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Geerd Ryke Hamer verbreitet von Norwegen aus obskure Heilslehren.

Nach Tod von Mädchen (12): Ermittlung gegen Krebsarzt

Kempten - Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Eltern eines an Krebs verstorbenen zwölfjährigen Mädchens. Sie sollen ihr Kind einem obskuren Wunderheiler anvertraut haben.

An Heiligabend 2009 verstarb Susanne R. (12) aus Altusried im Oberallgäu. Es war das traurige Ende eines Streits um die richtige medizinische Lehre, der auch die Gerichte beschäftigte – und wohl wieder beschäftigen wird. Denn die Staatsanwaltschaft Kempten hat gegen die getrennt lebenden Eltern Ermittlungen wegen der Verletzung der Fürsorgepflicht sowie fahrlässiger Tötung eingeleitet. Gegen Geerd Ryke Hamer, einen sektiererischen Krebsarzt, wird wegen Körperverletzung mit Todesfolge ermittelt. „Derzeit werden sichergestellte Unterlagen ausgewertet“, sagt Oberstaatsanwalt Peter Koch.

Susanne R. war im Juli 2009 an Nierenkrebs erkrankt und daraufhin in der Universitätsklinik Ulm sowie anschließend in einer Privatklinik in Burghausen mit einer Chemotherapie behandelt worden. Aufgrund der Nebenwirkungen verweigerten die Eltern die weitere Behandlung. Sie wandten sich an Geerd Ryke Hamer, dessen so genannte „Germanische Neue Medizin“ schon mehrmals für Aufsehen gesorgt hatte. Hamer wurde 1986 die Approbation entzogen. Er lehnt klassische schulmedizinische Behandlungsmethoden strikt ab. Im Fall von Susanne R. diagnostizierte er nach Gesprächen mit der Mutter und der Sichtung von Computertomographie-Aufnahmen eine gutartige Zyste an der rechten Niere und bestritt, dass Lebensgefahr bestehe.

Weil die Eltern eine erneute Chemotherapie verweigerten, schaltete der behandelnde Arzt der Tübinger Klinik das Jugendamt Oberallgäu ein. Im Oktober wurde den Eltern, die noch sechs weitere Kinder haben, das Sorgerecht über Susanne teilweise entzogen und die Entscheidung über die medizinische Behandlung dem Jugendamt übertragen – ein Urteil, das das Oberlandesgericht München Anfang Dezember bestätigte. Drei Wochen später aber war das Mädchen tot. Dreh- und Angelpunkt der Ermittlungen ist nun, ob eine weitere Behandlung mit einer Chemotherapie das Leben des Kindes hätte retten können. Dazu wird im Auftrag der Staatsanwaltschaft Kempten ein Gutachten zum Krankheitsverlauf erstellt. Schwierig dürfte es sein, gegen Hamer juristisch vorzugehen. Er hat sich nach Norwegen abgesetzt, um der Strafverfolgung in früheren Fällen zu entgehen. Schlagzeilen machte 1995 vor allem die Verwicklung in den Fall der damals sechsjährigen Olivia Pilhar – einem österreichischen Mädchen, das ebenfalls an Krebs erkrankt war und das mit seinen Eltern vor einer Chemotherapie nach Spanien geflüchtet war.

Dirk Walter

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