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Die junge Frau, die ihr Baby mit einem Handtuch tötete.

Mutter (22) tötet Baby: Freiheitsstrafe

Würzburg - Weil ihr neugeborenes Baby eingewickelt in einem Handtuch erstickte, ist eine junge Mutter aus dem Spessart am Freitag zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden.

Selbst am letzten Prozesstag wagt es die junge Abiturientin aus einer kleinen Gemeinde im Spessart zunächst nicht, zur Richterbank aufzublicken. Zwei Jahre Freiheitsstrafe auf Bewährung lautet das Urteil, dass das Landgericht Würzburg am Freitag gegen die zierliche 22-Jährige mit den langen, dunklen Haaren verhängt. Vor knapp einem Jahr hatte die junge Frau heimlich und ohne fremde Hilfe in ihrem Badezimmer einen Buben entbunden. Danach hatte sie das Kind in ein Badehandtuch eingewickelt, dabei allerdings auch Nase und Mund verdeckt. Der Junge konnte sich nicht selbst befreien und erstickte. Das Gericht urteilt auf fahrlässige Tötung. Die junge Frau bricht in Tränen aus.

Die juristische Entscheidung sei nicht leicht gewesen, sagt der Vorsitzende Richter Lothar Schmitt. "Die Angeklagte ist eine junge, intelligente Frau", aufgewachsen in finanzieller Sicherheit, aber mit einem strengen Vater. "Mit der Situation im Elternhaus wurde die Angeklagte nicht fertig", gesteht Schmitt der Frau zu. "Sie wird bevormundet, muss den herrischen Vater ertragen." In ihrer persönlichen Entwicklung sei sie darüber hinaus ein Kind geblieben. Nicht nur das Baby sei ein Opfer, sondern auch die Abiturientin.

Die Kammer ist überzeugt: "Die Angeklagte hatte nicht die Absicht, ihr Kind zu töten." Dennoch habe sie fahrlässig gehandelt, "wenn man die Atemwege eines wehrlosen Säuglings zudeckt". Die 22-Jährige habe trotz der Ausnahmesituation gewusst, was sie tat, wenn es auch keine Gewalttat gewesen sei. Der Bub habe nicht gelitten, sagt Schmitt.

Die Strafkammer bleibt mit ihrer Entscheidung hinter der Forderung der Anklage zurück. Staatsanwalt Erik Ohlenschlager hatte in seinem Plädoyer eine Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren wegen Totschlags verlangt. Auch wenn die 22-Jährige entwicklungsgestört und damit nur eingeschränkt schuldfähig sei, musste sie nach Worten des Juristen mit dem Tod des Babys gerechnet haben, als sie das Gesicht zudeckte.

Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert, im Falle einer Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung eine Haftstrafe auf Bewährung gefordert. Die Anwälte, zwischen denen die Angeklagte immer wie versteinert gesessen hatte, sahen bis zuletzt keine eindeutigen Beweise für die Lebensfähigkeit des Säuglings. "Wir können nicht davon ausgehen (...), dass sich die Beine, die Arme bewegt haben."

Die verschüchtert wirkende Frau hatte gestanden, ihre Schwangerschaft vor ihrer Familie verheimlicht zu haben. Als Grund nannte sie Angst vor ihrem dominanten Vater. Der 61 Jahre alte Lehrer soll sie selbst als Volljährige mit Ohrfeigen gezüchtigt haben. Die bei der Entbindung 21-Jährige hatte den Jungen in einer Augustnacht alleine in ihrer Wohnung im elterlichen Haus bekommen. Der Säugling habe nicht geschrien und nicht gestrampelt, sagte die junge Frau vor Gericht. Um ihn zu wärmen, habe sie ihn eingewickelt.

Nach der Urteilsverkündung spricht der Vorsitzende Richter die 22-Jährige noch einmal direkt an. "Und jetzt schauen Sie wieder hoch", fordert Schmitt die Angeklagte auf, um ihr zu sagen: "Wir haben die Bewährungszeit auf drei Jahre festgesetzt." Zudem soll die junge Frau künftig bei ihrer Schwester wohnen, eine Ausbildung beginnen. Der 22-Jährigen huscht ein Lächeln über das Gesicht, Freudentränen folgen.

dpa

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