Ein Museum für Bayerns Könige

Hohenschwangau - Die Ludwig-Ausstellung auf Herrenchiemsee läuft auf vollen Touren (schon 70 000 Besucher) - doch wer noch nicht genug gesehen hat, darf sich auf September freuen. Dann öffnet das „Museum der bayerischen Könige" in Sichtweite von Schloss Neuschwanstein.

Grünblauer Seidensamt, Silberstickerei in Spreng- und Durchstechtechnik, Fütterung aus Hermelin - das ist der Mantel des Königs. Wobei: Getragen hat Ludwig II. das teure Stück offenbar nur einmal - bei einem Festbankett in der Münchner Residenz. 1880 war das wohl - und den Mantel trug der König, weil er es als Großmeister des mildtätigen St. Georgs-Ritterordens musste.

Jetzt soll das teure Gewand zu neuen Ehren kommen: als Ausstellungsstück im „Museum der bayerischen Könige“, das das Haus Wittelsbach im September eröffnet, der genaue Termin steht noch nicht fest. Das Haus entsteht im ehemaligen Grandhotel Alpenrose am Ufer des Alpsees. Auf rund 1000 Quadratmetern Ausstellungsfläche soll die Geschichte der Wittelsbacher erzählt werden - von den Anfängen 1180 bis in die Gegenwart. Schwerpunkt aber ist die Geschichte der Könige, sagt Elisabeth von Hagenow, die vom Wittelsbacher Ausgleichsfonds mit der Projektleitung beauftragt worden ist.

Etwa 1,3 Millionen Touristen besuchen Jahr für Jahr Schloss Neuschwanstein - und warten stundenlang auf eine Führung. Künftig soll ein Teil davon umgelenkt werden - in das neue Wittelsbacher-Museum. Eine Umfrage habe gezeigt, dass vor allem ausländische Besucher Neuschwanstein eher ratlos verlassen. Was geschah mit den Wittelsbachern in der NS-Zeit? Wie viele gibt es heute? - das sind Fragen, die sich viele stellen.

Diesen Wissensdurst könnte das neue Museum stillen. Im Entstehen ist ein hochmoderner Museumsneubau nach den Plänen des renommierten Berliner Architekturbüros Staab, die zum Beispiel auch den neuen Plenarsaal des Landtags entworfen haben und derzeit das Richard-Wagner-Museum in Bayreuth neu konzipieren. Zwischen 3 D-Visualisierungen von Ludwigs Schlössern und einer Datenbank aller bekannten Wittelsbacher (gut 1700) ist auch Platz für Originalstücke. Wie zum Beispiel den Mantel des Großmeisterornats. Elisabeth von Hagenow sieht ihn nicht als schlichtes Objekt zum Staunen an, sondern verknüpft damit eine weitreichende kunsthistorische Interpretation. Es ist eben mehr als nur ein Mantel, es ist ein Statussymbol mit weitreichender Aussage: Bekannt ist die Textilie vor allem, weil Ludwig auf einem Gemälde Gabriel Schachingers von 1887 den St. Georgs-Mantel trägt. Da war Ludwig schon ein Jahr tot - das Gemälde ist eine Fiktion. Dennoch: Vorentwürfe hat der König sicher gekannt - und gutgeheißen. Auffallend ist die Pose, in der sich Ludwig darstellt. Sie erinnert an die französischen Könige Ludwig XIV. und XV., an die absolutistischen Bourbonen-Herrscher, die Ludwig bewunderte, deren Machtfülle er in der konstitutionellen bayerischen Monarchie jedoch nie erreichen konnte. Insofern ist Schachingers Gemälde ein „gemalter Traum“ und der Mantel bekommt eine Aura als „Krönungsmantel“

Der Mantel, gewiss kein Stück zum Anfassen, bekommt aus konservatorischen Gründen eine Extra-Vitrine mit konstantem Raumklima, Schachingers Gemälde wird als Visualisierung an eine Wand projiziert.

Es gibt noch mehr Original-Exponate. Die Marschallstäbe des Kronprinzen Rupprechts, Machtinsignien während Rupprechts Zeit in der Obersten Heeresleitung. Ein Tafelaufsatz, der die Nibelungen-Sage erzählt und im Zentrum des „Saals der Könige“ im Museum stehen wird. Oder auch ein bayerisches Königsservice, das dem letzten bayerischen König Ludwig III. und seiner Gattin Marie Therese zur Goldenen Hochzeit am 20. Februar 1918 von der Familie geschenkt wurde. Zur Erinnerung: Das war die Endphase des Ersten Weltkriegs, Deutschland litt Hunger. Doch Ludwig III. bekommt ein Tafelservice mit goldgerahmten Medaillons, darauf Lieblingsmotive des Königs aus dem Bayernland und Österreich-Ungarn - 292-teilig, ausreichend für 36 Personen.

Diese ganz andere Welt, in der Bayerns Könige, oft wirklichkeitsentrückt, lebten - auch das dürfte in dem neuen Museum fassbar werden.

Dirk Walter

Gedenktag 13. Juni

10.30 Uhr Votivkapelle in Berg: Messe mit Abt Johannes Eckert; wohl anschließend: Auftritt der Guglmänner sowie der anti-monarchistischen Gruppe „Das andere Bayern“ (Motto: „Schwimm Dich frei ...“)

17 Uhr: Gottesdienst St. Michaelskirche München (mit Kardinal Reinhard Marx)

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