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Wiederaufbau nach der Jahrhundert-Flut: Handwerker stehen in Fischerdorf auf dem Rohbau eines Hauses.

150 Häuser werden abgerissen

Nach der Flut: Deggendorf vor dem Neuanfang

Deggendorf - Hunderte Menschen in Deggendorf stehen vor einem Neuanfang. Das Jahrhundert-Hochwasser, noch immer prägt es ihr Leben. 150 Häuser müssen abgerissen werden, allerorten ragen Baukräne in den Himmel.

Die gewaltige Hecke im Deggendorfer Stadtteil Fischerdorf hat jahrzehntelang jedem Wetter standgehalten – auch das Jahrhundert-Hochwasser hat sie überstanden. Das Haus im Inneren der natürlichen Umrandung war nicht so standhaft: Es musste abgerissen werden. „Erst wurde nur der Außenputz abgeschlagen. Dann war aber klar, dass zu viel Öl im Mauerwerk ist. Zwei Tage später war das Haus weg“, sagt Rosemarie Seidler (71), die mit ihrem Mann 24 Jahre dort gelebt hatte.

Die Flut Anfang Juni hat zahlreiche Baulücken in den Stadtteilen Fischerdorf und Natternberg hinterlassen – mehr als 150 Gebäude müssen abgerissen werden, hunderte werden saniert. Dutzende Baukräne ragen zur Zeit in den Himmel, Arbeiter trotzen auf den Baustellen Kälte, Schnee und Regen. Im Landratsamt Deggendorf hängen zwei große Luftbilder. Darauf sind die einzelnen Häuser der beiden betroffenen Stadtteile zu sehen. In jedem Gebäude steckt ein farbiges Fähnchen – grün für sanierungsbedürftig, orange für Abriss.

Neben dem Wiederaufbau ist vor allem die Politik gefragt. Bereits im Februar hatte der Landtag für den Hochwasserschutz 600 Millionen Euro genehmigt. „Am Geld wird es also nicht scheitern“, sagt Deggendorfs Landrat Christian Bernreiter (CSU). Es gelte nun schnellstmöglich genehmigungsfähige Deiche zu bekommen. Im Raum Deggendorf sei bereits eine Einigung über einen Flutpolder mit einem Fassungsvermögen von 20 Millionen Kubikmeter Fassungsvermögen erzielt worden. Technisch sei ein Schutz vor einem Hundertjährigen Hochwasser möglich – plus einem Puffer von einem Meter. Bernreiter warnt aber auch: „Wir dürfen den Menschen aber nicht sagen, es gibt eine hundertprozentige Sicherheit.“

Die Menschen interessiert wenige Tage vor Weihnachten aber vor allem, wann sie zurück in ihre Wohnungen kommen. Holger Schimanski wohnt seit Monaten in einem Wohnwagen im Garten seiner Nachbarn. Bis März oder April muss er die Notlösung noch in Kauf nehmen. Aber der 48-Jährige sieht es gelassen. „Ich habe keinen Groll. Gegen wen auch?“

Von André Jahnke

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