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Ein ganzes Waffenarsenal fanden Fahnder in einem Versteck bei einer Familienangehörigen der Tatverdächtigen

Nach Polizistenmord: Ermittler entdecken neues Waffenlager

München - Die Polizei hat bei ihren Ermittlungen zum Polizistenmord in Augsburg neue, wichtige Beweismittel aus einem weiteren Waffenlager sichergestellt. Die Beamten entdeckten sogar Blutspuren.

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Wochenlang suchte die Polizei nach einer ominösen schwarzen Sporttasche: Sie hatten die Täter in der Nacht zum 28. Oktober 2011 bei sich geführt, als sie von dem Polizisten Mathias Vieth und einer Kollegin im Augsburger Siebentischwald gestellt wurden. Der grausame Ausgang ist bekannt: Bei der Flucht stürzten die beiden Motorradfahrer, mindestens einer schoss mehrmals auf Vieth. Danach flüchteten sie zu Fuß, die Tasche (mit unbekannten Inhalt) nahmen sie mit.

Seit 29. Dezember sitzen Rudi R. (56) aus Augsburg und sein Bruder Raimund M. (58) aus Friedberg in Haft. Sie schweigen. Jetzt könnte der Fall gelöst sein: In einem Waffendepot der beiden Tatverdächtigen fand die Polizei die schwarze Sporttasche, an der Blutanhaftungen festgestellt wurden, wie Polizeioberrat Udo Dreher erklärt. „Die kriminaltechnische DNA-Untersuchung führte zu dem Ergebnis, dass das Blut vom ermordeten Polizeibeamten stammt.“

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Noch eine weitere Entdeckung führt dazu, dass die Beweislast gegen das Brüderpaar nunmehr erdrückend ist: In einem anderen Versteck der beiden Männer, das bei einer nicht-tatverdächtigen Familienangehörigen gefunden wurde, waren unter anderem etwa zehn scharfe Schusswaffen deponiert. Neben mehreren großkalibrigen Faustfeuerwaffen waren darunter auch drei funktionsfähige Schnellfeuergewehre vom Typ „Kalaschnikow“ samt diversen Magazinen und umfangreicher Munition, teilte die Polizei am Mittwoch mit. Das Kaliber einiger Waffen passe zu den Hülsen und Geschossen, die am Tatort gefunden wurden. Ob eine der Kalaschnikows die Tatwaffe ist, werde derzeit untersucht.

Außerdem fanden die Ermittler acht scharfe und funktionsfähige Handgranaten aus osteuropäischer Fertigung, die unter das Kriegswaffenkontrollgesetz fallen. Sie wurden durch eine Sondereinheit des Bayerischen Landeskriminalamtes gesichert und entschärft und werden derzeit kriminaltechnisch untersucht. Der Waffenfimmel der Brüder war bereits dokumentiert. Denn bei ihrer Festnahme im Dezember hatte die Polizei bei den Tatverdächtigen mehr als 20 Waffen sowie rund 2000 Schuss Munition sichergestellt.

Ein bezeichnendes Licht auf den Charakter des mutmaßlichen Haupttäters, Rudi R., wirft auch die Tatsache, dass dieser während einer früheren Inhaftierung an einer Gefangenenrevolte beteiligt war, wie das Justizministerium bestätigte. Rudi R. war bereits wegen eines anderen Polizistenmordes aus dem Jahr 1975 zunächst zu lebenslanger Haft verurteilt und nach 19 Jahren entlassen worden. Während seiner Haftzeit beteiligte sich der Mann Anfang Juli 1990 maßgeblich an einer Gefängnis-Revolte in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Straubing.

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Damals verweigerten 150 Gefangene wegen angeblicher Missstände in der JVA die Rückkehr vom Abendessen in die Zellen. Sie bewarfen sogar die Aufseher mit Tellern und Gläsern. Der Aufstand, der in einem „Streikaufruf“ gipfelte, wurde damals von der Polizei „in kürzester Zeit“ beendet, wie die damalige Justizministerin Mathilde Berghofer-Weichner erklärte: Mit anderen Häftlingen war Rudi R. damals auf das Dach der Anstalt geklettert, bis die Häftlinge von Polizeibeamten gewaltsam heruntergeholt wurden. „300 Polizisten machten Straubinger Häftlingsrevolte ein unblutiges Ende“, titelte unsere Zeitung damals.

Die Staatsanwaltschaft Regensburg erhob nach der Revolte gegen R. und andere Häftlinge Anklage wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Das Verfahren gegen R. wurde aber eingestellt, weil die zu erwartende neue Strafe gegenüber der bereits verhängten lebenslangen Haft kaum ins Gewicht gefallen wäre. R. wurde später in das Gefängnis Bruchsal verlegt, vier Jahre nach der Revolte kam er frei.

dw

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