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Die Karwoche soll an das Leiden Christi erinnern.

Bräuche in der Karwoche

Nasse Füße und stumme Glocken

München - Die Karwoche vor dem ältesten christlichen Fest, Ostern, ist der Höhepunkt im Kirchenjahr. Die Tradition kennt eine lange Reihe an religiösen und weltlichen Bräuchen, die weit über das Binden von Palmbuschen hinaus gehen.

Am Sonntag vor Ostern, so sagt die Bibel, ist Jesus auf einer Eselin nach Jerusalem geritten. Mit Prozessionen haben Christen in ganz Bayern gestern an diesen triumphalen Einzug erinnert und damit die Karwoche eingeläutet. Prozessionen am Palmsonntag sind in Bayern bereits seit dem Jahr 970 belegt.

Die Bräuche in der Karwoche

Bräuche in der Karwoche

Früher führte ein Pfarrer auf einem Esel den Tross an, heute reiten meist weiß gekleidete Ministranten voran, sofern der Brauch noch gepflegt wird.

Geweihte Palmbuschen als Lebensspender

Im Andenken an die Palmwedel, mit denen das Volk Jesus zugewunken haben soll, tragen Gläubige heute aus Immergrün geflochtene, in den Kirchen geweihte Palmbuschen. Besonders in ländlichen Gebieten galten die Sträuße lange Zeit als Lebensspender und Glücksbringer. Auf die Äcker gesteckt sollten sie für eine gute Ernte sorgen, ins Herdfeuer geworfen das Haus vor einem Blitzeinschlag bewahren. Heute werden sie im Hergottswinkel hinter das Kruzifix gesteckt.

Grüne Suppe am Gründonnerstag

Am Gründonnerstag endet offiziell die Fastenzeit. Ein traditionelles Mittagsmahl ist an diesem Tag die so genannte Grüne Suppe, eine Kräutersuppe mit Frühlings- und Heilpflanzen. Eine Tradition, die lange Jahre in Vergessenheit geraten war und in jüngster Zeit wieder auflebt, kennt Martin Englert, Kreisheimatpfleger in Bad Tölz-Wolfratshausen: „Am Gründonnerstag werden den ältesten Gemeindemitgliedern vom Pfarrer die Füße mit Wasser bespritzt.“ Das soll daran erinnern, wie Jesus seine Jünger am Tag vor seiner Kreuzigung zum Abendmahl um sich versammelt hat. Als Zeichen der Liebe soll er ihnen die Füße gewaschen haben.

Die Glocken fliegen nach Rom

Am Abend des Gründonnerstags wird der Altar in der Kirche leergeräumt, und Orgel und Kirchenglocken verstummen. „Früher sagte man, die Glocken fliegen nach Rom“, erzählt Englert, „und kehren erst beim Gloria in der Osternacht wieder, wenn die Auferstehung gefeiert wird“.

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Auch am Karfreitag läuten sie nicht, selbst wenn in katholischen Kirchen nachmittags zur feierlichen Andacht am Heiligen Grab gerufen wird. Dieses wird meist in einem Seitenraum der Kirche aufgestellt und ist ein Sinnbild von Jesu Grab. „Ich erinnere mich noch, wie ich als Kind die mystische Stimmung empfunden habe“, erzählt Englert, „besonders wegen der Glaskugeln, die mit buntem Wasser befüllt und von hinten beleuchtet wurden“.

Höchster Kirchenfeiertag Karfreitag

Der Name der Karwoche leitet sich vom althochdeutschen „karen“ oder „charen“ ab, was wehklagen bedeutet. Als Zeichen der Trauer werden bei katholischen Karfreitagsprozessionen die Kreuze mit lilafarbenen Tüchern verhüllt. In der evangelischen Kirche ist der Karfreitag der höchste Feiertag, da die Reformatoren vor allem im Tod Jesu die Erlösung von Sünde und Schuld sahen. Weil während der Zeit der Grabesruhe an Karfreitag und -samstag die Glocken auch nicht die Stunde läuten, zogen früher so genannte Klapperburschen mit hölzernen Ratschn durchs Dorf und riefen zur Stunde und zum Gebet.

Uta Künkler

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