Expedition beendet: Frank Irnich.

Bergsteiger werden ausgeflogen

Nach dem Erdbeben: "Ein Gipfelerfolg wäre jetzt schal und nichtig"

München - Nach dem verheerenden Erdbeben in Nepal wurden zahlreiche Expeditionen am Mount Everest abgebrochen. Die Bergsteiger haben noch Glück: Sie werden ausgeflogen

Christian Klos, Leiter des trimedialen BR-Projekts „8848.Evererst“, bringt auf dem Punkt, was wohl vielen Bergsteigern am Mount Everest durch den Kopf ging: „Wir können nicht den höchsten Berg der Welt stürmen, während sich im Tal die größte humanitäre Katastrophe abspielt, die die Region je erlebt hat.“ Das BR-Projekt, vom Sender aufwändig inszeniert, wurde gestern abgebrochen. BR-Reporter Alex Brutscher war gestern im Basislager schon am Packen ebenso die beiden Bergsteiger, die er im Rahmen einer von „Amical Alpin“ organisierten Tour begleiten sollte. „Wir wollen unsere Augen vor dem Leid, das sich zugetragen hat, nicht verschließen“, erklärten die beiden Füssener Extrembergsteiger Alix von Melle und Luis Stitzinger. „Ein möglicher Gipfelerfolg würde sich schal und nichtig anfühlen.“

Am Mount Everest begannen Rettungshubschrauber begannen am Montag, mehr als 150 Kletterer aus höheren Lagen am Mount Everest zu befreien. Die meisten waren nicht – wie das BR-Team – auf der chinesischen Nordseite, sondern über die klassische Aufstiegsroute im Süden unterwegs Richtung Gipfel. Nun ist die Abstiegsroute blockiert, Bergsteiger, die schon in Lager 1 oder noch weiter oben sind, sitzen fest. Hubschrauberflüge in dieser Höhe sind äußerst schwierig, aber machbar, so dass die Evakuierung allenfalls eine Frage der Zeit sein dürfte. Im Basislager, das von einer Lawine überrollt wurde, starben mindestens 18 Bergsteiger, darunter zwei Amerikaner, ein Chinese, ein Australier und mehrere Nepalesen. 65 Bergsteiger wurden verletzt. Unbeschadet davon gekommen ist Frank Irnich, ein Physiotherapeut aus Geretsried mit Wohnsitz in Wackersberg, der Teilnehmer einer niederländischen Expedition („Arnold Coster“) war und Mount Everest sowie Lhotse besteigen wollte. Irnich hat einen Rückflug ergattert, am Mittwoch will er zurück in Wackersberg sein. „Aber einige unserer Sherpas haben in ihren Dörfern Familienangehörige oder ihre Häuser verloren. Die Lage hier ist grauenvoll.“ Der Summit Club des Deutschen Alpenvereins hat insgesamt vier Trekking-Gruppen mit 26 Teilnehmern in der Region, allerdings nicht direkt am Mount Everest. „Alle sind wohlauf“, sagte DAV-Sprecher Thomas Bucher. „Sie warten nur auf eine Möglichkeit der Rückkehr nach Kathmandu.“ Zum Beginn der Klettersaison befanden sich bis zu 1000 Menschen im Everest-Gebiet.  

dw/pb/AFP

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