Familiendrama? Drei Leichen in bayerischem Wohnhaus gefunden - Tatort abgeriegelt

Familiendrama? Drei Leichen in bayerischem Wohnhaus gefunden - Tatort abgeriegelt
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„Obacht!“: Gerhard Holz vom Förderverein Bairische Sprache versucht Schul- und Kindergartenkindern die Mundart zu vermitteln. Laut Studie sprechen nur noch ein Fünftel der Kindergartenkinder Dialekt.

Wird die bayerische Sprache zum Pflegefall?

Studie belegt, wie es mit der Mundart bergab geht: Nur jedes fünfte Kind redet Dialekt

Für die einen ist Dialekt ein Lebensgefühl, für die Autoren einer neuen Studie ist er ein Pflegefall. Eine sprachliche Beurteilung von mehr als 5000 Kindern in Bayerisch-Schwaben zeichnet ein düsteres Bild: Nur rund 20 Prozent sprechen noch Mundart.

Augsburg – Im Mittelpunkt der Dialekt-Studie stehen Kindergartenkinder. Denn die Sprachforscher gehen davon aus, dass Dialektkompetenz bis zum Vorschulalter erworben wird. Danach finde keine Dialekt-Übertragung von den Eltern auf die Kinder mehr statt, heißt es in der Veröffentlichung in dem Magazin „Schönere Heimat“, das der Landesverein für Heimatpflege herausgibt, und wo erste Ergebnisse der Studie vorgestellt werden. Sie sagen nicht nur viel über die aktuelle Situation aus, sondern auch über die Zukunft des Dialekts in Bayerisch-Schwaben, also im Gebiet zwischen Lech und Iller, zwischen Ries und Allgäu bis hin zum Ammersee.

Autor der Studie von Ergebnis überrascht und enttäuscht 

Studien-Autor Werner König ist überrascht von den Ergebnissen. Und enttäuscht. „Dass nur noch etwa 25 Prozent der Kinder auf dem Land Dialekt sprechen, ist wenig“, bedauert der 76-jährige Augsburger. Diese Entwicklung sei jedoch zwangsläufig, wenn man auf die Städte blicke. Dort sind es circa sieben Prozent. „Städte sind die Vorreiter“, sagt der Sprachwissenschaftler. „Das war schon immer so. Das Land passt sich an.“ Seiner Einschätzung nach findet sich beispielsweise in München niemand mehr unter 30 Jahren, dem man seine bayerische Herkunft in der Sprache anmerke. Die neue Untersuchung belegt: Je größer der Ort, desto weniger Dialekt sprechende Kinder.

Was sich länger halten dürfte, ist der „Regiolekt“, die Umgangssprache, die einer bestimmten Region zugeordnet werden kann. Das belegen die Zahlen der Studie: Von 5341 Kindern sprechen

• 974 Dialekt (ca. 18 %)

• 2401 Hochdeutsch (45 %)

• und 2387 „etwas dazwischen“ (45 %)

Dabei waren Mehrfachnennungen möglich, wenn ein Kind sowohl Dialekt als auch Hochdeutsch spricht.

Die Einteilung in entsprechende Kategorien hatten Erzieher(innen) von 173 Kindergärten in den Jahren 2016/17 vorgenommen. Die Auswertung gibt auch Aufschluss über deren Sprachverwendung: 34 Prozent der Erzieherinnen sprechen privat Dialekt, aber nur rund die Hälfte von ihnen verwendet ihn im Umgang mit Kindergartenkindern. „Schade“, findet König. Zumal die Erhebung aufschlüsselt, dass sich der Anteil der Dialekt sprechenden Kinder erheblich erhöht, wenn die Erzieher(innen) im Berufsalltag Mundart sprechen. Ein „Spiegelungseffekt“, der nicht ausreichend genutzt wird. In der Studie führen König und seine zwei Mitstreiter aus: „Man meint, den Kindern etwas Gutes zu tun, wenn man ihnen früh Hochdeutsch beibringt.“ Das Gegenteil sei der Fall. „Kinder profitieren von Zweisprachigkeit“, betont der Wissenschaftler. „Mehrsprachigkeit fördert die Entwicklung und beugt angeblich sogar Demenz vor, weil das Gehirn mehr aktiviert wird.“

Belegt den Dialektschwund: Werner König war Germanistik-Professor mit Schwerpunkt Dialekt an der Uni Augsburg. Er gab den Bayerischen Sprachatlas heraus.

Werner König hofft, dass diese Studie aufschreckt. Er wünscht sich, dass Eltern mit ihren Kindern Dialekt sprechen. „Wenn die Kompetenz einmal erworben ist, bleibt sie.“ Und er hofft, dass diskriminierende Lehrer-Kritik tabu ist, Dialekt-Tadel wie: „Jetzt sag’s mal richtig!“ Stattdessen brauche Muttersprache Wertschätzung. „Der Schriftsteller Martin Walser bezeichnet Dialekt sogar als Goldwährung“, weiß König. Auch wenn Mundart als Teil der Folklore beispielsweise während Fasnacht und Oktoberfest Kultcharakter genieße, so stimme ihm das Ergebnis der Untersuchung pessimistisch: „Auf weitere Sicht sterben die Dialekte aus.“

In welcher Geschwindigkeit das passiert, kann die Studie nicht sagen, aber sie zeigt, in welchen Regionen Bayern-Schwabens sie sich etwas länger halten. So fällt auf, dass die höheren Anteile an Dialektsprechern (über 30 Prozent) auf dem Land eher im Norden und vor allem im Süden, im Allgäu (Ausnahme Landkreis Lindau) vorhanden sind – fernab der Großstadt Augsburg.

Eine Rolle dürfe dabei das historische und kulturell identitätsstiftende Potenzial spielen, das mit den Bezeichnungen „Ries“ und „Allgäu“ zusammenhängt. Bewohner dieser Regionen haben nach Ansicht der Wissenschaftler ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und Exklusivität, was Selbstbewusstsein stifte – und auf dem Land zu einem erhöhten Anteil von etwa einem Drittel dialektsprechender Kinder führt. Anders als die Mitte von Bayerisch-Schwaben: Dort falle der Identifikationswert geringer aus. So gibt es im Günzburger und Augsburger Land lediglich um die 20 Prozent dialektsprechende Kinder, was nah am Gesamtdurchschnitt der in der Studie erfassten Muttersprachler liegt.

CORINNA KATTENBECK

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