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Eine Gaudi mit ernstem Hintergrund: Pflegeschüler messen sich im Wettlauf um die schnellste Patientenversorgung. Auf dem Pflegenachwuchstag in Germering protestierten sie gegen Fließbandabfertigung der Patienten.

Nachwuchskräfte protestieren: Wenn die Pflege auf der Strecke bleibt

Germering - Junge Pflegekräfte aus ganz Bayern gehen auf die Barrikaden: Wegen ihrer schlechten Arbeitsbedingungen bleiben die Patienten auf der Strecke. Ein grotesker Wettbewerb zeigt ihren Zorn.

Mit einem Spektakel haben junge Krankenschwestern und Altenpfleger beim Pflegenachwuchstag in der Stadthalle Germering (Kreis Fürstenfeldbruck) auf die Fließbandabfertigung von Patienten aufmerksam gemacht: Vier zufällig ausgewählte Krankenpflegeschulen aus Freising, Schönbrunn, Wasserburg und Schwandorf bildeten Teams und traten in einem Staffellauf gegeneinander an.

Frenetisch angefeuert von hunderten von Kollegen mussten sie Tabletts mit für ihren Beruf typischen Utensilien wie Infusionsbesteck, Pillendosen, Telefon und Dokumentationsmappe so schnell wie möglich zum (symbolisch vorhandenen) Patienten und wieder zurück befördern. Zwischendurch musste auf der Patientenseite noch eine Fieberkurve aktualisiert werden. Im Finale erwiesen sich die Oberpfälzer als die schnellsten.

Das Ergebnis war allerdings nur Nebensache. Denn laut Sabine Karg vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) sollte die Aktion natürlich vor allem folgendes verdeutlichen: „Sieger ist, wer schneller ist. Der Patient bleibt dabei auf der Strecke.“ Hektik, Überforderung und wenig Zeit für Patienten prägten nach wie vor den Alltag in der Ausbildung.

Die angehenden Krankenschwestern und Aktenpfleger warnen vor einem Mangel an Nachwuchskräften. Personalabbau bei steigendem Arbeitsanfall, geringe Gehälter trotz hoher Anforderungen machten den Pflegeberuf immer unattraktiver. In den kommenden 20 Jahren müssten 500 000 Pflegende zusätzlich qualifiziert werden, um die steigende Zahl der pflegebedürftigen Menschen auszugleichen – stattdessen seien im vergangenen Jahrzehnt die Ausbildungskapazitäten um ein Drittel abgebaut worden.

Den rund 1000 Teilnehmern des Kongresses aus ganz Bayern wurde aber nicht nur Spektakel geboten. Den ganzen Tag über gab es im großen Saal der Stadthalle Fachvorträge zu den unterschiedlichsten Themen. Die Nachwuchspfleger konnten sich beispielsweise über Möglichkeiten der Weiterbildung ebenso informieren wie über die Voraussetzungen eines Berufswechsels in das Ausland. Beides sind Themen, die nach Einschätzung von Katharina Hoffmann eine große Rolle im Pflegealltag spielen. Die junge Münchner Krankenschwester absolviert derzeit ein pflegepädagogisches Studium an der Stiftungsfachhochschule und engagiert sich im DBfK.

Es sei eine ihrer Intentionen, ihre jungen Kollegen auf die gestiegenen Weiterbildungsmöglichkeiten in den Pflegeberufen aufmerksam zu machen. Obwohl die Karrierechancen in den vergangen Jahren ihrer Einschätzung nach gestiegen sind, gebe es erschreckende Entwicklungen im Bereich der Pflegeberufe. Es sei tatsächlich ein Problem, dass immer mehr Nachwuchskräfte ins Ausland gehen, erzählt Katharina Hoffmann weiter. Grund sind vor allem die weitaus höheren Gehälter, die beispielsweise in der Schweiz, in Österreich oder Schweden gezahlt werden.

Klaus Greif

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