+
Kalt erwischt: Reisende in Frankfurt warten am Montagabend auf den ICE Richtung München. Wegen des Streiks hat er – laut Anzeigentafel – drei Stunden Verspätung.

Kleinkrieg entbrannt

Nach Streik: Gewerkschaft kündigt neue Aktionen an

  • schließen

München - „Wortbruch“, „Desinformation“, „Schmierenkomödie“ – zwischen Deutscher Bahn und Lokführern ist ein Kleinkrieg entbrannt. Für die Reisenden ist das bitter: „Es wird neue Streikaktionen geben“, kündigt die Gewerkschaft schon an.

Am Tag danach weist der bayerische GDL-Chef Uwe Böhm jede Schuld von sich: Die Lokführergewerkschaft habe die Deutsche Bahn am Montag um vier Uhr früh sehr wohl rechtzeitig auf einen drohenden Streik auch im Personenverkehr hingewiesen, behauptet der GDL-Mann. Jede andere Darstellung erklärt er zur „gezielten Desinformation“. Dazu gehöre auch, dass die Deutsche Bahn ihre Reisenden auf den Anzeigetafeln nicht ordentlich auf den Streik hingewiesen habe. In Hof, sagte Böhm bei einem Besuch in unserer Redaktion gestern weiter, seien Bahnkunden stattdessen per Durchsage sogar auf streikende GDL-Leute „gehetzt“ worden. So gehe es nicht.

Auch die Deutsche Bahn übte sich in einer Art Schadensbilanz: Bei der S-Bahn München fuhren die Züge teilweise nur noch im 40-Minuten-Takt. Die S1 Feldmoching-Flughafen sei komplett ausgefallen. Insgesamt sei es aber noch glimpflich abgegangen. „Die Mehrzahl der Züge fuhr.“ Andernorts war es schlimmer: An den Bahnhöfen Hannover und Hamburg etwa stand der gesamte Zugverkehr still.

Und das scheint nur der Auftakt zu einem langwierigen und für die Pendler nervenaufreibenden Arbeitskampf gewesen zu sein. Gewerkschafter Böhm rechnet mit einer Eskalation. „Es wird weitere Aktionen gebe“, kündigt er an. Letztlich werde es wohl auf eine Urabstimmung hinauslaufen – dass eine große Mehrheit der GDL-Mitglieder für unbefristete Streiks stimmen wird, gilt als sicher.

Noch ist es nicht soweit. Doch die Wortwahl, die GDL und Deutsche Bahn gestern wählten, lässt Schlimmes vermuten: „Wortbruch“, „schmutziges Spiel“, „Schmierentheater“ warfen sich die Tarifparteien gegenseitig vor. Die GDL sei „kein seriöser Partner“ mehr, erklärte DB-Personalvorstand Ulrich Weber in Berlin. Die DB „trickst und täuscht“, erklärte die GDL. Auf welchem Niveau die Beteiligten mitunter diskutieren, zeigt eine Episode von vergangener Woche: GDL-Bundeschef Claus Weselsky hatte mit Blick auf die Vereinigung von Transnet und GDBA zur Konkurrenzgewerkschaft EVG gesagt: „Wenn sich zwei Kranke miteinander ins Bett legen und ein Kind zeugen, da kommt von Beginn an was Behindertes raus.“ Weselsky entschuldigte sich zwar, doch EVG-Chef Alexander Kirchner will sich mit Weselsky nicht mehr an einen Tisch setzen.

Der GDL ist das eigentlich ganz recht, denn sie pocht ohnehin auf einen Alleinvertretungsanspruch bei den Eisenbahnern. 51 Prozent aller Bahnbeschäftigten und 80 Prozent der Lokführer gehörten der GDL an, rechnet Uwe Böhm vor. Zwar gebe es auch Lokführer, die bei der EVG Mitglied seien. Doch notfalls müsse die Bahn eben zwei Tarifwerke für eine Berufsgruppe verhandeln. Das sei so ungewöhnlich nicht und zum Beispiel bei Veolia in Sachsen-Anhalt so eingeführt. Bisher hat die Bahn nicht erkennen lassen, dass sie dem folgen will. Profiteure des Hickhacks sind vorläufig die Fernbus-Anbieter, die seit dem Wochenende einen „sprunghaften Anstieg“ bei den Buchungen bemerken.

Dirk Walter

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

News-Ticker: Diesen Münchner im Himmel brachte der Orkan in Schieflage
Ein Unwetter war angekündigt worden - doch es kam heftiger als befürchtet. Orkanböen und dicke Regenwolken sind über Bayern hinweggezogen und haben deutliche Spuren …
News-Ticker: Diesen Münchner im Himmel brachte der Orkan in Schieflage
Pfaffenhofener Regionalgartenschau war Besuchermagnet
Die Regionalgartenschau „Natur in Pfaffenhofen an der Ilm“ hat mehr als 330 000 Gäste angezogen.
Pfaffenhofener Regionalgartenschau war Besuchermagnet
125-Jahrfeier der Bayern-SPD - kämpferischer Aufruf zum Wahlkampf
Bei der Feier der Bayern-SPD zu ihrer Gründung vor 125 Jahren hat die frühere Landesvorsitzende Renate Schmidt ihre Genossen zu einem engagierten und kämpferischen …
125-Jahrfeier der Bayern-SPD - kämpferischer Aufruf zum Wahlkampf
Autofahrer muss niesen und fährt ungebremst in die Leitplanke
Es waren nur wenige Millisekunden, die ein Autofahrer gezwungenermaßen unachtsam war - doch seine Niesattacke hat auf der A73 zu einem Unfall geführt. 
Autofahrer muss niesen und fährt ungebremst in die Leitplanke

Kommentare