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Kardinal Joachim Meisner starb im Urlaub in Bayern.

Nachruf

Kardinal Meisner starb mit Gebetbuch im Bayern-Urlaub

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Trauer um den emerierten Erzbischof von Köln: Kardinal Meisner ist im Urlaub in Bayern gestorben. Der konservative Geistliche scheute keinen Konflikt.

Bad Füssing/Köln – Es war ein Tod, wie ihn sich ein Kardinal im gesegneten Alter wohl nur wünschen kann. Mit dem Brevier, dem liturgischen Buch für das Stundengebet, in der Hand, ist Kardinal Joachim Meisner, früherer Erzbischof von Köln, gestern Morgen in einem Sessel sitzend in seinem niederbayerischen Urlaubsort Bad Füssing verstorben. Ein Freund habe ihn zum Gottesdienst abholen wollen, als er den 83-Jährigen so fand, berichtete Meisners Nachfolger Kardinal Rainer Maria Woelki.

„Total schockiert“ von der Nachricht zeigte sich Woelki, der berichtete, dass Meisner ganz friedlich dagesessen habe. Er sei einfach über dem Gebet eingeschlafen. Noch am Freitag habe er mit Meisner telefoniert. „Er war guter Dinge, er war ganz ausgeglichen“, sagte Woelki. Und er habe immer gesagt, dass der Tod für ihn nur das Durchschreiten einer Tür in eine andere Lebenswirklichkeit sei.

So still und leise sein plötzlicher Tod war, so lautstark sorgte der gebürtige Breslauer zu seinen Lebzeiten für Diskussionen. Kardinal Meisner war als profilierter Konservativer ein Kirchenmann, der polarisierte. Ob es um Homosexualität, Frauenpriestertum oder Abtreibung ging – Meisner war die treibende Kraft, die 1999 den Ausstieg der katholischen Kirche aus dem staatlichen System der Schwangerenkonfliktberatung bewirkte – der streitbare Oberhirte sorgte mit deftigen Zitaten immer wieder für leidenschaftliche Auseinandersetzungen. Die Anwendung der Abtreibungspille verglich er mit der Vernichtung von Leben in der Nazizeit, bei einer Veranstaltung der neokatechumenalen Bewegung lobte er deren Kinderreichtum mit den Worten: „Eine Familie von euch ersetzt mir drei muslimische Familien.“ Über seine Kritik an der Gesellschaft sagte er: „Der Wachhund, der nicht bellt, verdient sein Fressen nicht.“

Meisner nahm nicht nur den früheren Limburger Bischof Tebartz-van Elst in Schutz, der wegen seiner Finanzeskapaden sein Bistum verlassen musste. Er gehörte auch zuletzt zu den vier Kardinälen, die Papst Franziskus hartnäckig wegen dessen Schreiben „Amoris laetitia“ und dessen Ehe-Lehre kritisierten. Das wurde im Vatikan als Skandal gewertet. Dass wiederverheiratete Geschiedene in Einzelfällen die Kommunion bekommen sollen, lehnte der emeritierte Kölner Erzbischof strikt ab.

Sich mit der Obrigkeit anzulegen, das musste Meisner schon in frühen Jahren. Geboren in Breslau, gelangte er nach dem Krieg mit seiner Familie nach Thüringen. Er war Weihbischof in Erfurt, wurde 1980 von Papst Johannes Paul II. zum Bischof von Berlin ernannt und drei Jahre später zum Kardinal erhoben. Wie er in der DDR den Staatsapparat auf Distanz hielt, machte damals Eindruck.

Als er im Wendejahr 1989 zum Erzbischof von Köln ernannt wurde, hielt sich der Jubel am Rhein in Grenzen. „Sie haben mich nicht gewollt, und ich habe Köln nicht gewollt“, kommentierte er damals. Trotzdem stand er 25 Jahre, bis zu seinem Ruhestand ab März 2014, an der Spitze der einflussreichen deutschen Diözese. Im Vatikan hatte Meisner Einfluss, er selber sah sich als Strippenzieher etwa bei der Wahl von Kardinal Joseph Ratzinger zum Papst.

Allen Diskussionen und Debatten zum Trotz herrscht in der Kirche nun große Betroffenheit über den Tod Meisners. Papst Franziskus lobte dessen „treuen und unerschrockenen Einsatz“ für das Wohl der Menschen in Ost und West, dessen tiefen Glauben und aufrichtige Liebe zur Kirche. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, nannte Meisner einen „mutigen Kämpfer“, der bereit gewesen sei, öffentlich anzuecken. Seine Frömmigkeit und theologische Argumentation hätten ihn immer beeindruckt.

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