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Die Ereignisse in Bad Reichenhall sind kein Einzelfall: Wie auf dem Bild zu sehen ist, durften 2010 auch in der ehemaligen Kaserne Brannenburg Kinder mit Waffen spielen.

Nach Kriegsspielen in Kaserne: Ermittlungen gestoppt

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Bad Reichenhall/Berlin - Der umstrittene „Tag der offenen Tür" in der Bad Reichenhaller Kaserne hat jetzt auch den Bundestag erreicht. Die Abgeordneten stellten sich vorerst hinter die Soldaten. Auch die Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen gestoppt. Dennoch bleibt Skepsis: Waffen und Kinder - kein Widerspruch?

Sechs Stunden lang saß der Verteidigungsausschuss in Berlin zusammen. Auf der Tagesordnung der Parlamentarier standen neben Berichten aus Afghanistan auch die Kriegsspiele beim Tag der offenen Tür in der Bad Reichenhaller General-Konrad-Kaserne. „Quer durch alle Fraktionen wurde das Aufstellen des Ortsschildes ,Klein-Mitrovica‘ verurteilt“, sagte Susanne Kastner (SPD), Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, nach der Sitzung.

Wie berichtet handelt es sich dabei um eine real existierende Stadt in der Republik Kosovo, die immer wieder Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen war. In Bezug auf die laufenden Ermittlungen des Oberkommandos des Heeres stellte Kastner jedoch klar: „Bis Ergebnisse vorliegen, gilt auch für Soldaten die Unschuldsvermutung.“ Kastner erwartet nächste Woche die Ergebnisse der Untersuchung.

Auch der Verteidigungsstaatssekretär Christian Schmidt stellte sich vor die Soldaten. „Ich erwarte Respekt vor den Soldaten der Gebirgsjägerbrigade 23, die gerade aus Afghanistan zurückkommen“, sagte der CSU-Politiker unserer Zeitung. Er warf dem „Bündnis Rabatz“, das den Vorgang aufgedeckt hatte, vor, die Bundeswehr diskreditieren zu wollen. Der Ortsname „Klein-Mitrovica“ sei nicht gut gewählt, aber mit Sicherheit keine Anlehnung an den Zweiten Weltkrieg gewesen. Schmidt kündigte an, der Vorgang werde genau untersucht. Er stellt sich vor Brigadekommandeur Johann Langenegger: „Ich habe in ihn absolutes Vertrauen.“ Wenn es Anlass zu Korrekturen gebe, werde Langenegger sie ohne Ansehen der Personen vornehmen. Langenegger ist sowohl Kommandeur in Bad Reichenhall als auch dortiger Leiter der Untersuchung.

An Tagen der offenen Tür will Schmidt festhalten. „Das ist nötig, wenn man die Bundeswehr in der Gesellschaft halten will.“ Besuchern müsse klar sein: „Die Bundeswehr ist per se bewaffnet.“ Schmidt kündigte aber an, stärker auf eine jugendgerechte Umsetzung zu achten.

Während die Verteidigungsexperten in Berlin über die Vorkommnisse diskutierten, gab die Staatsanwaltschaft in Traunstein das Ende der Vorermittlungen bekannt. „Es liegen keine zureichenden tatsächlichen Anhaltspunkte für verfolgbare Straftaten vor“, hieß es. Kriegswaffen seien nicht tatsächlich unter Kontrolle der Besucher gewesen, das Schild „Klein-Mitrovica“ sei bereits vor Jahren zu Ausbildungszwecken angefertigt worden. Auch Schmidt hatte Vorermittlungen in Richtung Volksverhetzung übertrieben genannt.

Fakt ist, so hatte es Heereskommando-Sprecher Siegfried Houben am Freitag mitgeteilt, dass eine Regelung der Bundeswehr Kindern und Jugendlichen das Hantieren mit Waffen - ob geladen oder nicht - verbietet. Sowohl beim Tag der offenen Tür in Bad Reichenhall als auch in der seit 2010 aufgelösten Karfreit-Kaserne in Brannenburg (Kreis Rosenheim) wurde mehrfach dagegen verstoßen.

Das belegen Fotos und ein Video, dass das Bündniss "Rabatz" in Internet gestellt hat. Darauf zu sehen sind Kinder und Jugendliche mit Pistolen, Sturmgewehren und schwerem Geschütz. Houben ist seit gestern nicht mehr für den Fall Reichenhall zuständig.

Bei der 10. Panzerdivison in Sigmaringen, der den Bad Reichenhallern übergeordneten Dienststelle, hieß es gestern, man sei um Transparenz bei der Aufklärung der Ereignisse bemüht. Aus diesem Grund werde es zu den Untersuchungen heute eine Pressekonferenz geben.

Patrick Wehner und Christian Deutschländer

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