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Wer spricht wo was wie aus? Unsere Karte zeigt die verschiedene Dialekte in Bayern.

Dachauer Zungenschlag oder Isarwinkler?

Nach Leserdiskussion: Sprachforscher erklärt Ludwig Thomas Dialekt

München - Nach unserem Artikel zum 100 Jährigen Jubiläum von Ludwig Thomas "Heilige Nacht" entspann sich einen heftige Diskussion um den Dialekt des Dicht-Meisters. Ein Sprachforscher klärt nun auf.

Ludwig Thoma und die Mundart – unsere Geschichte im Artikel zu Heiligabend hat unter Dialektkennern Diskussionen ausgelöst. Manche schreiben Thoma einen Dachauer Zungenschlag zu, andere einen Isarwinkler. Wiederum andere betonen, dass Worte wie „Klumsn“ oder „enk“ doch jedem Bayern bekannt sein müssten. Zur Aufklärung ein Gespräch mit Horst Münzinger, Vorsitzender des Fördervereins Bairische Sprache und Dialekte.

Herr Münzinger, reden wir über den Spracherwerb: Ludwig Thoma ist kein Lenggrieser, hat aber die ersten sechs Lebensjahre in Vorderriß verbracht. Reicht das aus, um sich eine Isarwinkler Mundart anzueignen?

Sagen wir so: Kinder bis zum 6. oder 7. Lebensjahr können eine Sprache perfekt erwerben, also unbewusst aufnehmen – nicht wie in einer Schule lernen. Mit zunehmenden Alter wird das schwieriger. Da also Ludwig Thoma seine ersten Lebensjahr in Vorderriß verbracht hat, können wir davon ausgehen, dass er die dort damals übliche Mundart erworben hat. Er stand aber natürlich auch unter dem Einfluss seiner Mutter, die aus einer Oberammergauer Gastwirtsfamilie stammte. Die Ammergauer Alpen sind vom Dialekt her betrachtet ein Mischgebiet aus Tirolerisch, Bairisch und Alemannisch. Daher ist davon auszugehen, dass Ludwig Thoma einen Dialektmix pflegte.

Kommen wir zu einzelnen Begriffen aus der „Heiligen Nacht“ Thomas: das Wörtchen enk statt Eich oder Euch – woher kommt das?

Enk ist ein gotisches Lehnwort, das die Ostgoten vor 1500 Jahren ins Voralpenland mitgebracht haben und durchaus in Altbayern noch üblich ist. Vor allem in der Oberpfalz, im Rupertiwinkel oder in Niederbayern. Kaum mehr in München und in den umliegenden Kreisstädten.

Klumsn – ist das ein gebräuchlicher Begriff?

Das kennt man nicht in der Stadt. Auf dem Land vielleicht schon. Es bedeutet Spalte oder Riss – und zwar in allen Lebenslagen, also auch in geschlechtlicher Hinsicht. Es war früher ein üblicher Begriff. -Angscht klingt Schwäbisch - oder nicht? Es hört sich Schwäbisch an ist, ist aber auch im pfälzischen und im alemannischen Sprachraum zu hören und eines der Merkmale im südbairischen, das im Werdenfelser Land und in Tirol üblich ist.

Angscht klingt Schwäbisch – oder nicht?

Es hört sich Schwäbisch, ist aber auch im pfälzischen und im alemannischen Sprachraum zu hören und eines der Merkmale im südbairischen, das im Werdenfelser Land und in Tirol üblich ist.

Würden Sie sagen, dass Thoma einen eigenen Dialekt gepflegt hat?

Ludwig Thoma hat immer aus der Alltagssprache geschöpft, die er erworben und weiterentwickelt hat. Aus diesem Sprachmix hat er eine Art Literatursprache zu Papier gebracht. Ich würde aber nicht sagen, dass daraus ein eigener Dialekt entstanden ist.

Die Heilige Nacht soll insgesamt im Lenggrieser Dialekt geschrieben worden sein. Gibt es den überhaupt?

Zu der Zeit, als Thoma gelebt hat, gab es solche Unterscheidungen durchaus. Da unterschied sich, gerade im Tölzer Land, der Dialekt teilweise von Dorf zu Dorf. Goaßach, also Gaißach, Lenggries, Vorderriß – diese Orte hatten ihre sprachlichen Eigenarten. Die engen sprachlichen Grenzen schwinden aber vor allem durch die gewachsene Mobilität. Ich treffe aber immer wieder Einheimische, die sagen: Ich kann einen Goaßacher von einem Lenggrieser unterscheiden.

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