Markus Söder, Bayerns Umweltminister, kritisiert das grüne „Nein“.

Nach Nein zu Olympia: "Grüne sind unzuverlässig"

München - Der grüne Umfaller bei der Olympiabewerbung 2018 sorgt für Ärger und Frust bei den Befürwortern. Die Staatsregierung wirft den Grünen vor, unzuverlässig zu sein, und spricht dem Bundesparteitag die Zuständigkeit für den Beschluss ab.

Der Begriff der „grünen“ Winterspiele ist vielleicht etwas unpassend für ein Spektakel, das auf Schnee angewiesen ist. Aber zumindest eine ökologisch nachhaltige Großveranstaltung soll Olympia 2018 in München und Oberbayern werden. Lange Listen mit Projekten für Natur und Umwelt wurden für die Kandidatur entwickelt, bis zu 40 Millionen Euro sollen allein vom Freistaat in ökologische Leitprojekte fließen. „Das würde einen Maßstab für alle weiteren Großprojekte setzen“, hofft Bayerns Umweltminister Markus Söder (CSU), „da geht’s nicht nur um höher, schneller, weiter – sondern um nachhaltiger“.

Die Zustimmung der prominentesten Umweltschützer ist allerdings rapide gesunken. Mit knapper Mehrheit entschied der Bundesparteitag der Grünen ein „Nein“ als offizielle Parteilinie. Das Argument der „Spiele im Kunstschnee“ setzte sich durch gegen Details wie nachhaltige Flächennutzung, Biotop-Bau, den Ausbau der Elektromobilität und ein Abfallkonzept.

Die Staatsregierung reagiert scharf. „Unverlässliches Handeln“, rügt Söder. „Es steht der Bundespartei nicht zu, so eine Entscheidung über den Kopf der Bayern hinweg zu treffen.“ Das Nein zu Olympia sei „ein Rückfall in die Anti-Bewegung“. Söder spricht auch „von einem Schlag ins Gesicht“ für die Bundesvorsitzende. Claudia Roth hatte (wie unverändert auch die Münchner Stadtratsfraktion) für die Spiele geworben. Söder: „Dagegen ist ein Hühnerhaufen eine geordnete Formation.“ Von bürgerlicher Politik sieht er die Grünen weit entfernt.

Auch die FDP protestiert. „Die Grünen betreiben mal wieder destruktive Verhinderungspolitik“, sagt Vize-Ministerpräsident Martin Zeil. Die „Anti-Haltung“ sei „meilenweit davon entfernt, politische Verantwortung ernsthaft übernehmen zu können“, sagt die sportpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion, Julika Sandt. Die FDP macht Olympia heute demonstrativ zum Thema der Ministerbefragung im Landtag.

Ähnlich auf Distanz geht die SPD. „Nicht konstruktiv“ sei die Grünen-Entscheidung, sagt die bayerische Generalsekretärin Natascha Kohnen. Sie wirft der Partei vor, die Chance zu verpassen, ein Ja zu Olympia wie die SPD mit Bedingungen zu verknüpfen.

Christian Deutschländer

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