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Ochsenfurt: Am Montagabend war ein 17 Jahre alter Afghane, der als Flüchtling in einem Heim in dem Ort gelebt hatte, mit einer Axt und einem Messer auf Fahrgäste in einem Regionalzug bei Würzburg-Heidingsfeld losgegangen.

Nach der Attacke von Würzburg

Experte im Interview: "Muslimisch heißt nicht automatisch gewalttätig"

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München - Nach der Tat von Würzburg stellen wir vier Fragen an Prof. Dr. Christian Pfeiffer. Er ist ein profilierter Kriminologe und war SPD-Justizminister in Niedersachsen.

Welche Flüchtlinge sind besonders gefährdet, gewalttätig zu werden?

Die ohne Aufenthaltsperspektive. Die wütend sind, dass ihre Mühen, nach Deutschland zu kommen, umsonst waren – das Geld für Schlepper, die Lebensgefahr. Wir wissen nicht, ob man dem Attentäter mitgeteilt hat, dass er zurück nach Afghanistan muss, sobald er 18 ist. Aber so geht es vielen Afghanen

In der Silvesternacht von Köln waren viele Täter aus Nordafrika und eben Afghanistan. Warum?

Der Kriminologe Christian Pfeiffer.

Diese Flüchtlinge sind in Kulturen männlicher Dominanz aufgewachsen. Fraglich ist im Würzburger Fall, ob er sich mit denen identifiziert, die ihn zur Flucht veranlasst haben. Es ist überraschend, dass jemand, der vor den Taliban flieht, IS-Symbole in seinem Zimmer hat

Wie kann das passieren?

Vielleicht wurde er radikalisiert durch traumatische Erfahrungen. Ganz generell: Wir erforschen seit langem die Gewaltkriminalität junger Muslime in Deutschland. Sie sinkt drastisch, wenn sie Zugang zu Bildung haben und über soziale Kontakte wie etwa Sport Zugang zu Gesellschaft finden. Je mehr deutsche Freunde sie haben, desto weniger gewalttätig sind sie. Und es hängt stark von der Bleibeperspektive ab: Die Kriminalitätsrate der Syrer liegt unterhalb der deutschen, bei Afghanen ist das Bild durchwachsen – Nordafrikaner haben keine Chance. Aber: Die These, wer muslimisch geprägt ist, ist hochgefährlich, ist falsch.

In Ihrer Studie von 2010 hieß es aber doch, junge Muslime Jugendliche sind umso gewaltbereiter, je religiöser sie sind... 

Das müssen wir aufgrund der neuen Daten, die wir gerade auswerten, möglicherweise revidieren. Die Gewaltkriminalität junger Muslime ist immer noch problematischer als die der Einheimischen, aber der Abstand ist kleiner geworden. Ja, bisher gilt: Je religiöser Muslime sind, umso schwieriger tun sie sich, sich in unserer Gesellschaft zu integrieren. Die gesteigerte Fremdheit, die bei hoher Religiösität entsteht, dürfen wir aber nicht nur denen in die Schuhe schieben, sondern auch uns, die damit nichts zu tun haben wollen. Bei einem Nichtgläubigen ist man schnell dabei, den zum Geburtstag einzuladen. Wenn einer drei Mal am Tag betet oder Kopftuch trägt, ist das schon schwieriger.

Alle aktuellen Informationen zur Tat in Würzburg finden Sie in unserem News-Blog.

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