Im November festgenommen

Mutmaßlicher Unterstützer von Pariser Attentat vor Gericht

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Bad Feilnbach – Er wollte ein Waffenarsenal nach Paris bringen, nun muss sich ein Montenegriner (51) wegen Terrorverdachts vor dem Landgericht München I verantworten. 

Es war ein richtig dicker Fisch, der den Schleierfahndern am 5. November 2015 auf der Salzburger Autobahn nahe Bad Feilnbach (Landkreis Rosenheim) ins Netz ging: In einem Golf, den ein 51-jähriger Montenegriner steuerte, fanden sie ein riesiges Waffenarsenal – von Kalaschnikows bis hin zum Sprengstoff TNT. Die Waffen sollten nach Paris transportiert werden, wo am 13. November ein schwerer terroristischer Anschlag verübt wurde. Ab Montag muss sich der terrorverdächtige Saisonarbeiter vor dem Landgericht München I verantworten. Er sitzt in U-Haft.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 51-Jährige helfen wollte, die Attentate zu verwirklichen. Sie wirft ihm zahlreiche Straftaten vor, unter anderem Beihilfe zur Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat und Einfuhr von Kriegswaffen. Unter den Waffen und Stoffen befanden sich acht Sturmgewehre vom Typ Kalaschnikow sowie hunderte Schuss Patronenmunition, zwei Handgranaten jugoslawischer Bauart und mehr als 200 Gramm TNT mit bereits eingeführtem Sprengzünder.

Im Navigationsgerät des Golfs war als Ziel eine Adresse in Paris eingegeben. Auch auf einem handschriftlichen Zettel war diese Adresse vermerkt. Nach der Festnahme des 51-Jährigen wurde von einer französischen Nummer aus sein Handy angerufen. Mit dem Anrufer sollte er sich nach seiner Ankunft in Paris treffen und ihm das Auto mitsamt den versteckten Waffen überlassen. Die Ermittlungen haben ergeben, dass der Montenegriner für den Transport 2000 Euro bekommen sollte.

Zwar ist bisher unbekannt, wer die Waffen und den Sprengstoff erhalten sollte. Die Staatsanwaltschaft hegt allerdings den Verdacht, dass sie dazu dienen sollten, einen terroristischen Anschlag zu verüben. Dem geschnappten Montenegriner sei aufgrund der Menge und Art der Waffen auch klar gewesen, dass sie bei einem Terrorakt eingesetzt werden würden. Er habe auch gewusst, dass im Januar 2015 bei der Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ in Paris bereits Attentate mit islamistischem Hintergrund verübt worden waren. Der Montenegriner, der kein Muslim ist, soll bisher nicht zur Erhellung beigetragen haben.

Die Terroranschläge am 13. November 2015 fanden an fünf verschiedenen Pariser Orten sowie an drei Orten in der Vorstadt Saint-Denis statt. Nach Angaben der französischen Regierung wurden 130 Menschen getötet und 352 verletzt. Zu den Anschlägen bekannte sich die terroristische Vereinigung „Islamischer Staat“ (IS). 

Rubriklistenbild: © dpa

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