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John Demjanjuk kam am Mittwoch im Rollstuhl in den Verhandlungssaal

Hungerstreik-Drohung: Demjanjuks Anwalt setzt Antragsserie fort

München - 80 Anträge am Montag, 47 neue am Dienstag: Staatsanwaltschaft und Nebenklage schimpfen im Verfahren gegen den mutmaßlichen NS-Verbrecher Demjanjuk über Prozess-Verschleppung.

Im Prozess gegen den mutmaßlichen NS-Verbrecher John Demjanjuk hat Verteidiger Ulrich Busch seine Antragsserie auch am Mittwoch fortgesetzt. Insgesamt stellte er 47 neue Anträge - am Vortag waren es mehr als 80 gewesen. Ursprünglich wollte das Landgericht München II bereits am Dienstag die Beweisaufnahme schließen und mit dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft beginnen. Staatsanwaltschaft und Nebenklagevertreter warfen Busch schon am Dienstag Prozessverschleppung vor. Die Inhalte der Anträge seien nicht neu, manches sei vom Gericht bereits abgewiesen worden. Demjanjuk soll 1943 als Wachmann im Vernichtungslager Sobibor bei der Ermordung von mindestens 27 900 Juden geholfen haben.

Busch verlas am Mittwoch unter anderem erneut einen Befangenheitsantrag gegen das Gericht - mehr als 20 hatte er in dem 15-monatigen Verfahren bereits gestellt. Dieses Mal sah er eine Befangenheit wegen eines Beschlusses, der ihm Reisen nach Moskau, Israel und Washington zu Sichtung von weiterer Unterlagen nicht genehmigte.

Gegen Demjanjuk, der den Prozess im Liegen von einem Bett neben der Richterbank aus verfolgt, darf wegen dessen schlechter Gesundheit nach ärztlicher Vorgabe nur maximal zwei Mal 90 Minuten verhandelt werden. Am Dienstag hatte der 90-Jährige in einer Erklärung angekündigt, wenn das Gericht Anträge seiner Verteidigung zu seiner Entlastung nicht berücksichtige, werde er binnen zwei Wochen in Hungerstreik gehen. Mit gutem Appetit soll er allerdings am selben Tag noch Brathendl aus der Gerichtskantine verspeist haben.

In mehr als 80 Verhandlungstagen hatte Busch bereits zuvor weit über 200 Anträge gestellt. Ein Ende der neuen Antragsflut ist nicht abzusehen. Am Mittwoch hatte der Verteidiger angekündigt, auch in der nächsten Woche werde er mindestens noch zwei Tage brauchen. Busch hat offenbar die Anträge nummeriert, sie jedoch nicht in der Reihenfolge vorgetragen - die höchste Nummer, die er am Mittwoch verlas, war 362. Damit könnte er möglicherweise noch 230 Anträge im Köcher haben.

dpa

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