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Der "Kini" starb vor 125 Jahren

Museum der bayerischen Könige öffnet

Hohenschwangau - Pünktlich zum 125. Todesjahr von König Ludwig II. gibt es in Bayern ein neues “Museum der bayerischen Könige“.

König Ludwig II., sein Leben, seine Schlösser und sein geheimnisvoller Tod faszinieren die Menschen auch 125 Jahre nach seinem Tod. Mehr als 400 000 Besucher haben bislang die Bayerische Landesausstellung über den legendären Bayernkönig im Schloss Herrenchiemsee gesehen. Noch bevor die Schau “Götterdämmerung. König Ludwig II.“ endet, öffnet in Bayern ein neues “Museum der bayerischen Könige“. In einem ehemaligen Grandhotel in Hohenschwangau im Ostallgäu hat der Wittelsbacher Ausgleichsfonds (WAF) eine Dauerausstellung über die Geschichte der Wittelsbacher eingerichtet. An diesem Freitag wird das Museum in Sichtweite der berühmten Königsschlösser Hohenschwangau und Neuschwanstein eröffnet, ab Samstag ist es für die Öffentlichkeit zugänglich.

Das ehemalige Hotel Alpenrose liegt am Ufer des idyllischen Alpsees. Jahrelang flanierten Millionen Schlosstouristen an dem prachtvollen Jugendstilbau vorbei, dessen Fenster stets verschlossen waren. Inzwischen ist dort wieder Leben eingekehrt. Auf zwei Etagen und einer Ausstellungsfläche von etwa 1200 Quadratmetern ist die Geschichte des bayerischen Herrschergeschlechts von den Anfängen bis zur Gegenwart dokumentiert. “Das Museum soll drei zentrale Fragen beantworten, die nach den Besuchen der Königsschlösser unbeantwortet bleiben. Woher kommt die Familie Wittelsbach? Warum gibt es zwei Schlösser? Und was ist aus der Familie geworden?“, fasst Elisabeth von Hagenow, Projektleiterin des WAF, das Museumskonzept zusammen.

Die Dauerausstellung ist als Rundgang konzipiert. Dabei kommen die Besucher unter anderem an einem begehbaren Stammbaum vorbei, in dem laut von Hagenow eine Auswahl von 68 Regenten von der Herzogszeit bis zum Ende des Königreichs Bayern aufgeführt sind. Im Zentrum stehen dabei die Biografien der Könige Maximilian II. (1811-1864) und Ludwig II. (1845-1886). Großen Raum nehmen zudem Informationen über die historischen Zusammenhänge der beiden Schlösser Hohenschwangau und Neuschwanstein ein. Der Rundgang schließt mit der Vorstellung des Hauses Wittelsbach in der Gegenwart ab.

Rund 160 kostbare Originalexponate, die größtenteils aus dem Fundus des Hauses Wittelsbach stammen, werden in dem neuen Museum gezeigt. Zu den herausragenden Stücken gehören nach Angaben der Projektleiterin ein königliches Tafelservice, ein prunkvoller Aufsatz für die Hoftafel aus dem Schloss Hohenschwangau sowie der blaue Mantel, den Ludwig II. als Großmeister des St. Georgs-Ritterordens getragen hat. Zudem werden verschiedene Gemälde, Schmuck, Porzellan und Prunkpokale gezeigt.

Vor der Einrichtung des Museums mit angeschlossener Gastronomie waren umfangreiche Sanierungsarbeiten in enger Zusammenarbeit mit Denkmalpflegern notwendig, sagt von Hagenow. “Unter anderem wurde das Gebäude um ein dreischiffiges Gewölbe aus Stahl und Glas ergänzt.“ Mit dem Ausstellungskonzept wurde das Haus der Bayerischen Geschichte betraut. Die Kosten für das umfangreiche Museumsprojekt belaufen sich nach Angaben des WAF auf eine zweistellige Millionensumme.

Dem Wittelsbacher Ausgleichsfonds gehören neben dem Schloss Hohenschwangau, in dem Ludwig seine Kindheit verbrachte, mehrere Gebäude im Ort, die ursprünglich zum Schloss gehörten. Dazu zählt auch das 1905 als Grandhotel eröffnete Gebäude am Alpsee, das nach Angaben der Projektleiterin seit Mitte der 90er Jahre leer stand. Wo einst die Jagdgäste der königlichen Familie logierten, sollen nun Touristen ein und ausgehen. Der WAF erwartet etwa 200 000 Besucher pro Jahr. Die beiden Königsschlösser locken alljährlich rund zwei Millionen Besucher nach Hohenschwangau. Wie in den Schlössern soll es auch im Museum alle Informationen in mehreren Sprachen geben.

“Es ist schade, dass dieses Haus in exzellenter Lage so lange leer stand“, hatte Prinz Luitpold von Bayern im November 2010 am Rande des Richtfestes im neuen Museum gesagt. Er äußerte sich überzeugt, dass das Museum eine Wissenslücke schließen wird und den Besuch der Schlösser ergänzt. Viele Gäste, die sich Hohenschwangau und Neuschwanstein ansehen, würden die geschichtlichen Hintergründe nicht kennen. “Das Museum bietet ihnen künftig die Gelegenheit, sich in der Wartezeit vorab zu informieren, was sie erwartet.“

dpa

Stichwort: Die Wittelsbacher

Jahrhundertelang prägten die Wittelsbacher als Herzöge, Kurfürsten und Könige die bayerische Geschichte. Das Haus Wittelsbach zählt zu den ältesten Adelshäusern in Europa. Obwohl seine Tradition bis zum 9. Jahrhundert zurückgeht, erhielt das Herrscherhaus erst 1806 von Napoleon die Königswürde. Die Grafen von Scheyern nannten sich 1115 erstmals nach der Burg Wittelsbach - einer Burganlage nördlich von Aichach im heutigen Schwaben.

Die Erfolgsgeschichte des Adelsgeschlechts begann mit Otto I. von Wittelsbach, der 1180 Herzog von Bayern wurde. Von diesem Zeitpunkt an regierte die Dynastie ununterbrochen, bis in der Revolution von 1918 die Monarchie auch in Bayern gestürzt und die Demokratie ausgerufen wurde.

Von 1294 bis 1777 war das Haus in eine bayerische und eine pfälzische Hauptlinie gespalten. Die Kurwürde fiel 1356 an die pfälzischen Wittelsbacher und kam erst 1648 nach Bayern zurück. Bayern hat den Königen aus dem Hause Wittelsbach viel zu verdanken. Ludwig I. (1786-1868) rief das Oktoberfest ins Leben und prägte das klassische Stadtbild Münchens. Der kunstbegeisterte Herrscher schenkte den Bayern in München die Alte und die Neue Pinakothek, die Glyptothek, die Ludwigstraße mit Siegestor und Feldherrnhalle sowie die Walhalla bei Regensburg.

Maximilian II. (1811-1864) machte München zu einem fortschrittlichen Zentrum für Wissenschaftler und Gelehrte, sein Sohn Ludwig II. (1845-1886) baute die Märchenschlösser Neuschwanstein, Herrenchiemsee und Schloss Linderhof. Mit Ludwig III. (1845-1921) ging die Königsherrschaft 1918 zu Ende.

Seit dem Jahr 1500 gab es 20 Oberhäupter der Familie. Jetziger Chef des Hauses Wittelsbach ist der Junggeselle Franz Herzog von Bayern, der sich einen Namen als Kunstkenner und Mäzen gemacht hat. Gäbe es noch die Monarchie, wäre er König von Bayern.

In einem ehemaligen Hotel nahe der Königsschlösser Hohenschwangau und Neuschwanstein hat der Wittelsbacher Ausgleichsfonds (WAF) ein “Museum der bayerischen Könige“ eingerichtet. Darin wird die Geschichte des Herrschergeschlechts unter anderem an den Biografien der Könige Maximilian II. und Ludwig II. aufgezeigt.

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