auch, der mit einem beiläufig geäußerten Satz, gefallen bei einer Pressekonferenz im Stammsitz der Brauerei, die Schlammschlacht zwischen Brauerei und Stadt ausgelöst hat. „Ohne das zu vertiefen, wenn Beamte, Politiker oder Stadträte eine private Feier haben, rufen sie bei uns an“, wurde er damals zitiert. Ein gefundenes Fressen für die lokale Presse, die das Wort Korruption ins Spiel brachte.

Ein Vorwurf, den die Stadtoberen, allen voran OB Eder, nicht auf sich sitzen lassen wollten und zunächst als „Unverschämtheit“ zurückwiesen. Doch die vermeintliche Retourkutsche ging nach hinten los. Fichtel, der sich der Lüge bezichtigt fühlte, legte prompt Lieferscheine vor, aus denen hervorgeht, dass die Bürgermeisterin zur Feier ihres 60. Geburtstags im Juli knapp 200 Liter Bier und 350 Liter alkoholfreie Getränke bekommen hatte - natürlich gratis. „Angefordert von einem ihrer Mitarbeiter“, so der Brauerei-Chef.

Nach Bekanntwerden dieser Details soll im Rathaus nun für Klarheit gesorgt werden. Es wurde beschlossen, OB, Stadträte, Beamte und Mitarbeiter sollten unverzüglich erklären, ob sie von Brauereien, Gastronomen oder Festzeltbetreibern verbilligte Getränke, Freibier oder Waren und Dienstleistungen zu nicht marktüblichen Preisen erhalten haben. Die Liste ist zwar noch längst nicht fertig, für Fichtel steht aber schon fest welcher Name ganz oben stehen wird: der von Oberbürgermeisterin Eder.

Die wollte sich am Freitag übrigens nicht zu den Vorwürfen äußern. Sie verwies auf die laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.

Thomas Fritzmeier

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