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In diesem Unfallwagen saßen die beiden Opfer.

Freundinnen bei Raserunfall getötet

Mutter klagt an: „Wie viele Menschen müssen noch sterben?“

Mussten wegen eines illegalen Autorennens zwei unbeteiligte junge Frauen sterben? Vor dem Amtsgericht Rosenheim sind zwei Autofahrer wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Einer von ihnen wurde erst vergangene Woche wieder erwischt: bei einem Rennen in Rosenheim.

Rosenheim – Mit einem Foto der getöteten Freundinnen Melanie (21) und Ramona (15) ging Ramonas Vater Franz Daxlberger auf den Angeklagten Daniel R. los: „Warum mussten unsere Töchter sterben?“, fragte er ihn. Doch eine Antwort bekam er von dem 24-Jährigen nicht.

Vor dem Amtsgericht Rosenheim ist Dienstag der Prozess um ein tödliches Überholmanöver aus dem November 2016 neu aufgerollt worden. Die Staatsanwaltschaft wirft zwei jungen Männern fahrlässige Tötung in zwei Fällen vor. Die entscheidende Frage lautet: Haben sich die Angeklagten auf ein Autorennen mit tödlichem Ausgang eingelassen?

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Einen größeren Kontrast könnten die zwei Angeklagten – der 24-jährige Daniel R. aus Kolbermoor und der 25-jährige Simon H. aus Ulm – kaum bilden. Während der Kolbermoorer scheinbar teilnahmslos den Prozess verfolgt, kann der Angeklagte aus Ulm bei der Verlesung der Anklage seine Tränen nicht zurückhalten. An jenem 20. November 2016 war Simon H. mit seinem VW Golf beim Überholen in einer Kurve in Rosenheim frontal in den Nissan der 21-jährigen Melanie gekracht.

Die Samerbergerin starb noch an der Unfallstelle, ihre 15-jährige Freundin Ramona wenig später im Krankenhaus. Nur Magdalena Daxlberger, Ramonas Schwester, überlebte schwerstverletzt.

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Während Daniel R. Angaben zum Hergang verweigerte, zeigte sich der Ulmer Hauptangeklagte bei der Schilderung des Unfalls nicht nur sichtlich betroffen, sondern teilte über seinen Anwalt auch mit, zur Aufklärung beitragen zu wollen. „Er schafft es leider nicht, sich selbst zu äußern“, erklärte sein Anwalt für seinen Mandanten. „Er weiß aber, dass er sehr große Schuld auf sich geladen hat, und möchte die Angehörigen um Entschuldigung bitten.“

„Für mich sah’s aus, als ob die sich jagen“

Der Hauptangeklagte hatte die Bezeichnung „Rennen“ laut Richter kurz nach dem Unfall selbst verwendet. Er habe sich damit allerdings auf andere Fahrer in der Situation bezogen. Dicht aufeinanderfolgend seien zwei Männer, darunter der zweite Angeklagte, mit ihren Autos an ihm vorbeigezogen. „Ich denke, dass sie sich aus Spaß gegenseitig gepusht haben, schneller zu fahren.“ Zeugen schilderten die Fahrweise der drei Fahrzeuge als rasant. Eine Frau sei geschnitten worden. Einem Mann kam der Gedanke, „die werden jetzt ein Rennen fahren“. „Für mich sah’s aus, als ob die sich jagen“, erzählte eine dritte Zeugin.

Nach dem Überholvorgang beschleunigte der Hauptangeklagte, wie er zum Prozessauftakt aussagte, während die Vorausfahrenden das Tempo drosselten. Schließlich habe er dann zum Überholen angesetzt. Erst als seine Beifahrerin aufschrie, habe er das entgegenkommende Fahrzeug bemerkt. Einscheren habe er nicht können – der Wagen des zweiten Angeklagten fuhr nach seiner Aussage auf derselben Höhe und blockierte die Spur. „Für mich hat es sich so angefühlt, als ob er schneller geworden ist.“ Sekunden später sei es zum Zusammenstoß gekommen. Der 25-Jährige fuhr frontal in das Auto der drei Frauen.

Nach dem Prozessauftakt zeigten sich die Eltern der beiden getöteten Mädchen hoffnungsvoll, dass die Wahrheit über den tragischen Unfall nun ans Licht kommen wird.

Die Hinterbliebenen sind sich sicher, dass zwei notorische Raser auf der Anklagebank sitzen. „Wie viele Menschen müssen noch sterben?“, fragte Melanies Mutter Kerstin Rüth. Gestützt sehen sie ihre These durch einen Vorfall vom 4. April 2018, gegen 0.30 Uhr. Nur eine Woche vor dem Prozess erwischte eine Polizeistreife Daniel R. erneut bei einem Rennen mit einem anderen Wagen in Rosenheim. „Deutlichst war ein ,Renncharakter‘ für die Beamten feststellbar“, heißt es im Polizeibericht.

Von quietschenden Reifen und Wegabschneiden ist die Rede, von Überholversuchen selbst in der Kurve. Danach wurde der BMW von R. beschlagnahmt und sein Führerschein sichergestellt.

mw/lby

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