+
Aufg’spuit werd nur noch bei BR Heimat! Bayern 1 sendet keine Volksmusik mehr. Das sorgt für Furore bei Musikern, Volksmusikfreunden und Politikern.

Änderungen bei Bayern 1

Nach BR-Entscheidung: Es brodelt in der Volksmusikszene

  • schließen

München - Der Bayerische Rundfunk sendet künftig keine Volksmusik mehr auf Bayern 1. Jetzt brodelt es in der Volksmusik-Welt. Denn viele Volksmusik-Freunde sorgen sich um die bayerische Kultur.

Andreas Horber hofft auf neue Chancen für die Blasmusik.

Bei Andreas Horber steht seit Dienstagnachmittag das Telefon nicht mehr still. Auf seinem E-Mail-Konto gehen ständig neue Nachrichten ein. Nachrichten von besorgten Musikern und verärgerten Blasmusikfreunden. Andreas Horber ist der bayerischer Blasmusik-Chef. Er ist Leiter des Referats für Laienmusik und Geschäftsführer des Bayerischen Blasmusikverbands. Dazu gehören 2500 Musikgruppen und knapp 120.000 aktive Mitglieder. Horber weiß: „In den Vereinen ist der Aufschrei groß.“

Denn der Bayerische Rundfunk hat beschlossen, nach Pfingsten die Volks- und Blasmusik aus dem Programm von Bayern 1 zu streichen. Für viele ist es aber mehr als nur die Streichung einer Sendung, es ist die Streichung eines Stücks Heimat. Volksmusik gehört für die Bayern eben zum Freistaat wie Lederhosn und Weißwürste. Kein Wunder, dass es jetzt brodelt.

Einer der ersten und vielleicht prominentesten Kritiker ist Bezirketags-Präsident Josef Mederer (CSU). Er erklärt in einem Protest-Brief an den BR-Intendanten Ulrich Wilhelm, dass eine Absetzung der Sendungen „in eine kulturelle Verarmung“ führen würde. Heimatminister Markus Söder (CSU) warnt den BR davor, zum zweiten MDR oder WDR zu werden, und die Freien Wähler überlegen, Unterschriften gegen die Neuerung zu sammeln.

Junge Leute starten Online-Petition

Das machen auch Maximilian Stocker aus Icking und Ruth-Maria Frech aus Irschenhausen (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen). Die beiden 24-Jährigen haben die Online-Petition „Gegen die Absetzung der täglichen Volksmusik auf Bayern 1“ gestartet. Bis am Mittwochabend hatten über 800 Unterstützer unterschrieben. Auch auf der Facebook-Seite des Bayerischen Rundfunks kritisierten viele Hörer die Entscheidung.

Bis jetzt gab es jeden Abend eine Stunde Volksmusik und am Sonntagvormittag eine Stunde Blasmusik in Bayern 1. Für viele ein festes Ritual. Die Volksmusik gehöre einfach zum Feierabend dazu, schreiben die Nutzer. Wie Breze oder Brotzeit.

Martin Wölzmüller versteht die Entscheidung des Bayerischen Rundfunks.

Wer weiterhin Volksmusik hören möchte, muss jetzt BR Heimat einschalten. Das ist nur mit einem Digitalradio oder über das Internet möglich. Manche Hörer müssen sich ein neues Gerät kaufen. Walter Schmich, Programmbereichsleiter von Bayern 1, verspricht: „Die Digitalradios sind einfach zu bedienen.“ Der BR, Musiker und Brauchtumsvereine hoffen, dass das Angebot von den Volksmusikhörern angenommen wird. „Es ist ohnehin der Ausspielweg der Zukunft“, sagt Martin Wölzmüller vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege. Der Verein gehört zu den Brauchtumsinstitutionen, die der BR eingeladen hat, um die Änderungen vorab zu besprechen. Wölzmüller kann die Entscheidung des BR nachvollziehen. „BR Heimat ist mehr als ein Ausgleich für uns. Die Einstellung ist eine Vernunftentscheidung“, sagt er.

Denn immer weniger Bayern-1-Hörer haben die Volksmusiksendungen eingeschaltet. „Wir haben von Jahr zu Jahr beständig Hörer verloren“, sagt Walter Schmich. Das Programm BR Heimat, auf dem durchgehend bayerische Musik läuft, sei dagegen mit rund 110.000 Hörern sehr erfolgreich.

Vor ein paar Tagen feierte der Sender einjähriges Bestehen. „Der BR hat mehr Geburtstagsglückwünsche als Beschwerden über die Änderung bekommen“, sagt BR-Volksmusikbeauftragter Stefan Frühbeis.

Kein Zusatzangebot mehr

Auch Carmen Kühnl vom Verein für Volkslied und Volksmusik hört gerne BR Heimat. Sie ärgert sich trotzdem über die Einstellung der Sendungen in Bayern 1. „Es hieß eigentlich, dass BR Heimat ein Zusatzangebot sein soll. Das stimmt jetzt nicht mehr“, sagt Kühl. Sie findet: „Es ist wichtig, dass bayerische Themen weiter im analogen Programm bleiben. Aber es wird immer weniger.“

Das befürchten auch einige oberbayerische Trachtler. Ein Schlag ins Gesicht sei das, sagt Peter Egner, Gausängerwart der Oberländler Trachtenvereinigung. Er warnt: „Jetzt stecken’s die Volksmusik ins Reservat, wie früher bei den Indianern.“

Dem widerspricht Volksmusikbeauftragter Stefan Frühbeis deutlich: „Wir haben ein gewaltiges zusätzliches Angebot. Die ganze Klangfarbe der Volksmusik konnten wir vorher nicht anbieten.“

Damit beruhigt auch Andreas Horber die Blasmusiker, die sich an ihn wenden. Er war ebenfalls bei den Gesprächen mit dem BR dabei. Am Anfang sei er skeptisch gewesen, sagt er. Jetzt überwiegt zumindest bei ihm der Optimismus: „Es ist auch eine große Chance für uns, wenn wir den Weg mitgehen.“

Lesen Sie auch zum Thema: 

Bayern 1 verbannt Volksmusik - Abgeordneter plant Unterschriftenaktion

BR-Redakteur äußert sich im Interview zum Volksmusik-Aus auf Bayern 1 

Isarwinkler Volksmusiker sind sauer auf den BR

"Programmdirektor gehört in die Wüste geschickt"

Mit Material von cce und hut

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Autofahrer muss niesen und fährt ungebremst in die Leitplanke
Es waren nur wenige Millisekunden, die ein Autofahrer gezwungenermaßen unachtsam war - doch seine Niesattacke hat auf der A73 zu einem Unfall geführt. 
Autofahrer muss niesen und fährt ungebremst in die Leitplanke
Autofahrerin prallt mit Wagen gegen Hauswand und stirbt
Bei einem schweren Unfall am Samstagnachmittag ist eine Frau ums Leben gekommen. Die 63-Jährige war in Regensburg gegen eine Hauswand gefahren.
Autofahrerin prallt mit Wagen gegen Hauswand und stirbt
Auto stürzt in die Donau - Fahrerin tot
Ein Auto ist im Kreis Dillingen in die Donau gefahren. Taucher fanden am Samstagnachmittag die Fahrerin im Wageninneren.
Auto stürzt in die Donau - Fahrerin tot
Falkenhütte wird saniert: Riesen-Projekt für 6,3 Millionen
Es ist das größte Hüttenbauprojekt, das die Alpenverein-Sektion Oberland je in Angriff genommen hat: Ab September wird die Falkenhütte im Karwendel für 6,3 Millionen …
Falkenhütte wird saniert: Riesen-Projekt für 6,3 Millionen

Kommentare