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Peter Paul Gantzer kritisiert das Vorgehen der Polizei in Kempten scharf.

Peter Paul Gantzer kritisiert Vorgehen

Drogenskandal in Kempten: Rätsel um Koks-Polizisten

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München - Die Landtagsopposition erhebt nach dem Drogenskandal in Schwaben schwere Vorwürfe gegen die Beamten vor Ort. Sie kritisiert ein Wegschauen der Vorgesetzten.

Peter Paul Gantzer (75) kann sich noch gut an „Miami Vice“ erinnern. Wenn der SPD-Abgeordnete über den Drogenskandal der Polizei Kempten spricht, muss er zwangsläufig an die Kultserie der 80er-Jahre denken. So unglaublich sind die Vorkomnisse, dass sie normalerweise nur in ein Krimi-Drehbuch passen.

Im Februar hatten Beamte 1,8 Kilogramm Kokain im Spint des Leiters der Kemptener Drogenfahndung gefunden. Außerdem wurde bekannt, dass er jahrelang Alkohol und Drogen genommen, seine Frau geschlagen und vergewaltigt hatte.

Angeklagt ist er unter anderem wegen Körperverletzung, Vergewaltigung und unerlaubtem Besitz von Beteubungsmitteln. Trotzdem blieb er lange Chef des Dezernats, und seine Schattenseite unerkannt. Derzeit sitzt er in Untersuchungshaft.

Die Polizei untersteht dem Innenminister. Grobe Pannen dort sind deshalb immer ein Politikum. Gantzer kritisierte im Innenausschuss des Landtages die Vorgesetzen des Kemptener Polizisten. „Da sind schon ganz große Fehler begangen worden.“ Die Opposition – Freie Wähler und Grüne beteiligten sich an der Manöverkritik – hegt zudem nach wie vor große Zweifel, ob der ehemalige Chef der Kemptener Drogenfahndung wirklich keine Kontakte zur Mafia gehabt habe.

Damaliges Verfahren wurde wegen einer Aussage seiner Frau eingestellt

Das hatte Landespolizeipräsident Wilhelm Schmidbauer in seinem Bericht betont. Ein Zusammenhang zu Mafiastrukturen könne nach umfangreichen Recherchen nicht bewiesen werden. Klar ist mittlerweile, dass der Angeklagte schon länger Drogen konsumierte und auf seine Frau losging. Erstmals 2009.

Das damalige Verfahren wurde aber – wegen einer Aussage seiner Frau – eingestellt, und er behielt seinen Chefposten. Er ließ sich fachärztlich behandeln und vom Dienststellenleiter betreuen. Dennoch griff er wieder zu Alkohol und Drogen. Ohne dass es ein Kollege bemerkte. „Weder Vorgesetzte noch Mitarbeiter gaben an, Auffäligkeiten festgestellt zu haben“, so Schmidbauer.

Diese Aussage versetzte die Opposition in Rage. „Ich frage mich, was da in der Dienststelle im Allgäu los war“, sagte Gantzer, „wenn das kein Kollege, kein Vorgesetzter gemerkt hat“. Er selbst sei jahrelang Chef gewesen und habe erkannt, wenn ein Mitarbeiter trinke. SPD-Kollege Paul Wengert warf die Frage auf, wie intensiv der Polizist betreut wurde. Katharina Schulze (Grüne) fragte, wie der Polizist überhaupt Chef des Drogendezernats bleiben konnte.

Die CSU stellte sich in diesem Punkt vor die Polizei. Manfred Ländner nahm die Kollegen des mutmaßlichen Straftäters in Schutz. „Es ist schwierig, das zu erkennen.“ Wenn, hätte man den Konsum nur mit Maßnahmen nachweisen können, die gegen Dienstrecht verstoßen.

Ein weiterer Kritikpunkt: die Herkunft der 1,8 Kilo Kokain. „Wie kriegt er so viel zusammen?“, fragte Gantzer. Darauf wusste auch Schmidbauer keine Antwort. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass er die Drogen dienstlich bekommen und behalten habe. Mehr Infos gibt’s dafür zu zwei Polizistinnen, die mit dem Fall zu tun haben. Gegen eine, die Ex-Freundin des Angeklagten, wird wegen Drogenbesitzes ermittelt, da ihre DNA auf den Päckchen gefunden wurde. Ihre Freundin, die unter Verdacht der Strafvereitelung steht und suspendiert worden war, ist wieder im Dienst.

Andreas Mayr

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