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Die zwölfjährige Franzi ist tot. Ist Stefan B. ihr Mörder?

Kurz vor Prozessbeginn

Franziskas (12) mutmaßlicher Mörder niedergestochen

Ingolstadt - Sechs Tage vor dem geplanten Prozessbeginn ist der mutmaßliche Mörder der zwölfjährigen Franziska im Gefängnis niedergestochen worden.

Der 27-Jährige sei in der Untersuchungshaft in Kaisheim (Landkreis Donau-Ries) von seinem Zellen-Mithäftling angegriffen worden, sagte am Mittwoch der Sprecher der Staatsanwaltschaft Augsburg, Matthias Nickolai. Dabei habe der 31-Jährige, auch er Untersuchungshäftling, dem Angeklagten am Dienstag mehrere Stichverletzungen zugefügt. Der 27-Jährige liege im Krankenhaus, die Verletzungen seien aber nicht lebensgefährlich.

Nach Angaben des Ingolstädter Landgerichts ist es unwahrscheinlich, dass der Prozess um den Sexualmord an dem Mädchen wie geplant am kommenden Montag (19. Januar) beginnen kann. Franziska war vor knapp einem Jahr entführt, in Neuburg a.d. Donau auf grausame Weise sexuell missbraucht und erschlagen worden. Der Angeklagte muss sich wegen Mordes vor dem Schwurgericht verantworten.

Die Staatsanwaltschaft äußerte sich nicht näher zu dem Angriff auf den mutmaßlichen Kindsmörder. Nach unbestätigten Berichten soll der Zellengenosse mit einem Nagel auf den Angeklagten losgegangen und ihn massiv an Hals und im Kopfbereich verletzt haben. Das Motiv ist bisher unklar. Allerdings ist bekannt, dass Kindsmörder in der Gefängnishierarchie auf der untersten Stufe stehen und nicht selten das Ziel von Angriffen durch Mithäftlinge sind. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Mordversuchs und gefährlicher Körperverletzung gegen den 31-Jährigen.

Nach Angaben des Gerichtssprechers Gerhard Reicherl wollte der Verteidiger des mutmaßlichen Sexualmörders seinen Mandanten noch am Mittwoch im Krankenhaus besuchen. Möglicherweise werde ein Landgerichtsarzt hinzugezogen, um über den Prozessbeginn zu entscheiden. „Wir halten es aber derzeit für eher unwahrscheinlich, dass das Verfahren am Montag beginnen kann“, sagte Reicherl. Endgültig werde darüber an diesem Donnerstag entschieden.

Franziska, das einzige Kind ihrer Eltern, war am 15. Februar 2014 auf dem Heimweg vom Spielen mit Freundinnen entführt, sexuell missbraucht und mit einem Holzscheit erschlagen worden. Ihr Peiniger lauerte der Zwölfjährigen auf, als sie mit dem Fahrrad fuhr. Franziska schickte einer Freundin von unterwegs eine SMS, dass ein grünes Auto ihr auffällig folge. Der Warnung wurde jedoch fatalerweise nicht nachgegangen.

Zudem schöpften auch die Eltern des Mädchens keinen Verdacht, als ihr Kind nach Einbruch der Dunkelheit nicht heimkam. Sie waren der Meinung, Franziska würde bei einer Freundin übernachten. Tatsächlich aber durchlebte das Mädchen an einem Weiher ein unvorstellbares Martyrium. Einen Tag nach dem Mord fanden Angler die Leiche der Zwölfjährigen. Neben Verletzungen im Unterleib wies die Tote auch massive Verletzungen an Hals und Kopf auf.

Rasch fiel der Verdacht auf einen jungen Mann aus der Nähe. Als eine Streife im Zuge der Fahndung das Fluchtfahrzeug kontrollieren wollte, lieferte sich der Mann eine wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei. Erst nahe Donauwörth wurde er gefasst. Bei seiner Vernehmung soll er die Tat gestanden haben, ohne sich zu Details zu äußern. Franziska soll ein Zufallsopfer des Mannes gewesen sein. Den Ermittlungen der Mordkommission zufolge kannte er das Mädchen nicht.

Nach Mitteilung des Gerichts muss sich der Angeklagte auch wegen der Vergewaltigung einer 21-Jährigen im Jahr 2013 und wegen sexuellen Missbrauchs einer 13-Jährigen im Januar 2014, also nur wenige Wochen vor dem Mord an Franziska, verantworten. Zudem soll er im Internet Kontakt mit sexuellem Hintergrund zu einem Kind aufgenommen haben. Egal, wann der Prozess nun beginnt: Das Schwurgericht hat 18 Verhandlungstage angesetzt, an denen mehr als 100 Zeugen und fast 20 Sachverständige vernommen werden sollen. Mit einem Urteil ist im Frühjahr zu rechnen.

Adam Ahmed, der den 27-Jährigen verteidigt, bestätigte auf Anfrage, dass er sich selbst ein Bild vom Gesundheitszustand seines Mandanten machen werde. Er stellte noch für Mittwoch eine Erklärung „aus aktuellem Anlass“ in Aussicht.

dpa/lby

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