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Tourenabende sind angesagt: Immer mehr Leute kommen auf die Idee, am Feierabend noch eine Skitour zu machen. Diese Gruppe geht zur Hütte „Drehmöser 9“ am Garmischer Hausberg.

Tourenabende immer beliebter

Nachts auf die Piste

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München – Die einen legen sich aufs Sofa – die anderen tun das genaue Gegenteil. Nach der Arbeit geht’s hoch auf den Berg, auf Skiern, im Dunkeln, mit Lampe. Solche Tourenabende werden immer beliebter. Und zwar nicht nur wegen der Brotzeit auf der Hütte.

Kürzlich haben sie ihm die Bude eingerannt, oben im Taubensteinhaus am Spitzingsee (Kreis Miesbach). Das war an einem Mittwochabend, keine Stecknadel passte mehr in die Gaststube. „Wir hatten kaum mehr Stehplätze übrig“, sagt Hüttenwirt Joachim Dennerlein. „Manche Gäste haben wir auch auf Bierkästen gesetzt.“ Gleich neben den Kamin.

Solche Abende erlebt Dennerlein seit einiger Zeit öfter. Dann kommen die Gäste bis aus Rosenheim, um in der Dunkelheit auf Skiern bis zu seiner Hütte hochzulaufen und dort einzukehren. Montags bis mittwochs hat Dennerlein die Hütte deshalb länger geöffnet. Solche Tourenabende werden immer beliebter. Jedes Jahr kommen mehr Leute, sagt Dennerlein. „Heuer ist der Höhepunkt erreicht.“ An besagtem Abend kamen rund 100 Leute. Die Gaststube ist eigentlich für 35 ausgelegt.

Abends nach der Arbeit raus zum Berg, Skier an, mit Stirnlampe gemächlich oder sportlich hoch zur Hütte, einkehren – und am späten Abend die Abfahrt. Immer mehr Menschen machen so einen Tourenabend mit, längst nicht nur am Spitzingsee. Auch der Hausberg in Garmisch-Partenkirchen ist ein beliebtes Ziel. „Der Trend geht zu Feierabendtouren auf den Pisten“, sagt Michael Zahler. Er ist Skilehrer und außerdem das, was man Neudeutsch als Guide bezeichnet. Heißt: Er führt diejenigen, die nicht auf eigene Faust losziehen wollen, in Gruppen auf einer präparierten Aufstiegsspur bis zur „Drehmöser 9“. Die Hütte bietet immer dienstags und donnerstags Tourenabende an. An die 200 Leute sind regelmäßig dort.

Zahler sagt, die Sportler kämen direkt nach der Arbeit, sogar aus München, um sich an so einem Abend mal gescheit müde zu laufen. Ausgleich zum Bürojob, könnte man sagen, mit den Kollegen oder mit Freunden. „Viele von denen wollen einfach die Ruhe genießen“, sagt er. Geredet wird dann später, bei einer Brotzeit auf der Hütte.

Das alles hat einen positiven Nebeneffekt: Diejenigen, die sich solchen Terminen anschließen, kommen eher nicht auf die Idee, während gefährlicher Präparierungsarbeiten auf die Piste zu gehen. „Indem wir diese Abende anbieten, kanalisieren wir den Verkehr natürlich ein Stück“, sagt Verena Lothes, die Sprecherin der Zugspitzbahn. Die schickt ihre Leute an den Tourenabenden einfach etwas später raus, um die Piste zu präparieren. Nach 22 Uhr legen sie los, bis dahin müssten sich die Abendsportler auf einer eigens ausgezeichneten Route auf den Weg ins Tal machen.

Natürlich gibt es sie trotzdem, die Fälle in denen Sportler während der Präparierung auf die Piste gehen. Erst Ende Januar war es auf der Olympia-Abfahrt zu einem Unfall gekommen. Ein Münchner wäre vom Stahlseil einer Pistenraupe beinahe einen Kopf kürzer gemacht worden (wir berichteten). „Solche besonderen Individualisten gibt es immer wieder“, sagt auch Michael Zahler verärgert.

Joachim Dennerlein vom Taubensteinhaus ist derweil froh über den Zulauf, den die Hütte hat. Seit drei Jahren bietet er die Tourenabende an. Zwar kamen schon vorher Leute, als es aber mehr wurde, hatte er das Gefühl, den Ansturm in „bestimmte Bahnen“ leiten zu müssen.

Ab Ende Februar, glaubt er, wird das Interesse etwas abebben, zumal in der Faschingswoche ohnehin keine Tourenabende im Taubensteinhaus stattfinden. Dafür stehen die Zeichen gut, dass im nächsten Winter mindestens genauso viele Leute kommen.

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