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Gedränge am Morgen: Die Meridian-Züge sind immer noch maßlos überfüllt.

Die nächste "absolute Ausnahme"

Das Bahnchaos geht weiter

München - Zweiter Werktag nach dem Fahrplanwechsel – noch immer überfüllte Züge und Verspätungen. Die Fahrt in die Arbeit blieb für die Pendler auch am Dienstag ein Nerventest, die Pannenserie geht weiter.

Der Weg in die Arbeit ist seit zwei Tagen ein Lotteriespiel für Stephanie Strassner. „Von einem Sitzplatz wage ich ja schon gar nicht mehr zu träumen“, sagt sie. Am Montag hatte sie Glück, sie war unter den wenigen Pendlern, die sich in Aßling (Kreis Ebersberg) noch in den schon überfüllten Zug aus Rosenheim quetschen konnten. Wegen eines technischen Defekts hatte eine Zughälfte gefehlt, die Bahn sprach von einer „absoluten Ausnahme“. Gestern ist Strassner schon wieder unzufrieden und genervt aus dem neuen Meridian ausgestiegen. Er war wieder überfüllt, es gab wieder keine Durchsagen, der Zug kam wieder zu spät in München an.

Eine andere Pendlerin, die mit den neuen „Talent 2“-Zügen des Werdenfels-Taktes von Weilheim nach München fährt, ist ebenfalls verärgert. In den alten Doppelstock-Zügen habe sie immer einen Sitzplatz bekommen, sagt sie. Nach zwei Tagen Gequetsche ist sie überzeugt: „Die Bahn muss sich bei der Kapazität der neuen Züge verkalkuliert haben.“ Ein Sprecher der Bahn betont allerdings: „Wir haben die Sitzplatzkapazität zur Berufsverkehrszeit sogar ausgeweitet.“ Allerdings dauere es nach jedem Fahrplanwechsel einige Tage, bis sich die Pendler auf die neuen Abfahrtszeiten festgelegt haben und die Bahn besser kalkulieren kann. Gestern kam außerdem schon wieder ein technisches Problem dazu. Im Tutzinger Bahnhof sollten zwei Züge zusammengekoppelt werden – das hat anderthalb Stunden lang nicht funktioniert. Das Gleis war so lange blockiert, nachfolgende Züge mussten ebenfalls warten. „Wir setzen am Mittwoch zusätzliche Mitarbeiter ein, um schnell auf technische Pannen reagieren zu können“, versprach der Bahnsprecher.

Den Meridian-Pendlern hatte Kai Müller-Eberstein, Geschäftsführer der Bayerischen Oberlandbahn, am Montag ebenfalls zugesichert, dass die Chaos-Fahrt in die Arbeit eine absolute Ausnahme bleiben werde, ein Zugausfall sei schuld an den überfüllten Zügen und Verspätungen gewesen. Gestern ist kein Meridian-Zug ausgefallen – die Fahrgäste mussten trotzdem wieder dicht zusammengedrängt bis München fahren. Wieder verspricht eine BOB-Sprecherin Besserung für den nächsten Tag: „Der 6:59-Uhr-Zug aus Rosenheim ist bisher als Einfach-Traktion gefahren – ab Mittwoch wird der Zug in Doppel-Traktion fahren.“ Das bedeute doppelt so viel Platz für die Fahrgäste. Auch an der Verbesserung der Durchsagen in den Zügen arbeite man bereits.

„Wir haben großes Verständnis dafür, dass die Fahrgäste genervt sind“, betont Johann Niggl, der neue Geschäftsführer der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG). „Erfahrungsgemäß pendelt sich alles nach einigen Tagen ein.“ Er weist ausdrücklich darauf hin, dass die Kombi-Tickets von MVV und DB in den Expresszügen zwischen Mittenwald und München für Abo-Kunden so lange gelten, bis das Abo ausläuft – maximal noch ein Jahr. Damit würden die anderen Züge entlastet.

Andreas Nagel vom Fahrgastverband Aktion Münchner Fahrgäste betont hingegen: „Wir sind es leid, ständig Ausreden und Entschuldigungen geliefert zu bekommen. Gefordert ist Zuverlässigkeit.“

Von Katrin Woitsch

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