Arbeitsausstand unterbrochen

Nach Bahnstreik: Probleme noch bis Montag

München – Der Streik ist vorbei. Am Samstagabend haben die Lokführer der Gewerkschaft GDL nach drei Tagen ihren Arbeitsausstand vorzeitig um 18 Uhr abgebrochen. Also rollt wieder alles auf der Schiene? Ganz so einfach ist es nicht.

Züge und Personal müssen erst an ihren jeweiligen Einsatzort gelangen – deshalb kann es noch bis in die Morgenstunden des heutigen Montags andauern, ehe der reguläre Fahrplan wieder eingehalten wird.

Oberste Priorität hatten beim Aufbau des Regelfahrplans am Samstag zunächst die Fernverkehrszüge. Bis Sonntagabend sollten auf den Hauptstrecken wieder 60 Prozent des üblichen Angebots erreicht werden. Im Regionalverkehr kehrte die Bahn erst am Sonntag schrittweise zum Regelfahrplan zurück. In München fuhren am Samstag jedoch bereits mehr S-Bahnen als in den vergangenen Tagen.

Die Streiks kommen die Bahn aus Sicht der GDL inzwischen teurer zu stehen als ihre Tarifforderung: Die bisherigen Ausstände hätten das Unternehmen rund 200 Millionen Euro gekostet, heißt es in einer Mitteilung der Gewerkschaft. Die Bahn hatte allein für den laufenden sechsten Streik dieser Tarifrunde Summen von 50 bis 60 Millionen Euro und von etwa 100 Millionen Euro genannt. Wie teuer ihre Tarifforderung ist, teilte die GDL nicht mit. Der Verkehrsökonom Christian Böttger nannte „Focus Online“ die Summe von 35 Millionen Euro pro Jahr. Der Knackpunkt der Verhandlungen ist jedoch nicht die Frage, ob die Lokführer mehr Geld bekommen. Wie berichtet, will die GDL auch Tarifabschlüsse für Zugbegleiter verhandeln, worum sich bislang die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft kümmert. Die Bahn will das verhindern.

Einen Termin für neue Verhandlungen zwischen Bahn und Gewerkschaft gibt es noch nicht. GDL-Chef Claus Weselsky sagte am Samstag auf dem Leipziger Hauptbahnhof: „Wir diskutieren jetzt erstmal nicht über Streiks. Wir warten auf Verhandlungen.“ Bahn-Chef Rüdiger Grube wies indes alle Schuld von seinem Unternehmen: „Wir haben Kompromisse angeboten, sogar mehrere Schlichtungen vorgeschlagen. Die GDL sagte aber bisher zu allem kategorisch Nein.“

Der GDL den Rücken stärkt die Aktion Münchner Fahrgäste. In einer Pressemitteilung dankt der Fahrgastverband den Lokführern dafür, dass sie vorzeitig in ihre Führerhäuser zurückgekehrt sind. „Dies zeigt, dass auch die Führung der GDL mit Augenmaß handelt. Die Deutsche Bahn bleibt aufgefordert, unterschiedliche Tarifverträge zuzulassen“, so Verbandssprecher Andreas Nagel.

mm

Rubriklistenbild: © dpa

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