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Museum zeigt Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozesse

Nürnberg - An diesem Ort wurde Weltgeschichte geschrieben. Jetzt wird der Saal, in dem der Nürnberger Prozess stattgefunden hat, zu einem Museum.

Vor knapp 65 Jahren - am 20. November 1945 - begann im Schwurgerichtssaal 600 des Nürnberger Justizpalastes der Hauptkriegsverbrecherprozess gegen Nazi-Größen wie Hitler- Stellvertreter Rudolf Heß. Erstmals wurden bei den Nürnberger Prozessen Staatsführer für die von ihnen befohlenen Verbrechen persönlich zur Verantwortung gezogen - im November dieses Jahr soll der Saal nun zu einem “begehbaren Exponat“ werden. Zudem wird ein angrenzendes Museum im Dachgeschoss des Justizgebäudes künftig Besucher aus aller Welt über die Prozesse informieren.

Viele Film- und Tonaufnahmen gehören zum Bestandteil der Ausstellung, aber auch Auszüge aus der mehrstündigen Eröffnungsrede von US-Chefankläger Robert Jackson sollen zu sehen sein. Zwei Bänke, auf denen die Angeklagten saßen, ergänzen die Schau. “Es gab schon früher Führungen durch den Saal, aber die waren etwas mager“, sagt der Präsident des Oberlandesgerichts, Stefan Franke, bei der Besichtigung der Baustelle. Noch sind die braunen Besucherbänke und Pulte der Richter in dem geschichtsträchtigen Raum mit dickem Staub bedeckt. Doch nach den Plänen der Stadt sollen schon von Ende November an wieder regelmäßig Schulklassen, Touristen und Kriegsveteranen den Saal besichtigen können - ausgestattet mit Kopfhörern, über die sie erklärt bekommen, wie der Raum zur Zeit der Prozesse aussah.

“Mit der Einrichtung des “Memoriums Nürnberger Prozesse“ entsteht erstmals eine umfassende Dokumentation zum Verlauf der Hauptkriegsverbrecherprozesse und deren internationaler Bedeutung“, sagt die Nürnberger Kulturreferentin Julia Lehner. “Obwohl der Saal nicht mehr im Originalzustand ist, haben viele Menschen das Bedürfnis, ihn zu sehen“, schildert der Leiter des Museums-Projekts, Hans-Christian Täubrich, seine Erfahrungen. Nur noch zwei Tage die Woche soll später in dem Schwurgerichtssaal verhandelt werden. Wer einen solchen Tag erwischt, dem sollen zumindest Fenster einen Blick in den Raum ermöglichen. “Der Zuschauer soll sehen, dass es ein Ort der lebendigen Rechtsprechung ist“, erklärt der städtische Museumschef Matthias Henkel.

In dem 700 Quadratmeter großen Museum über dem Saal 600 erhalten die Besucher eine Einführung in die Nürnberger Prozesse, den Abschluss bildet der Besuch des Saales selbst. “Im vorderen Teil des Museums wird der Hauptkriegsverbrecherprozess gegen die 21 Angeklagten gezeigt“, erklärt Täubrich. Ein Teil der Schau setzte sich auch mit der Verjährungsdebatte auseinander. Anschließend werde der Weg von den Prozessen hin zum Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag thematisiert. “Denn es geht auch darum, den Schritt in die Zukunft zu schlagen.“ Auch deshalb werde in einem Raum eine riesige Weltkarte hängen, die alle Kriege zeigt, die seit 1945 geführt wurden. “Leider sind wir nicht lernfähig und machen ungebrochen weiter“, sagt Täubrich mit Blick auf die Jugoslawienkriege in den 1990er Jahren.

Doch bis zur Eröffnungsfeier im November gibt es noch viel zu tun: Der separate Eingang zu Museum und Saal wird gestaltet, ein Fahrstuhl extra eingebaut. Eigentlich hätte der Ausbau des Museums im Dachgeschoss bis März fertig sein sollen, sagt OLG-Präsident Franke. Doch wegen des kalten Wetters im Januar werde es nun eher April. Erst dann können die ersten Exponate Einzug in die vier Ausstellungsräume halten: “Für das Museum wurde sogar das Zimmer, in dem die Angeklagten damals zu Mittag gegessen haben, umgebaut“, sagt Franke. Zudem ermöglicht der Raum einen Blick auf das alte Zellengefängnis, wo die Angeklagten und auch viele Zeugen untergebracht waren.

 “Das “Memorium Nürnberger Prozesse“ bildet den konzeptionellen Schlussstein in der musealen Landschaft“, sagt Museendirektor Henkel. Die Ausstellung sei als Fortsetzung des 2001 entstandenen “Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände“ zu verstehen. Und Projektleiter Täubrich ergänzt: “In Zukunft soll hier kein Besucher mehr vor verschlossenen Türen stehen.“ Er selbst habe einmal eine Frau aus Griechenland getroffen, die weinend vor dem Gebäude stand, weil im Saal 600 gerade verhandelt wurde und sie deshalb den Raum nicht betreten konnte. “Sie wollte den Ort sehen, an dem Recht über Unheil gesprochen wurde, denn ihre Eltern wurden von den Nationalsozialisten umgebracht.“

dpa

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