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Christian Wilke geht es im Gefängnis sehr schlecht. Seine Mutter hat Angst, er könnte sterben. 

Christian weint und sagt: „Ich kann nicht mehr“

Mutter von IT-Lehrer aus Bayern fleht: Lasst meinen Sohn aus arabischem Knast!

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Christine Wilke-Breitsameter weiß nicht, warum ihr Sohn, ein IT-Lehrer aus Landau, in einem Gefängnis auf der arabischen Halbinsel, in Al Ain in Abu Dhabi, sitzt. Sie macht sich Sorgen, er könne die Haft nicht überleben. 

Seine Stimme klingt schwach, er hustet. Christian bekommt kaum Luft. Seit Wochen macht sich in Landau an der Isar Christine Wilke-Breitsameter (57) Sorgen um ihren Sohn Christian (39). Der sitzt im Gefängnis auf der arabischen Halbinsel, in Al Ain in Abu Dhabi. Weshalb? „Ich weiß es nicht“, sagt die Mutter, deren Stimme sich gefasst anhört. „Ich habe nur Angst, dass er das nicht überlebt.“ Ihr Sohn Christian – er ist ein echter Computerfex. Nach der Bundeswehr arbeitete er in Großbritannien, doch mit dem Brexit war für ihn klar, dass es dort für ihn keine endgültige Zukunft geben wird. Und so packte er die Gelegenheit am Schopf und ging als IT- und Informatik-Pädagoge ans Brighton College in Al Ain im Emirat Abu Dhabi. Nebenher schrieb er an seiner Doktorarbeit. Als Christian mit der Indonesierin Suprima auch sein privates Glück gefunden hatte, stellte die Mutter fest: „Alles war perfekt.“ Aber nur bis zum 8. Oktober. Was da passierte, erfuhr die Mutter erst an Weihnachten. 

Sohn weint und sagt am Telefon: „Ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr“

Sie hatte bis dahin nichts mehr von ihrem Sohn gehört, auch online war er nicht mehr in den sozialen Netzwerken gewesen. Dann endlich ein Anruf aus dem Gefängnis, zunächst auf Arabisch, eine unbekannte Stimme, dann im Hintergrund ein „Hallo, Hallo“ und schließlich ein weinender Christian. „Ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr, ich weiß nicht, was ich gemacht habe. Die halten mich hier fest!“ An jenem Oktobertag war plötzlich Polizei bei ihrem Jungen aufgetaucht, mit automatischen Waffen. Sie nahmen ihn mit. Eine Zelle in einem riesigen Freiluftgefängnis. Später sprach Christian, der nun häufiger telefonieren durfte, von Schlafentzug, von 24-Stunden-Licht, von Verhören. „Sie hätten ihm einen Daumen in ein arabisches Schriftstück gedrückt“, wohl ein Geständnis. Doch was wird ihm vorgeworfen? 

„Es geht wohl um eine Art elektronische Beleidigung“, meint seine Mutter, doch welcher Art ist unklar. Vielleicht eine flapsige Bemerkung, ein Eintrag in sozialen Netzwerken. Nach 52 Tagen wurde ihm ein Anwalt zugeteilt, Christian Wilke, so sagt es die Mutter, kam vor ein Scharia-Gericht, ohne Dolmetscher. „Man durfte nur mit Ja oder Nein antworten, Christian verstand nichts, wusste nicht, um was es geht.“ Das Urteil: ein Jahr im Gefängnis, 12.500 Euro Geldstrafe, sein Laptop sollte einbehalten werden, auf dem er die Ergebnisse der Doktorarbeit hinterlegt hat. 

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Herumlaufende Ratten, Kakerlaken im Essen und Sohn stinkt „wie eine Kloake“

Seine Schilderungen machen der Mutter Angst. Im Freiluftknast laufen die Ratten herum, Kakerlaken finden sich auch im Essen. Es gibt keine Hygieneartikel, nichts. Ihr Sohn hungert, er hat mittlerweile über 20 Kilo verloren: „Und ich stinke wie eine Kloake, ich fühle mich so dreckig.“ Das Auswärtige Amt hat das Generalkonsulat im angrenzenden Emirat Dubai eingeschaltet, über den Stand des Verfahrens wird mit Verweis auf den Datenschutz nichts berichtet. Mutter Christine hat aber das Gefühl, dass der Einsatz zu zaghaft vor sich geht. Mit jedem Tag hat sie mehr Angst um ihren geliebten Sohn. „Ich bin nur noch ein Schatten meiner selbst“, klagte der in einem der letzten Telefonate. Hoffnung setzt die Niederbayerin, die aber in München auf die Welt kam und ihre Kindheit hier verbrachte, auf eine Internetpetition auf change.org mit dem Titel „Bitte lasst meinen Sohn Christian frei“. 

Bis Mittwoch haben hier fast 33.000 Menschen unterschrieben. Durch die Petition hofft Christine, dass sich die Politik aktiver für ihren Sohn einsetzt. Zudem gibt es ein Spendenkonto, um ihm, wenn er wieder frei kommt, einen neuen Start zu ermöglichen. „Er ist ohne Wohnung, seine Stelle wurde ihm am Tag der Verhaftung gekündigt. Große Ersparnisse gibt es nicht.“ Doch jetzt zählt erst die Freiheit des Sohnes. Zuletzt hat er die Mutter, die sich machtlos fühlt, am Telefon so angefleht: „Mama, hol’ mich hier raus! Ich kann einfach nicht mehr.“ 

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mc

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