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Walter Mixa

Papst ernennt Görlitzer Bischof zum Mixa-Nachfolger

München - So schnell ging es noch nie: Kaum zwei Monate, nachdem der Papst den Rücktritt von Walter Mixa angenommen hat, wurde ein Nachfolger für den Augsburger Bischofsstuhl präsentiert.

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Der bisherige Bischof von Görlitz, Konrad Zdarsa, soll die bayerische Diözese befrieden. Der Zuwachs an „Schäfchen“ ist gigantisch: Bisher galt die Sorge von Konrad Zdarsa 30 000 Katholiken in der kleinsten deutschen Diözese Görlitz. Ab dem 23. Oktober, wenn er als neuer Bischof von Augsburg in sein Amt eingeführt wird, zählt seine Diözesangemeinde 1,4 Millionen Katholiken. Gestern hat der Papst, in einem für vatikanische Verhältnisse rasant schnellen Verfahren, den 66-jährigen Zdarsa zum Nachfolger von Walter Mixa ernannt.

„Wir freuen uns auf unseren neuen Bischof“, sagte der Augsburger Weihbischof Josef Grünwald bei einer Pressekonferenz in Augsburg. „Wir versichern ihm unsere volle Loyalität und erbitten dies auch für die Mitarbeiter im geistlichen Amt und die Gläubigen im Bistum.“ Grünwald weiß, vor welch schwierigen Aufgabe der neue Bischof stehen wird – und er weiß auch, wie sehr die Gläubigen durch die Auseinandersetzungen um Bischof Mixa gelitten haben.

Bischof Konrad Zdarsa wechselt von Sachsen nach Bayern. Sein Bischofswahlspruch „Denn er ist unser Friede“ sollte der zerstrittenen Diözese Augsburg Mut machen.

Jetzt hofft man in Augsburg darauf, dass Zdarsa sich als Brückenbauer erweist. „Das ist ein ganz angenehmer Mann“, verrät der Mann in der Telefonzentrale des Bistums in Görlitz. Mit Zdarsa lasse sich gut arbeiten, nie sei er cholerisch gewesen. Auch Pressesprecher Markus Kremser beschreibt seinen Chef als ruhigen, sehr überlegten Typ. „Er wählt seine Wort sehr genau. Privilegien interessieren ihn nicht.“ Es gehe ihm um das Glaubensleben in den Gemeinden. Streit um Pöstchen und materielle Dinge seien den wenigen Katholiken im Bistum Görlitz fremd. Zdarsa habe schließlich auch den Druck der DDR-Diktatur erlebt. „Die Katholiken in der Diaspora haben manchmal einen etwas klareren Blick auf die Kirche“, formuliert Pressesprecher Kremser vorsichtig.

Erst 2007 war Zdarsa Bischof in der erst 1994 gegründeten Diözese geworden. Wie es heißt, liegt ihm die Jugend sehr am Herzen, das politische Tagesgeschäft interessiert ihn nicht so sehr. Er ist ein Seelsorger durch und durch.

Der etwas sächselnde neue Bischof von Augsburg hat sogar bayerische Wurzeln: Seine Mutter Liesel war die ältere Schwester des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Alfons Goppel. „Ja, er ist ein Cousin“, bestätigte der CSU-Landtagsabgeordnete und frühere Wissenschaftsminister Thomas Goppel unserer Zeitung. Er bezeichnet seinen Verwandten als „glaubwürdig, authentisch, solide und kerzengerade“. Gleichwohl weiß Goppel, dass seinem Vetter, der nun künftig auch sein Bischof sein wird, nun eine schwere Aufgabe bevorsteht. „Ich wünsche ihm Fortune. Ihm Glück zu wünschen, ist zu wenig. Um das Bistum wieder in ruhigere Gewässer zu führen, braucht er eine Portion Geistesblitz und Gottesgegenwart.“

Zdarsa, der im sächsischen Hainichen in der Nähe von Chemnitz geboren wurde, hatte vor seinem Theologiestudium eine Ausbildung zum Dreher absolviert. Weil er von seinem Vater die österreichische Staatsbürgerschaft „geerbt“ hatte, konnte Zdarsa 1977 trotz der rigiden Reisebeschränkungen der DDR zum Weiterstudium nach Rom wechseln.

Während seines Studiums, das er mit einer kirchenrechtlichen Doktorarbeit abschloss, hörte er auch Vorlesungen beim damaligen Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger. Seit dieser Zeit kennt der heutige Papst seinen jetzt ausgewählten Kandidaten für Augsburg. Zdarsa eilt der Ruf voraus, eher konservativ zu sein. Mit dem verstorbenen Bischof von Fulda, dem wortgewaltigen Johannes Dyba, soll er befreundet gewesen sein. Pressesprecher Kremser beschreibt ihn als Konservativen im eigentlichen Wortsinn: „Dass er das Richtige behalten will.“ Auch Cousin Goppel hält voreilige Urteile für „eine Gemeinheit“. Rückendeckung erhält Zdarsa auch vom Vorsitzenden der Freisinger Bischofskonferenz, dem Münchner Erzbischof Reinhard Marx. „Wir freuen uns, dass ein erfahrener Mitbruder das große Bistum leiten wird. Ohne Zweifel ist diese Aufgabe besonders nach den Vorkommnissen und Diskussionen der letzten Monate eine große Herausforderung. Die überwältigende Mehrheit der Gläubigen und Priester im Bistum Augsburg wartet auf einen Bischof, der Mut macht zum Glauben und zum Leben in der Gemeinschaft des Volkes Gottes.“

Der Augsburger Weihbischof Grünwald hat bereits mit dem neuen Bischof telefoniert. Er habe ihm versichert, dass er sich auf sein Amt freue und „er aus innerer Überzeugung nach Augsburg kommt“. Grünwald hält Zdarsa für einen geeigneten Mixa-Nachfolger: „Er ist ein Mann, der mit beiden Füßen im Leben steht.“ Es dränge ihn nicht in die Öffentlichkeit – aber wenn es sein müsse, werde er schon „Hand anlegen“.

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