Der 16-jährige Sandro im UKM in Murnau
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Momentan hält sich Sandro in Murnau auf.

Nach Sprung in den Inn querschnittsgelähmt

Sandro kämpft sich zurück ins Leben

  • Markus Christandl
    vonMarkus Christandl
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Der 16-jährige Sandro hatte gerade seine Mittlere Reife geschafft. Nach der letzten Prüfung traf er sich mit Spezln. Der Jugendliche machte dabei einen Kopfsprung in den Inn. Seither ist er gelähmt.

Ein Herbsttag am Inn, die Bäume leuchten bunt, eine Frau genießt die Sonne am Sandstrand unterhalb von Sunkenroth (Kreis Rosenheim). Nur das Rauschen von der Staustufe ist zu hören. Vor vier Monaten spielten sich genau hier dramatische Szenen ab: Blaulichter, Hubschrauberlärm, Feuerwehrmänner, die auf ihrer Trage einen schwer verletzten jungen Mann hochtransportieren. Der 16-jährige Sandro war an seinem letzten Schultag nach der Abschlussprüfung in Physik von einem Betonfundament kopfüber ins Wasser gesprungen. Er kam mit dem Kopf auf einem Felsen auf. Dieser eine Hechtsprung hat sein Leben für immer verändert. Sandro war immer sportlich - jetzt ist er querschnittsgelähmt.

Das Haus der Familie in Schonstett ist noch nicht abbezahlt. Nun muss es behindertengerecht umgebaut werden. Sandros Vater Bernhard hat jenen Tag immer wieder in Gedanken durchgespielt. „Die Jungs wollten am Inn ein Lagerfeuer machen, sie freuten sich auf einen neuen Lebensabschnitt“, erzählt der 38-Jährige. Sandro wollte eine Lehre zum Mechatroniker beginnen. Immer wieder seien die Freunde in den Fluss gesprungen. Sie hatten gegen vier Uhr nachmittags schon zusammengepackt, als Sandro sagte: „Ich spring noch mal.“ Als er nach dem Aufprall nicht auftauchte und sein Körper flussabwärts trieb, haben ihm seine Freunde wohl das Leben gerettet. Sie rannten in den Inn, zogen ihn aus dem Fluss und riefen die Rettung. Auch Bernhard Tasser riefen sie an, er erinnert sich noch genau an die Worte: „Sandro ist ins Wasser gesprungen, er hat eine Kopfwunde, wir haben den Krankenwagen gerufen.“ Tasser dachte zunächst an eine Nacht in der Notaufnahme. Als er und seine Frau Kerstin im Klinikum in Rosenheim dann mit einem Arzt sprechen konnten, wurde ihnen bewusst, wie schlimmer der Unfall war. Sandro habe eine schwere Halswirbel-Verletzung und müsse sofort operiert werden, sagte der Mediziner. Der fünfte Halswirbel war gebrochen, das Rückenmark schwer verletzt. Die OP dauerte acht Stunden. Danach stand fest, dass Sandro außer Lebensgefahr ist, aber querschnittgelähmt bleibt.

Als sein Vater die Nachricht erhielt, mischten sich viele Emotionen: Wut, Traurigkeit, Verzweiflung. Er schrie seinen Schmerz heraus. „Ich glaube, man hat meine Schreie in ganz Rosenheim gehört in dieser Nacht.“ Sandro schlief zur selben Zeit im künstlichen Koma. Seitdem kämpft er sich in der Unfallklinik in Murnau zurück ins Leben. In ein neues Leben. Als er aus dem Koma geholt wurde, erhielt er zunächst starke Schmerzmittel. Da er beatmet worden war, musste er erst wieder lernen, selbstständig Luft zu holen. Die erste Diagnose bestätigte sich leider: Sandro bleibt querschnittsgelähmt, auch die Finger kann er nicht bewegen, er sitzt im Rollstuhl. „Erst war er in der Stabilisierungsphase, nun kommt die Mobilisierungsphase, er muss wieder Muskulatur aufbauen“, erzählt sein Vater. Und dann gibt es auch die Phasen, die das Gemüt betreffen: Mal schafft er es die Situation anzunehmen, dann ist er wieder unendlich traurig. Sandros Freunde und seine Freundin helfen ihm darüber hinweg. Sie besuchen ihn oft in Murnau. Seine Mutter ist zwischenzeitlich sogar dorthin gezogen.

Sandros Eltern machen Pläne, um ihm in Schonstett ein so selbstständiges Leben wie möglich bieten zu können, wenn er in einigen Monaten nach Hause kommt. Dazu sind viele Umbauten und Anbauten nötig: stufenfreie Eingänge, breitere Durchgänge, ein Lift, ein barrierefreies Bad. Außerdem wollen sie ihm ein Intensivtraining in einer privaten Einrichtung ermöglichen, vom dem sie sich mehr Mobilität erhoffen. Zum Beispiel, dass das Gefühl in Hand und Fingern zurückkommt, so dass San-dro wieder am Computer arbeiten kann.

Doch allein das tägliche Training kostet einen sechsstelligen Betrag. Zu den Sorgen um Sandro kommt die Finanzielle. Bernhard Tasser: „Die wenigsten Menschen können wohl eine Summe - wir rechnen hier mit 200 000 Euro - aus dem Nichts stemmen“, sagt Bernhard Tasser. Die Familie hofft deshalb auf Unterstützung.

Dass die Tassers mit Schicksalsschlägen umgehen können, beweist Tochter Rosalie. Sie wurde mit dem Down-Syndrom geboren, inzwischen ist das Mädchen drei Jahre alt, ein Sonnenschein., „Diese Herausforderung haben wir gemeistert“, sagt Vater Bernhard Tasser. „Wir hoffen, dass es mit Sandro auch bergauf geht“.

So kann man helfen
Der Verein Schellen-Sau (www.schellen-sau.de), der in der Region Spenden für Kinder und Jugendliche sammelt, kümmert sich um den Fall. Kontonummer: IBAN DE90 7115 2680 0030 0852 86, Verwendungszweck Sandro

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