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Bischof Konrad Zdarsa findet kurz nach seinem Amtsantritt klare Worte für seinen Vorgänger

Nachfolger: Mixa soll auf Tauchstation bleiben

Augsburg - Der neue Augsburger Bischof Konrad Zdarsa gilt als Mann der offenen Aussprache. Klare Worte findet er auch zum zurückgetretenen Vorgänger Walter Mixa.

Der zurückgetretene Augsburger Bischof Walter Mixa (69) muss mit einem längeren Verzicht auf jegliche Seelsorger- Tätigkeit rechnen. Das hat sein Nachfolger Konrad Zdarsa (66) am Dienstag in Augsburg klargestellt. Nach Mixas Rücktritt sei nun erst einmal eine “Periode der Heilungen“ notwendig.

Mixa war im Frühjahr vor allem wegen Vorwürfen, er habe in seiner Zeit als Stadtpfarrer von Schrobenhausen Heimkinder geschlagen, immer mehr unter Druck geraten. In der Vertrauenskrise der katholischen Kirche nach den bundesweit bekanntgewordenen Missbrauchsfällen galt der Fall Mixa als zusätzliche Belastung für die Amtskirche. Am 21. April bot Mixa dem Papst seinen Rücktritt an, den dieser am 8. Mai annahm.

In einer ungewöhnlich raschen Entscheidung ernannte Benedikt XVI. nur zwei Monate später den Görlitzer Bischof Zdarsa zum neuen Oberhirten in Augsburg. Dieser wird am 23. Oktober im Augsburger Dom in sein neues Amt eingeführt.

Zur Frage künftiger Seelsorger-Tätigkeit durch Mixa verwies Zdarsa auf das päpstliche Bulletin zu Mixas Vatikan-Besuch im Frühjahr. Darin sei ausdrücklich von “einer Zeit des Schweigens und einer Periode der Heilungen“ gesprochen worden, betonte Zdarsa am zweiten Tag seines ersten offiziellen Besuchs in Augsburg.

Auch wenn ein solches Bulletin sicher nicht das Gewicht eines Motu Proprio oder anderer wichtiger Vatikan-Dokumente habe, sei eines klar: “Wenn ein vatikanisches Dokument - wann auch immer - von einer Periode spricht und dann den Plural verwendet “der Heilungen“, dann meinst es nicht bloß 14 Tage, sondern dann meint es einen Prozess.“

Und dieser Prozess müsse mit vereinten Kräften angegangen werden, sagte Zdarsa. “Und der wird nicht so leicht sein, weil er eben immer wieder auch auf der Grundlage unseres Verständnisses von Barmherzigkeit, von Verzeihung geführt werden muss.“ In dem Bulletin sei ausdrücklich an alle Beteiligten appelliert worden, dem Menschen Mixa wieder barmherzig und brüderlich zu begegnen. “Das betrifft vor allem die Mitbrüder auch im Bischofsamt.“

Mixa ist nach der Annahme seines Rücktritts kirchenrechtlich ein emeritierter Bischof - das heißt, er bleibt Bischof, hat aber kein Bistum mehr. Denn eine Bischofsernennung gilt auf Lebenszeit. Mixa selbst hatte vor einiger Zeit deutlich gemacht, wie sehr ihm die persönliche Begegnung mit den Gläubigen am Herzen liege und dass er sich wünsche, irgendwann wieder als Seelsorger tätig zu sein und etwa Messen zu feiern.

Zur ökumenischen Zusammenarbeit der Kirchen mahnte Zdarsa weitere Anstrengungen an. “Das ist eine hohe Verpflichtung.“ Zugleich appellierte der neue Augsburger Oberhirte an alle Christen, in der Gesellschaft mehr Flagge zu zeigen und ein christliches Zeugnis abzulegen.

dpa

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