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Die Donauauen bei Neuburg.

Werden es die Donauauen?

Potenzieller Nationalpark: „Ein Ritterschlag für die Region“

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Bekommt Oberbayern einen zweiten Nationalpark? Die Donauauen sind weiter im Rennen. Der Neuburger Landrat spricht von einer großen Chance. Bei so manchem Nachbarn ist die Stimmung gedämpfter.

München – Nach der Ankündigung der Staatsregierung, dass die Entscheidung für einen dritten bayerischen Nationalpark zwischen der Rhön und den Donauauen fallen soll, schwanken die Reaktionen im Norden Oberbayerns zwischen Begeisterung und Zurückhaltung. Nun warten alle Beteiligten mit Spannung auf einen ersten Vorschlag des Umweltministeriums, welches Gebiet der Park umfassen könnte.

Das Kerngebiet der Donauauen liegt zwischen Neuburg und Ingolstadt und damit zu großen Teilen im Kreis Neuburg-Schrobenhausen. „Es freut uns, dass wir einen Teil Bayerns repräsentieren, der womöglich national einzigartig ist“, sagt der dortige Landrat Roland Weigert (Freie Wähler). „Das ist für uns wie ein Ritterschlag.“ Dass die Donauauen vor rund einem Jahr auf einmal zu den Kandidaten zählten, kam für Weigert ziemlich unerwartet. „Wir waren völlig konsterniert. Wir wussten gar nicht, wie wir ins Gespräch gekommen sind.“ Es mag geholfen haben, dass Ministerpräsident Horst Seehofer, gebürtiger Ingolstädter, gerne durch die Natur in der Region radelt.

Aber Weigert hat sich mit der Idee schnell angefreundet. Er glaubt, ein Nationalpark könne die Region gewaltig nach vorne bringen – und zu einer Art Blaupause dafür werden, wie sich Wirtschaftspolitik und Naturschutz ideal verbinden lassen. „Ein Nationalpark könnte uns dabei helfen, kreative Köpfe in die Region zu locken.“ Bewahrung der Natur – und Work-Life-Balance für die Fachkräfte im Raum Ingolstadt.

Ohne Kritik kam die Debatte im Kreis Neuburg-Schrobenhausen freilich nicht aus. Eingeschränkte gewerbliche Entwicklung und mehr Flächendruck für die Landwirtschaft sind Sorgen, die die Bürger umtreiben. „Aber da ist viel Angsthaltung dabei“, sagt Weigert. Wenn sich ein tragfähiges Konzept – und zwar zwingend ohne Enteignungen – finden lasse, dann werde er für einen Nationalpark trommeln.

An seinem Landkreis allein liegt es allerdings nicht. Denn die Auenflächen dort sind eigentlich zu klein für die vorgeschriebene Nationalparkgröße von 10 000 Hektar. Weigert könnte sich angesichts der wenigen verbliebenen Auwälder zwar auch einen kleineren Park vorstellen. „Aber vielleicht muss man auch mit mehreren Standorten denken.“

Dafür braucht es Partner. Und die wären zwar nicht nur, aber wohl primär entlang der Donau zu suchen. Die fließt von Neuburg über Ingolstadt nach Kelheim. Nicht bei allen Nachbarn ist die Euphorie so ausgeprägt wie bei Weigert. Kelheims Landrat Martin Neumeyer etwa will keinen Nationalpark auf den Flächen des Paintner und Hienheimer Forstes, die nordwestlich von Kelheim liegen. „Das passt einfach nicht zusammen“, sagt der CSU-Politiker. Umweltministerin Ulrike Scharf habe ihm zugesichert, dass diese Flächen nicht infrage kämen. Bei einem vernünftigen Vorschlag könne man aber über einen Teil der Donau diskutieren. Eine Vorlage für eine Gebietskulisse vom Umweltministerium erwartet Neumeyer im Herbst. Dann müsse mit den Bürgern diskutiert werden.

Auch aus dem Ingolstädter Rathaus heißt es, der Stadtrat stehe einem Nationalpark Donauauen „neutral und abwartend“ gegenüber. Man lege Wert auf einen ergebnisoffenen Dialog. Begeisterung klingt anders.

Während das Umweltministerium auch eine Ausdehnung nach Schwaben prüfen will, fordert der Grünen-Abgeordnete Christian Magerl, sich nicht auf die Donau zu beschränken, sondern auch die Isar-Auen bei Freising sowie das Isarmündungsgebiet bei Deggendorf in die Planungen mit einzubeziehen. Es gibt also noch einiges zu diskutieren, bevor sich die Donauauen dem Duell mit der Rhön stellen können.

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