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Bis zum Donaudurchbruch bei Kelheim könnte ein möglicher Nationalpark Donauauen reichen. Doch auch die Variante Rhön bleibt aktuell.

Standort für neuen Nationalpark

Rhön und Donauauen bleiben im Rennen

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Da waren es nur noch zwei: Umweltministerin Ulrike Scharf verkündete, dass der dritte bayerische Nationalpark entweder in der Rhön oder in den Donauauen entstehen soll. Naturschützer ärgert das. 

München – Die Rhön und die Donauauen kommen in die engere Wahl für einen dritten Nationalpark in Bayern – das verkündete Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) gestern nach einer Kabinettssitzung in München. Mit diesen beiden Regionen wolle man künftig „vertieft in den Dialog treten“. Die beiden Standorte sollen in den kommenden Monaten weiter geprüft werden, die Rhön auch zusammen mit dem benachbarten Hessen. Der Spessart und der Frankenwald sind damit aus dem Rennen.

Wann die endgültige Entscheidung fallen soll, ließ das Kabinett offen. „Wir treffen eine historische Entscheidung, und historische Entscheidungen brauchen Zeit“, sagte Scharf. Sie wünsche sich zwar ein schnelles Ergebnis – legte sich aber nicht auf eine Entscheidung vor der Landtagswahl im Herbst 2018 fest.

Bestehende und mögliche Nationalparks in Bayern.

Sowohl die Rhön als auch die Donauauen bezeichnete Scharf als spannende Regionen. Für die Rhön sprächen die große biologische Vielfalt und die unterschiedlichen Waldflächen. Aber auch die Region an der Donau sei wegen ihrer Auen- und Flusslandschaft besonders wertvoll (siehe Kasten). Nach Informationen unserer Zeitung ist die Entscheidung zwischen den beiden verbleibenden Regionen völlig offen, zumal der genaue Umriss bei beiden Varianten erst geklärt werden muss. Ministerpräsident Horst Seehofer, der CSU-Widerstände gegen einen neuen Nationalpark am Vorabend noch „betrüblich“ genannt hatte, äußerte sich gestern wohlwollend gegenüber beiden Standorten. Für die Rhön spräche das länderübergreifende Konzept, die Donauauen hätten großes Entwicklungspotenzial.

Gegen den Frankenwald habe der große Fichtenanteil gesprochen, sagte Scharf. „Das wäre ein gefundenes Fressen für den Borkenkäfer.“ Der Spessart kommt laut Kabinettsbeschluss wegen der dortigen Holznutzungsrechte der Bevölkerung nicht infrage.

Naturschützer wollen trotz der Festlegung der Staatsregierung auf die beiden Regionen weiter auch für Spessart und Steigerwald kämpfen. „Bedauerlich ist, dass Horst Seehofer und das Kabinett mit dem Ausschluss von Steigerwald und Spessart gegen den Mehrheitswillen der Bevölkerung und alle naturschutzfachlichen Argumente handeln“, sagte Hubert Weiger vom Bund Naturschutz. Auch der Grünen-Abgeordnete Christian Magerl favorisiert den Steigerwald. Die Donauauen alleine seien für einen Nationalpark nicht ausreichend. „Hier muss die Gebietskulisse unbedingt um die Isar-Auen bei Freising und das Isar-Mündungsgebiet erweitert werden.“ SPD-Umweltsprecher Florian von Brunn kritisierte das „intransparente“ Auswahlverfahren und sprach von einer „Gefälligkeits-Entscheidung“ für Lobbygruppen.

Die Rhön

Die Rhön liegt im Dreiländereck von Hessen, Bayern und Thüringen. Das Mittelgebirge ist mit seinem höchsten Berg, der Wasserkuppe, 950 Meter hoch. Die Rhön ist seit 1991 Unesco-Biosphärenreservat. Das heißt, drei Prozent der gesamten Waldfläche müssen Kernzone und damit fast unberührt sein. Im übrigen Teil ist eine naturnahe Bewirtschaftung erlaubt und erwünscht. Die Rhön ist überdurchschnittlich reich an Pflanzenarten. In den Kernzonen gibt es Buchen-Urwälder. Der künftige Nationalpark Rhön wäre den derzeitigen Planungen zufolge in der Südrhön zu finden – im geografischen Dreieck zwischen den Städten Bad Kissingen, Bischofsheim an der Rhön und Bad Brückenau. Es sollen ausschließlich Staatswälder einbezogen werden. Ein Nationalpark könnte hier zugleich Teile der Kernzone des Biosphärenreservats beinhalten und länderübergreifend bis nach Hessen hinein reichen

Die Donauauen

Ein möglicher Nationalpark Donauauen würde überwiegend im Norden Oberbayerns liegen und noch ein kleines Stück nach Schwaben hineinreichen. Diskutiert wird ein Stück etwa von Marxheim (Kreis Donau-Ries), wo der Lech in die Donau mündet, bis nach Ingolstadt. Der größte Teil dieses Schutzgebietes wäre im Kreis Neuburg-Schrobenhausen. Die Donau ist in diesem Bereich noch relativ naturbelassen, da dort keine großen Schiffe unterwegs sind. Erst ab dem niederbayerischen Kelheim ist Europas zweitlängster Fluss offiziell eine Wasserstraße. Das Gebiet rund um Neuburg ist allerdings für einen Nationalpark zu klein. Das bayerische Umweltministerium hatte unlängst erklärt, dass für einen neuen Park eine Fläche von 10 000 Hektar nötig sei. Gute Chancen werden dem Projekt dennoch eingeräumt – vor allem wegen der Auwälder, die in den bestehenden deutschen Nationalparks noch nicht vorhanden sind.

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