Die Leiche des Bauern wurde aus der Donau gefischt.

Mysteriöser Tod eines Bauern bleibt Fall für Justiz

München/Landshut - Erst hieß es, der Bauer sei 2001 von seiner eigenen Familie erschlagen, zerstückelt und an die Hofhunde verfüttert worden.

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Doch vor einem Jahr wurde zufällig seine Leiche aus der Donau gefischt - der mysteriöse Tod des 52-Jährigen aus dem oberbayerischen Neuburg a.d. Donau bleibt ein Fall für die Justiz. Das Oberlandesgericht (OLG) München kassierte nach Angaben vom Freitag eine Entscheidung des Landshuter Landgerichts, wonach die Neuauflage des Strafprozesses um den Tod des Tyrannen unzulässig sei. Der zweifache Familienvater hatte Frau und Kinder massiv unterdrückt.

Seit dem überraschenden Fund der Leiche bemühen sich die Anwälte der verurteilten Witwe und der Töchter des Opfers um die Wiederaufnahme des Verfahrens. Erwies sich doch die vom Landgericht Ingolstadt festgestellte Todesursache - Zertrümmern des Schädels mit einem Hammer - als falsch. Bei dem Toten wurden keine Gewaltspuren festgestellt. Das ergab die Obduktion der stark verwesten Leiche.

Damit war auch die Aussage des ebenfalls verurteilten Freundes der älteren Tochter widerlegt. Der junge Mann hatte vor Gericht behauptet, den verhassten toten Bauern zersägt und an die Hofhunde verfüttert zu haben. Auch von Verfüttern an Schweine war die Rede. Dennoch lehnte das für die Wiederaufnahme zuständige Landgericht Landshut einen neuen Prozess ab. Dagegen legten die Verteidiger Beschwerde ein - und bekamen nun recht.

Noch ist nicht sicher, ob es tatsächlich zu einem neuen Prozess kommt. Die Jugendkammer des Landshuter Gerichts muss erst prüfen, ob die Argumente der Anwälte tatsächlich eine neue Hauptverhandlung rechtfertigen. “Die Wiederaufnahme liegt nicht in weiter Ferne“, wies aber am Freitag Gerichtssprecher Theo Ziegler bereits den Weg in Richtung Neuauflage.

In erster Instanz hatte das Landgericht Ingolstadt 2005 nach einem reinen Indizienprozess die Witwe des Mannes und den Verlobten der älteren Tochter noch wegen Totschlags zu je achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Die beiden zum Tatzeitpunkt minderjährigen Töchter erhielten wegen Beihilfe Jugendstrafen bis zu dreieinhalb Jahren. Sie haben ihre Strafen längst abgesessen. Ihre Mutter wohnt inzwischen in einer betreuten Einrichtung. Der noch im Gefängnis sitzende Ex-Freund der älteren Tochter hat bisher keinen Wiederaufnahmeantrag gestellt.

Der Bauer war weithin als Haustyrann verrufen. Im Verlaufe des Prozesses stellte sich auch noch heraus, dass er seine beiden Töchter jahrelang sexuell missbraucht hatte. Da passte die Tatschilderung des Freundes der Tochter vor Gericht: Er habe dem Vergewaltiger nachts auf der Kellertreppe den Schädel eingeschlagen, die Leiche zersägt und in Portionen an die scharfen Hofhunde verfüttert - alles falsch, wie seit dem Zufallsfund des Toten in dessen altem Mercedes am 10. März 2009 und damit vor fast genau einem Jahr feststeht.

All dies hinderte die Richter der Landshuter Jugendkammer nicht, einem neuen Prozess zunächst eine Absage zu erteilen. Nach der Strafprozessordnung sei eine Wiederaufnahme nur dann zulässig, wenn es dann auch zu einem Freispruch für die Angehörigen kommen könnte, argumentierten die Richter. Das Gericht sah trotz neuer Spuren keine Zweifel an Motiv, Tatplanung und Tatbeteiligung der Verurteilten.

Die Anwälte der Familie sind nun hoch erfreut über die neuerliche Wende in dem schier endlosen Verfahren. “Ich rechne fest damit, dass es zu einem neuen Prozess kommt“, sagte Klaus Wittmann am Freitag, der die Witwe des Opfers vertritt. Schließlich sei das gesamte vom Gericht festgestellte Tatgeschehen längst widerlegt. Wittmann dringt auf einen Freispruch: “Das Stigma der Ehegattenmörderin muss weg.“ Und die Verteidigerin der älteren Tochter, Regina Rick, ergänzte: “Meine Mandantin ist sehr glücklich. Sie hatte fast nicht mehr damit gerechnet, dass es doch noch zu einem neuen Prozess kommen könnte.“

dpa

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