Nachbarschaftsstreit um Isar 1

München - Die Laufzeitverlängerung für das niederbayerische Atomkraftwerk Isar 1 sorgt für einen ausgewachsenen Nachbarschaftstreit zwischen Bayern und Österreich.

Nun haben sich die Regierung in Wien und die Umweltminister aller österreichischen Bundesländer aus Angst vor Störfällen gegen einen Weiterbetrieb des altmodischen Reaktors ausgesprochen. Das gab Rudi Anschober (Grüne), der in der Regierung des Bundeslands Oberösterreich für Energiefragen zuständig ist, bei einer Pressekonferenz mit den bayerischen Landtags-Grünen bekannt.

Zudem formiert sich in der Bevölkerung eine grenzübergreifende Allianz des Widerstands. Österreichische Kernkraftgegner würden sich den bayerischen Protesten anschließen, kündigte Anschober an. „Radioaktivität kennt keine Grenzen, deshalb darf auch der Widerstand dagegen keine Grenzen kennen“, sagte der Grünen-Politiker.

Gelegenheit dazu werden die Österreicher bereits morgen haben. Die Landtags-Grünen beginnen ihre Herbstklausur mit einer Protestaktion vor Isar 1. „Zudem werden am 9. Oktober Tausende in München mit einer Menschenkette demonstrieren“, stellte Fraktionschef Thomas Mütze in Aussicht.

Eigentlich hätte Isar 1, das zu den ältesten deutschen Meilern zählt und neueren Anlagen sicherheitstechnisch unterlegen ist, im kommenden Jahr abgeschaltet werden sollen. Wegen eines Beschlusses der deutschen Bundesregierung bleibt es nun aber wohl noch weitere acht Jahre am Netz. Die Österreicher treibt dies auch deshalb so um, weil das Land selbst atomkraftwerkfrei ist, wegen der Nähe zu Isar 1 – das AKW liegt nur gut 50 Kilometer von der Grenze entfernt – aber dennoch die Folgen eines potenziellen Störfalls fürchten muss.

Die Abneigung gegen Kernkraft hat in der Alpenrepublik Tradition. Im November 1978 verhinderten die Bürger in einer Volksabstimmung die Inbetriebnahme eines bereits fertiggestellten Kernkraftwerks im niederösterreichischen Zwentendorf, das fast baugleich mit Isar 1 ist. Einen Monat später wurde die Nutzung der Kernenergie in Österreich per Gesetz verboten.

Andreas Zimniok

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