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Polizisten im OEZ, wo vergangenen Freitag der Amoklauf stattfand.

Nach Bluttaten in Bayern

"Wir müssen sichtbarer werden": Polizeipräsident will mehr Präsenz

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München – Das Sicherheitsgefühl der Bayern hat in den vergangenen Tagen arg gelitten. Robert Kopp, Polizeichef für das südliche Oberbayern, ruft seine Leute deshalb auf, öffentlich noch mehr Präsenz zu zeigen.  

Solche Appelle sind selten. Solche Situationen aber auch. Nach der Axtattacke in Würzburg, dem Amoklauf in München und dem Selbstmordattentat in Ansbach hat sich Robert Kopp, Polizeipräsident im Bereich Oberbayern Süd, in einem Schreiben an die Öffentlichkeit gewandt. „Das Gefühl von Angst und Furcht greift um sich“, schreibt er. Deshalb habe er seine Leute gebeten, „noch mehr auf die Menschen zuzugehen“. Die Polizei müsse „noch greifbarer und sichtbarer“ werden.

Kopp meint das durchaus wörtlich. Wichtig sei, dass die Leute die Polizei in der Öffentlichkeit wieder stärker wahrnehmen, sagte er auf Anfrage. Dazu ist ihm jede Gelegenheit recht. In den Fußgängerzonen, auf großen Plätzen und Festen – „wir müssen jede Gelegenheit nutzen, uns sichtbar zu machen. In Uniform. Selbst wenn wir nur zu einer Dienstbesprechung gehen.“

Diese Bitte hat Kopp schon vergangene Woche, nach der Axt-Attacke in Würzburg, an die Inspektionen in seinem Bereich gerichtet. Sein Aufruf ist im Grunde eine weich formulierte Richtungskorrektur bei der künftigen Einsatzplanung. Kopp sagt, es brauche den Mut, weniger dringende Aufgaben zeitweise zurückzustellen. Heißt: Lieber auf einem Straßenfest Streife gehen und mit den Menschen ins Gespräch kommen, als jedem, der ein Stoppschild überfährt, nachzufahren. „Wir müssen die Prioritäten anders setzen.“

"Wir müssen wieder mehr auf die Straße"

Robert Kopp fordert mehr Polizei-Präsenz auf den Straßen.

Das Echo aus den Inspektionen ist überwiegend positiv, auch über die Grenzen des Präsidiums hinaus. Der Freisinger Polizeichef Ernst Neuner sagte gestern, die Bürger würden künftig „mehr Polizei auf den Straßen sehen“. Das sei Teil eines neuen Konzepts, mit dem man den Menschen mehr Sicherheit vermitteln wolle. Vor allem bei öffentlichen Festen werden die 60 Einsatzkräfte verstärkt patrouillieren. Ähnliches ist aus den meisten Dienststellen zu hören. Der Priener Inspektions-Leiter Dieter Bezold sagte: „Wir müssen reagieren. Jetzt fahren wir eben doch in Uniform zu dem Seefest, auch wenn’s die letzten fünf Jahre dort wunderbar ruhig war.“ Und der Polizei-Chef von Bad Wiessee (Kreis Miesbach), Wilhelm Sigel, sagt: „Wir müssen wieder mehr auf die Straße. Auch mit Fußstreifen. Das müssen wir anpacken.“

Ganz ohne Probleme ist das jedoch nicht zu haben. Selbst der Freisinger Ernst Neuner sagt, für das Mehr an Präsenz müssten seine Leute Überstunden schieben. Andere sehen das nicht ein. Andreas Ruth, Vize-Inspektions-Leiter in Germering (Kreis Fürstenfeldbruck), klagt über „zu wenig Personal“ – genau wie sein Kollege Stefan Schraut aus Unterhaching (Kreis München). Auch eine bessere Ausrüstung seiner Beamten hält er für dringend nötig. „Es ist jetzt an der Zeit, da Gas zu geben. Nicht nur, um den Bürgern Sicherheit zu geben, sondern auch den Beamten.“

Mehr Präsenz löst nicht jedes Problem

Ein Manko, auf das auch die Gewerkschaft der Polizei in Bayern hinweist. Deren Landeschef Peter Schall sagte, die aktuelle Dienstwaffe, Fabrikat Heckler & Koch P 7, falle immer wieder durch Funktionsmängel auf und müsse möglichst schnell ersetzt werden. Zudem seien die Schutzwesten der Polizisten nicht für Langwaffen ausgelegt. „Einer Kalaschnikow halten die nicht Stand. Da haben die Kollegen natürlich einen gewissen Bammel.“ Wie Schall sagt, befasst sich das Innenministerium derzeit mit der Ausrüstungs-Frage.

Mehr Präsenz löst nicht jedes Problem, das ist auch Kopp klar. Sein Vorstoß ist vor allem als Signal gedacht. Botschaft: Wir sind da, wir können im Notfall reagieren. „Wir müssen uns immer mehr um die gefühlte Sicherheit der Menschen kümmern“, sagt er. Seit einiger Zeit schon sei spürbar, dass viele Bürger verunsichert seien und nach Antworten suchten – auch nach Attentaten im Ausland. Viele wollten wissen, ob sie sich einen kleinen Waffenschein zulegen sollen. Andere, ob sie Angst haben müssen, auf ein Konzert zu gehen. „Unsere Beamten können das beantworten und so Sicherheit vermitteln.“

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