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Nachwuchsmangel überwunden: Imker schwärmen wieder aus

Der durchschnittliche Imker in Bayern ist 70 Jahre alt. Doch das ändert sich jetzt. Bienen züchten liegt im Trend. Warum, weiß keiner so genau, trotzdem verzeichnen die Imkervereine große Zuwächse.

Fleißig sind die Imker, fleißig wie ihre Bienen. Die letzteren sammeln Nektar, die anderen neue Mitglieder. „Wir werden auf einmal überrannt“, freut sich Eckard Radke, zweiter Vorsitzender des Landesverbandes bayerischer Imker. Gründe sind die neu entdeckte Eigeninitiative – und der finanzielle Anreiz von Seiten des Staates.

Seit 1991 waren die Mitgliederzahlen rückläufig, das Durchschnittsalter lag bei etwa 70 Jahren. „Wir mussten also aktiv werden. Das war klar“, sagt Radke. 2003 dann die Idee „Imkern auf Probe“: Jeder, der Lust hat, darf sich für ein Jahr als Bienenzüchter versuchen, ohne Verpflichtungen, ohne Mitglied zu werden. Er bekommt ein Bienenvolk gestellt, das er bearbeiten muss. Nach einer Saison wird entschieden, ob weitergeimkert wird oder ob er lieber aufhören will. „Das ist wie eine Schnupperlehre“, erklärt Radke. Und die ist überaus erfolgreich. „95 Prozent bleiben bei uns.“ Denn: einmal Imker, immer Imker. Für die pfiffige Idee gab es 2006 vom Agrarministerium den Preis für eine „beispielhafte Nachwuchsarbeit“ und eine kleine Finanzsprize obendrauf.

Noch ein weiteres Schmankerl gibt es für die Vereine von Staats wegen: Für jeden Anfänger werden seit 2008 jährlich 100 Euro überwiesen, insgesamt dauert die Förderung zwei Jahre. Diesem Anreiz konnte etwa der Ortsverein Murnau nicht wiederstehen, heuer starteten sie das Anfängerprogramm. Und siehe da, „wir haben acht Neue“ so der Vorsitzende Franz Höcker.

Doch ein Bienenvolk kostet beim Start 100 Euro und der Kasten genauso viel. „Das ist teuer“, sagt Höcker. „Deswegen bekommen bei uns die Jungimker leihweise ein Volk.“ Anders ausgedrückt: Die Zuchtanfänger, egal wie alt, werden Herren über 50 000 Arbeiterinnen, 2000 Drohnen und eine Königin. Sie lernen alles, von der Pflege über die Aufzucht einer neuen Königin bis zum Aufteilen des Volkes. „Alles unter Anleitung“, so Höcker. „Und sie bekommen eine sanfte Königin.“

Dass man trotzdem mal einen Stich abbekommen kann, das müssen im Kreisverein Schongau (149 Mitglieder) elf Jungimker noch lernen. „Das ist halt nun mal so“, sagt der Kreisvorsitzende Norbert Moser schlicht. Deswegen sei zu Beginn der Bienenzüchterkarriere ein Allergietest Pflicht. Aber das schrecke niemanden ab, sagt Moser. Dafür sei die neu entfachte Liebe zur Natur, die Faszination Imkerei oder der Wunsch nach Bioprodukten zu stark. „Viele haben auch schon früher beim Opa mit Bienen zu tun gehabt“, versucht Moser den Ansturm zu erklären. Auch der Stolz, eigenen Honig zu produzieren, treibe zum eigenen Stock.

Einen Lehrbienenstand bietet auch Richard Hörl vom Ortsverband Forstinning (Kreis Ebersberg) bei seinem Lehrpfad an. 18 Jungimker versuchen daran ihr Glück. „Meist macht man aus lauter Neugierde das erste Volk kaputt“, erklärt er. Deswegen heißt es: lernen. Die Imker-Profis haben auf ihre Weise gelernt. Mit ihrer Ausbildungsoffensive landeten sie einen richtigen Treffer. „Früher wurde nur gejammert, weil kein Nachwuchs da war.“ Jetzt kann man sich über einen regelrechten Ansturm freuen.

Von Angelika Mayr

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