Angeklagter schweigt vor Gericht

Prozessauftakt: Mutter und Tochter niedergestochen

Traunstein - Aus Wut über seine Lebenssituation soll ein heute 24-Jähriger im vergangenen Sommer in seinem Heimatort Neumarkt-Sankt Veit (Landkreis Mühldorf am Inn) eine junge Frau und deren Mutter niedergestochen haben.

Schulden, die Freundin weg - war es Frust über die Lebenssituation, die einen jungen Mann vorigen Sommer ausrasten ließ? Wegen zweifachen Mordversuches muss sich ein 24-Jähriger nun vor Gericht verantworten. Die Opfer - Mutter und Tochter - wählte der Täter zufällig aus.

Mit der Aussageverweigerung des Angeklagten hat der Prozess um den Mordversuch an einer jungen Frau und deren Mutter begonnen. Der Anwalt des 24-Jährigen sagte am Dienstag vor dem Landgericht Traunstein, sein Mandant werde sich nicht zum Tathergang äußern. Lediglich zur Person machte der seit 2012 in Deutschland lebende Ungar Angaben. Er hatte Schulden, seine Freundin begann eine Beziehung mit einem anderen Mann, und dann stürzte auch noch der Computer ab. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft ist Frust das Motiv für den blutigen Gewaltexzess vom 27. Juni 2016.

Am Nachmittag jenes Tages nahm der damals 23-Jährige die fünf schärfsten Messer aus dem Haushalt und fuhr nach Überzeugung der Anklagebehörde in der Absicht, wahllos Menschen umzubringen, mit dem Fahrrad im Ort umher. Dabei sah er im Garten eines Hauses sein erstes Opfer. Der damals 23-Jährige trat von hinten auf die Frau zu und zerrte sie über die Terrasse. Dann fügte er der wehrlosen 20-Jährigen massivste Schnittwunden an Hals, Schläfe und Brust zu.

Durch die Schreie der jungen Frau alarmiert, kam deren Mutter aus dem Haus. Die 51-Jährige versuchte, den Täter von ihrer Tochter wegzuziehen, der die Flucht gelang. Nun stürzte sich der mutmaßliche Täter auf die Mutter und fügte auch ihr lebensgefährliche Schnittverletzungen an Hals und einer Hand zu. Erst nachdem Mutter und Tochter ins Haus geflüchtet waren, suchte der junge Mann das Weite. Beide Opfer erlitten bleibende Schäden.

Der Lebenslauf des Angeklagten weist Brüche auf. So starb der Vater, als sein Sohn 16 war. Daraufhin schmiss der Jugendliche die Schule, um Geld zu verdienen. Von seinem in Deutschland verdienten Geld unterstützte er die in Ungarn lebende Mutter. Bald häufte sich ein Schuldenberg an. Er begann nach eigener Aussage zu trinken.

Ein Ermittler sagte am ersten Verhandlungstag aus, die 51-Jährige habe bei ihrer Vernehmung von Todesängsten während der Messerattacke berichtet. Über die Vernehmung des Angeklagten sagte der Kripobeamte, der junge Mann habe Selbstmordgedanken geäußert. Tatsächlich schnitt er sich vor seiner Festnahme mit Glasscherben in die Handgelenke.

Für den Prozess vor der 5. Strafkammer des Traunsteiner Gerichts sind weitere vier Verhandlungstage vorgesehen. Mehrere Sachverständige und Zeugen werden gehört. Das Urteil soll am 30. März verkündet werden.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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