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Im Egmatinger Forst wurde Luise Z. ermordet.

Mord an Seniorin Luise Zimmermann: Anwohner geschockt

„Wir haben Angst, in den Wald zu gehen“

Aying - Luise Zimmermann (73) ist im Egmatinger Forst von einem Unbekannten ermordet haben. Seither ist in der Region nichts mehr so, wie es war. Die Anwohner haben große Angst davor, in den Wald zu gehen.

„In den Wald gehen wir nicht mehr“, sagen Anna S. (re.) und Adelgund K. „Wir haben Angst. Wir bleiben im Dorf, da sind wir sicher.“

Auf den ersten Blick läuft das Leben in Aying wie immer. Rund um den Brauereigasthof herrscht geschäftiges Treiben. Eine Frau trägt Blumen ins Gasthaus, vor dem Maibaum fotografiert ein Mann einen Firmling, aus einem Reisebus steigt eine Gruppe Ausflügler. Doch die Idylle der 4500-Seelen-Gemeinde südöstlich von München ist brüchig. Seit im nahen Kaltenbrunner Schlag die Leiche von Luise Zimmermann (73) entdeckt worden war, gibt es nur noch ein Gesprächsthema. „Wir haben Angst, allein in den Wald zu gehen“, sagen die Rentnerinnen Anna S. (83) und Adelgund K. (82). „Wir machen nur eine Runde durch die Ortschaft“.

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Ob am Stammtisch im Liebhard‘s Bräustüberl, im Tante-Emma-Laden oder auf der Straße – über den Mord vor der Haustür spricht hier jeder. „Ich hab ein mulmiges Gefühl“, sagt Gabi Steinberger. Die 42-jährige Mutter geht gerne mit ihren Kindern in den Kaltenbrunner Schlag – gestrichen bis auf weiteres. „Zwar fährt derzeit öfter mal eine Polizeistreife durch Aying, aber der Mord ist einfach im Hinterkopf.“ Die Inhaberin eines Lebensmittelladens sagt: „Man darf sich zwar nicht verrückt machen, aber ich schau mir Unbekannte im Dorf unwillkürlich genauer an als sonst.“

Mordopfer Luise Zimmermann

Unbegreiflich ist den Ayingern, mit welcher Kaltblütigkeit der Mörder von Luise Zimmermann vorgegangen sein muss. Die alleinstehende Rentnerin aus Neuperlach war am Europawahlsonntag mit der S-Bahn nach Aying gefahren – die Wanderfalken Dürrnhaar hatten zur Volkswanderung gerufen. Um 12 Uhr starteten gut 800 Teilnehmer zum Rundgang durch den Egmatinger Forst – war der Mörder da schon unter ihnen? Irgendwo im Wald muss der Täter dann zugeschlagen haben. Der Täter ließ sich auch von den zahlreichen Wanderern nicht beeindrucken, passte offenbar eine Gelegenheit ab, bei der er unbemerkt die Tat begehen konnte. Erst zwei Wochen später fand der Hund eines Spaziergängers die nackte, bereits stark verweste Leiche der Rentnerin im dichten Unterholz – mehrere hundert Meter abseits des Wanderweges.

Der Fall Luise Zimmermann

Strecke

Die Obduktion hatte ergeben, dass Luise Zimmermann durch Gewalt gegen den Hals gestorben war. Seitdem fahndet die Soko Kaltenbrunn fieberhaft nach dem Mörder – bislang jedoch ohne Erfolg.

„Man denkt immer, bei uns passiert sowas nicht“, sagt Schreinermeister Gabriel Baumhakl. Der 70-Jährige hat früher selbst Wandertage organisiert und ist deshalb bestürzt über die grausame Tat. Auch im Brauereigasthof Aying ist der Mord ein großes Thema: „Das Personal spricht darüber, die Gäste natürlich auch“, sagt die beliebte Wirtin Angela Inselkammer.

Mittlerweile sind 25 Hinweise bei der Polizei eingegangen, eine heiße Spur ist jedoch nicht dabei.Die Soko Kaltenbrunn der Kripo Erding bittet deshalb die Bevölkerung, insbesondere die Teilnehmer der Wanderung, um Mithilfe. Hinweise nehmen die Ermittler unter Tel. 081 22/ 96 83 80 entgegen.

Jacob Mell

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