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Der mutmaßliche Frauenmörder von Mespelbrunn

Spessart-Killer auf dem Bahnhof geschnappt

Aschaffenburg - Knapp ein Jahr nach der Bluttat von Mespelbrunn (Kreis Aschaffenburg) ist der mutmaßliche Frauenmörder in Frankreich festgenommen worden.

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Es war nur eine normale Überprüfung. Eine, wie sie die Gendarmen in Frankreich tausendmal vornehmen. Als am Samstagnachmittag ein Zug in Colmar (Elsass) ankam, fiel den Polizisten eine abgerissene Gestalt auf – mal schauen, was das nun wieder für ein Vogel ist.

Es war Alexander Renz (37), der Frauenmörder von Mespelbrunn, der Spessart-Killer! „Es ist zu einer sehr unspektakulären Festnahme gekommen“, sagte dazu am Montag Kriminaloberrat und Kripochef Frank Eckhardt in Aschaffenburg. Der Tatverdächtige habe sogar seinen echten Ausweis gezeigt, danach sei er festgenommen worden. Von der lang ersehnten Verhaftung haben die Aschaffenburger Ermittler erst am Montag erfahren. Renz hielt fast ein Jahr lang die Polizei in Atem. Der sprachlich gewandte Hobby-Schauspieler (Lieblingsrolle: Räuber) mit starkem Bartwuchs und Hang zur Selbstverliebtheit setzt sich nach dem Mord an der dreifachen Mutter Carmen S. (32) zunächst nach Wiesbaden ab. Kameras nehmen ihn in Stuttgart und Mannheim auf. Es gibt Spuren nach Filderstadt und Kaiserslautern. Renz leistet sich zudem immer wieder extreme Schurkenstücke, wie etwa den Überfall seiner Verwandten (siehe unten). Deswegen wird die Polizei langsam nervös – sie lässt einmal sogar mit einer SEK-Einheit die Wohnung eines Mannes stürmen, der den Gesuchten kennen soll. Der Mann wird verletzt und gefesselt. Wo Renz ist, weiß er nicht.

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Motiv verschmähte Liebe: Ein Ermittler äußerte sich am Montag näher dazu. „Schon drei Wochen vor dem Mord gab es auf dem Parkplatz eine Aussprache. Renz wollte wissen, ob sie eine Beziehung eingehen wolle. Sie hat zum zweiten Mal abgelehnt.“ Danach soll er abgetaucht sein, er soll Pläne geschmiedet haben, „auf Carmen S. einzuwirken“. Der grausame Messer-Mord, die Flucht. Und die Festnahme. Kripochef Eckhardt: „Für uns hat der Erfolg nie außer Frage gestanden, wir waren uns sicher, das wir Renz irgendwann festnehmen werden.“ Die Kripo hatte auch die Zielfahndung des Landeskriminalamts eingeschaltet. Dass Renz aber am Samstag am Colmarer Bahnhof herumspaziert, wusste man nicht!

Die französichen Polizisten haben inzwischen Fotos zwecks sicherer Identifizierung angefordert, es scheint aber so, als habe Renz sein Aussehen nicht sehr verändert. Staatsanwältin Irene Singer: „Heute ist er um 14 Uhr dem französischen Richter vorgeführt worden. Was ich hörte, soll er gegenüber dem Ermittlungsrichter eingeräumt haben, der Gesuchte zu sein.“ Die Ermittler hatten zuletzt den Fahndungdruck erhöht. Renz wollte wohl laut Kripochef Eckhardt diesem Druck durch Ausreise entkommen – ein Manöver, das er nun sicher bereut.

Das Blutbad vor dem Schlosshotel

Die Tat von Alexander Renz – es war eine Orgie der Gewalt. Am 25. Juli 2008 lauert er morgens auf dem Parkplatz des Schlosshotels Mespelbrunn seiner Arbeitskollegin Carmen S. (32) auf. Der Neffe der Hotelchefin, der als Hausmeister jobbt, ist in die dreifache Mutter und Rezeptionistin verliebt. Sie aber fühlt sich nur bedrängt. Es kommt auf dem Parkplatz zu einem Streit, am Ende zieht Renz ein japanisches Messer und ermordet Carmen S. Renz flieht mit einem Opel Vectra. Der Wagen wird am 29. Juli in einem Parkhaus entdeckt. In der Folgezeit wird der Frauenmörder immer wieder von Überwachungskameras aufgenommen, Anfang Januar ist er sogar wieder am Tatort. Und erst im März sorgt er wieder für Aufsehen: Renz überfällt in Mespelbrunn Verwandte und zwingt sie, Geld und EC-Karten herauszugeben. Dann verliert sich erneut seine Spur – bis jetzt.

tz

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