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Ein Chefpilot soll Oberbayerns Tourismus beim Neustart helfen.

Führungswechsel

Nach Pleite: Tourismusverband will neuen Piloten

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München – Ein Chefpilot soll Oberbayerns Tourismus beim Neustart helfen. Der langjährige Lufthansa-Manager Robert Salzl gilt als Favorit für die Führung eines neuen Tourismusverbands.

Das berichten mehrere Teilnehmer der zähen Gründungsverhandlungen. Diese Woche soll sich entscheiden, ob der 72-Jährige die Aufgabe annimmt.

Der alte Tourismusverband für München und Oberbayern war vergangenes Jahr spektakulär in die Pleite gerutscht. Mitarbeiter hatten jahrelang gegen Förderbedingungen verstoßen – wohl nicht in die eigene Tasche gewirtschaftet, aber bewusst getäuscht. Der Spitze, allen voran Regierungspräsident Christoph Hillenbrand, blieb das lange verborgen. Als die Vorgänge aufflogen, drehte das Wirtschaftsministerium den Geldhahn zu. Der größte Tourismusverband Deutschlands ist nun seit 10. Oktober insolvent, dem Vernehmen nach haben sich millionenschwere Forderungen aufgehäuft, die Kasse ist leer.

Das Desaster hat zwar nach offiziellen Angaben keine Spuren in der Gästebilanz hinterlassen, dem guten Skiwinter sei Dank. Die Dachmarke und die Koordination der Regionen fehlen aber. Und es dauert. „Oberbayern braucht wieder einen Verband, wir sind eine der stärksten Tourismusregionen“, drängt der CSU-Abgeordnete Klaus Stöttner. Er wünsche, dass „noch vor den Sommerferien die notwendigen Sondierungen und Gespräche“ geführt würden, „um Details wie Personalfragen einvernehmlich zu klären“, verlangt auch Minister Martin Zeil, FDP. Sein Haus habe die Vorarbeiten moderiert. Dann hätten die „oberbayerischen Landräte zugesagt, Mitgliederinformation und Neugründung so bald wie möglich auf den Weg zu bringen“.

Weitgehender Konsens ist als Lehre aus der Pleite: Eine neue Konstruktion muss her. Ein schlanker Verein soll die Führung haben, eine GmbH die operative Arbeit machen. Offen ist noch die Personalie. Als Vereinschef wurde Salzl offenbar von den Landräten vorgeschlagen. Der Pilot war 25 Jahre im Lufthansa-Management und 10 Jahre Schörghuber-Vorstand, er gilt als gut vernetzt, wohnt in Schliersee im Landkreis Miesbach. Diese Woche wird beraten, ob er die Aufgabe mit einer Crew aus (unter anderem) Angela Inselkammer, IHK-Managern und Tourismusexperten annimmt.

Im Rennen ist aber ein weiterer Name: Der Münchner Hotelier und Honorarprofessor Fritz Wickenhäuser (68) hätte wohl auch die Unterstützung von FDP-Minister Martin Zeil. Wickenhäuser wirbt vor allem für einen branchenübergreifenden Ansatz über Hotels und Gaststätten hinaus: „Das liegt mir am Herzen.“

Dauern wird es noch bis in den Herbst. Der neue Verband muss wohl von den Kreistagen und der IHK-Versammlung abgesegnet werden. Aus mehreren Gründen drängt die Zeit. Markenrechte des alten Verbands laufen aus. Zudem würde Wahlkämpfer Zeil wohl gerne vor 15. September berichten, dass der Scherbenhaufen Tourismusverband zusammengekehrt wird. Er ist bereit, den Geldhahn noch heuer wieder aufzudrehen.

Christian Deutschländer

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