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Jede Menge Säge-Arbeit: Nicht nur in Holzkirchen (Kreis Miesbach) gibt es für die Forstarbeiter viel zu tun.

Die Folgen des Orkans "Niklas"

Das große Aufräumen: Im Wald sieht es wüst aus

München - Nach Orkan „Niklas“ sieht es in vielen Wäldern wüst aus. Eine erste Schadensbilanz belegt zwar, dass die Schäden deutlich geringer sind als bei „Kyrill“ vor acht Jahren. Trotzdem sind die Waldbesitzer besorgt. Denn für den Borkenkäfer ist durch den Sturm ein wahres Paradies entstanden.

Phase zwei hat begonnen und sie hat es in sich. Vor zehn Uhr abends kommt Anton Bernhard zur Zeit nicht mehr aus dem Büro. Er ist dieser Tage einer der gefragtesten Männer in Oberbayern – was mitunter an seinem Job liegt. Bernhard ist Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung. Seit „Niklas“ klingelt das Telefon auf seinem Schreibtisch fast pausenlos. Waldbesitzer brauchen seinen Rat. Besonders diejenigen südlich von München, denn sie hat der Orkan am schlimmsten erwischt. Anton Bernhard notiert sich die Schäden, er kontaktiert die Einschlagsunternehmen, er kümmert sich um die Verträge mit den Sägewerken. Phase zwei ist das große Aufräumen nach der ersten Bestandsaufnahme. Seit sie begonnen hat, türmt sich die Arbeit auf Anton Bernhards Schreibtisch.

„Niklas“ hat Bayern ordentlich durcheinandergewirbelt. Aber er hat längst nicht so große Schäden angerichtet wie Orkan „Kyrill“ 2007. „Im Staatswald wird die Sturmholzmenge momentan auf eine Million Festmeter geschätzt“, sagt Barbara Weindler vom Bayerischen Waldbesitzerverband. „Damals bei Kyrill waren es etwa sechs Millionen.“ Den größten Schaden hat der Orkan in den Landkreisen Landsberg, Starnberg, Weilheim-Schongau, Miesbach, Ebersberg und Bad Tölz-Wolfratshausen angerichtet. „Allerdings machen die Sturmholzschäden maximal zehn Prozent des normalen Jahreseinschlags aus“, erklärt Weindler.

Wäre „Niklas“ ein Dreivierteljahr später durch Bayern gefegt, wären die Waldbauern deutlich gelassener. Ihr Problem ist der Frühling. Denn sobald die Temperaturen über 15 Grad steigen, wird der Borkenkäfer aktiv. Und für ihn ist der sturmverwüstete Wald ein Schlaraffenland. „Wir müssen verhindern, dass der Käfer auf die gesunden Bäume abwandert“, sagt Martin Fink, der Vorsitzende der Waldbesitzervereinigung. Sonst könnte sich der Schaden noch einmal verdoppeln. Die Schwarmzeit der Borkenkäfer beginnt Ende April. Bis dahin müssen die umgeknickten und umgestürzten Bäume abtransportiert werden, erklärt Fink.

Und ein Großteil des Totholzes muss wohl erst einmal ein paar Monate lang gelagert werden, bis dort in den Sägewerken wieder Platz ist. Der Staatswald hat Jahresverträge mit den Sägewerken abgeschlossen. Private Waldbesitzer fürchten allerdings bereits, dass der Holzpreis erstmal in den Keller geht. Sie haben meist Quartalsverträge mit den Sägewerken – und Sturm „Niklas“ kam am 30. März genau einen Tag, bevor ein neuer Vertrag abgeschlossen wird. „Schon am Tag des Orkans haben wir von den Sägewerken eine Mitteilung bekommen, dass sich durch den Sturm die Situation geändert hat und neue Holzpreise mitgeteilt werden“, sagt Fink. Trotzdem bleibt er gelassen. Wenn die Preise in Oberbayern zu stark sinken, gebe es immer noch die Möglichkeit, das Holz an andere Bundesländer oder nach Tirol zu verkaufen, sagt er. „Nun müssen wir abwarten, wie sich die Situation weiterentwickelt.“

Priorität haben jetzt erstmal die Aufräumarbeiten in den Wäldern. Nicht nur wegen des Borkenkäfers. „Für Spaziergänger ist es jetzt immer noch gefährlich im Wald“, warnt Fink. Viele Bäume sind nur umgeknickt, aber noch nicht umgestürzt. In einigen Kronen hängen abgebrochene Äste, die jederzeit runterfallen können. Und auch die Baumfällarbeiten sind gefährlicher als sonst, weil viele Bäume überspannt sind. Während Phase zwei ist im Wald also noch immer große Vorsicht geboten.

Katrin Woitsch

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