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Tagelang im Dauereinsatz: Die Freiwillige Feuerwehr Bad Aibling war nach dem schweren Zugunglück besonders gefordert.

Streit zwischen Feuerwehr und Stadtrat

Nach Katastrophe von Bad Aibling: "Wir erwarten Respekt!"

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Bad Aibling – Kein Lob? Kein Respekt? Zwei Wochen nach dem Zugunglück bei Bad Aibling ist zwischen Feuerwehr und Stadtrat ein Streit entbrannt. Im Kern geht es um mangelnde Anerkennung für die Retter.

Selten hat das Rathaus in Bad Aibling so viel Politprominenz gesehen wie am Tag nach dem großen Unglück. Horst Seehofer kam und mit ihm eine ganze Garde von Landes-Politikern. Im großen Konferenzsaal redeten sie über eine Stunde mit Einsatzkräften, die tags zuvor noch Leichenteile aus rauchenden Meridian-Wracks geholt hatten. Im Anschluss sagte Wolfram Höfler, 62, die Anerkennung habe gut getan.

Höfler ist Feuerwehr-Kommandant in Bad Aibling und steht nun, zwei Wochen nach dem Zugunglück, im Zentrum eines Streits zwischen Feuerwehr und Stadtrat. Wieder geht es um Anerkennung, aber diesmal um zu wenig davon.

Auslöser ist ein anonymer Kommentar auf dem Internetportal rosenheim24.de. Darin wirft der Verfasser den Mitgliedern des Stadtrats vor, sich während des Einsatzes nicht gezeigt zu haben: „Der Rückhalt gegenüber den Einsatzkräften war und ist auch dieses Mal wie immer nicht da! Kein Lob! Keine Verbundenheit! Kein Respekt! Keine Anerkennung!“

Kommandant Höfler: Es hat sich kein Stadtrat sehen lassen

Ist Höfler der Kommentator? Der Stadtrat vermutet das und hat Höfler aufgefordert, sich zu entschuldigen. Der winkt ab. Nichts habe er geschrieben – nach dem Unglück habe er schließlich besseres zu tun gehabt. Inhaltlich ist er mit dem Text aber einverstanden: „Es hat sich kein einziger Stadtrat sehen lassen, während Barbara Stamm vor Ort war, mit uns Abend gegessen und sich unterhalten hat.“ Das will er so nicht akzeptieren: „Wir erwarten Respekt.“

Der Streit kommt nicht aus heiterem Himmel. Das Verhältnis zwischen Feuerwehr und einigen Stadträten ist schon seit längerer Zeit angespannt. Am Rande des Großeinsatzes vor zwei Wochen beklagte Höfler, der Stadtrat treffe Entscheidungen am Kommandanten, also an ihm vorbei. Gemeinsame Gespräche, zum Beispiel über Anschaffungen für die Feuerwehr, seien oft sehr schwierig.

Der Zwist geht also über das Zugunglück hinaus, umso größer ist der Klärungsbedarf. Am Dienstag gab es schon ein Gespräch, an dem neben Höfler auch Bürgermeister Felix Schwaller (CSU) teilnahm. Man ging ohne Einigung auseinander. Deshalb hat die Feuerwehr der Stadt ein Ultimatum gestellt. Sollte es kein Zeichen der Anerkennung geben, wollen Höfler und Co. ab heute, 20 Uhr, ihren Dienst niederlegen. Höfler sagt ganz ohne Polemik: „Wir fordern von jedem Stadtrat zumindest ein Nicken.“

Am Donnerstagabend fällt die Entscheidung: Legt die Feuerwehr den Dienst nieder?

Bürgermeister Schwaller sagte zu all dem nichts. Allerdings will er heute Abend im Stadtrat eine Resolution verlesen. Ihr Inhalt ist geheim. Aus dem Rathaus heißt es nur, sie gehe auf berechtigte Forderungen der Feuerwehr ein. Der Stadtrat soll dann über die Resolution abstimmen.

Höfler hofft auf einen guten Ausgang, ist aber skeptisch. Er und sein Team werden heute in voller Montur im Rathaus erscheinen und sich die Resolution anhören. Das klingt nach „Showdown“ – und so ist es auch gemeint.

Für den Fall, dass es keine Lösung gibt, ist vorgesorgt. Die Feuerwehr Kolbermoor würde für ihre Kollegen einspringen, auch die fünf Stadtteil-Wehren stünden bereit. Für die Stadt ist das eine verzwickte Situation. Sie muss sich laut Feuerwehrgesetz um den Brandschutz kümmern und könnte, auch das steht im Gesetztestext, die Freiwilligen aus Bad Aibling zum Feuerwehrdienst verpflichten. Allerdings müsste die Stadt dann für die Einsatzstunden zahlen. So einen Fall gab es bislang noch nicht.

Schweres Zugunglück bei Bad Aibling - Die Bilder

Schon deshalb hofft auch der Vorsitzende des Landesfeuerwehrverbands, Alfons Weinzierl, auf eine Einigung. In einer Stellungsnahme erklärt er, es wäre das beste, „wenn die Verantwortlichen der Stadt Bad Aibling von sich aus auf die Feuerwehr zugehen würden“. Dort ist die Stimmung seit dem schweren Einsatz ohnehin angespannt. Die Hälfte seines 60-köpfigen Teams sei inzwischen in psychosozialer Behandlung, sagt Höfler. „Das ist ein denkbar schlechter Zeitpunkt für so einen Streit.“

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