Nach Attacke durch Mithäftling

Mutmaßlicher Kindsmord: Prozessbeginn abgesagt

Ingolstadt - Nach dem blutigen Angriff eines Mithäftlings auf den mutmaßlichen Mörder der zwölfjährigen Franziska ist der Prozessbeginn gegen den 27-Jährigen abgesagt worden.

Das Verfahren vor dem Ingolstädter Schwurgericht startet nicht wie geplant am kommenden Montag (19. Januar), wie Gerichtssprecher Gerhard Reicherl am Donnerstag mitteilte.

„Wann der Prozess nun beginnen kann, ist völlig offen“, ergänzte er. Erst müsse geklärt werden, wann der Angeklagte wieder verhandlungsfähig ist. Der Mann hatte bei der Attacke seines Zellen-Mitbewohners in der Untersuchungshaft im schwäbischen Kaisheim am Dienstag zahlreiche Stichverletzungen erlitten.

Franziska war vor knapp einem Jahr entführt, in Neuburg a.d. Donau sexuell missbraucht und erschlagen worden. Die Große Strafkammer des Ingolstädter Landgerichts hat für den Prozess 18 Verhandlungstage angesetzt, an denen mehr als 100 Zeugen und fast 20 Sachverständige vernommen werden sollen. Der Angeklagte muss sich auch wegen der Vergewaltigung einer 21-Jährigen im Jahr 2013 und wegen sexuellen Missbrauchs einer 13-Jährigen im Januar 2014, nur wenige Wochen vor dem Mord an Franziska, verantworten.

Die Augsburger Staatsanwaltschaft äußerte sich auch am Donnerstag nicht näher zu dem Angriff des 31-Jährigen auf den mutmaßlichen Kindsmörder. Nach unbestätigten Berichten soll der Zellengenosse mit einem Nagel auf den Angeklagten losgegangen und ihn massiv an Hals und im Kopfbereich verletzt haben. Das Motiv ist bisher unklar.

Allerdings ist bekannt, dass Kindsmörder und Sexualstraftäter ganz allgemein in der Gefängnishierarchie auf der untersten Stufe stehen. Sie sind nicht selten das Ziel von Angriffen durch Mithäftlinge. Rechtsanwalt Adam Ahmed, der den 27-Jährigen verteidigt, teilte mit, sein Mandant habe 17 Stichverletzungen davongetragen.

Franziska, das einzige Kind ihrer Eltern, war am 15. Februar 2014 auf dem Heimweg vom Spielen mit Freundinnen entführt, auf grausame Weise sexuell missbraucht und mit einem Holzscheit erschlagen worden. Ihr Peiniger lauerte der Zwölfjährigen auf, als sie mit dem Fahrrad fuhr. Das Mädchen schickte einer Freundin von unterwegs eine SMS, dass ihm ein Auto auffällig folge. Der Hinweis wurde jedoch fatalerweise nicht nachgegangen. Zudem schöpften auch die Eltern keinen Verdacht, als ihr Kind nach Einbruch der Dunkelheit nicht heimkam. Sie waren der Meinung, Franziska würde bei einer Freundin übernachten. Der mutmaßliche Mörder wurde einen Tag nach der Tat festgenommen.

dpa/lby

Rubriklistenbild: © dpa

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