+
"Wildtiere als politische Sündenböcke missbraucht", beklagt der BN.

Naturschützer klagen über Hetzjagd auf Wolf & Co.

Nürnberg - Ob Wolf, Luchs, Biber, Kormoran oder Fischotter: Der Bund Naturschutz findet, dass viele Tierarten in Bayern einer Hetzkampagne ausgesetzt sind.

Der Bund Naturschutz in Bayern fordert ein Ende der Hetzkampagnen gegen Wildtiere. Gegen Wolf, Luchs, Biber, Kormoran und Fischotter werde gezielt Stimmung gemacht, so der Vorwurf des BN. Die Naturschützer rufen zum „Ende der Politik des Tötens" auf.

Der Bund Naturschutz (BN) mit Sitz in Nürnberg wirft Almbauern, Anglern und Politikern in Bayern vor, eine Hetzkampagne gegen Wildtiere zu forcieren. Das komme einem Aufruf zum Bruch des Naturschutzgesetzes gleich. „Es muss endlich Schluss sein, dass Arten wie Wolf, Biber, Fischotter oder Kormoran Gegenstand verleumderischer Kampagnen sind“, fordert Hubert Weiger, Vorsitzender des BN. Landesweit würden Wildtiere als politische Sündenböcke missbraucht, um von eigenen Fehlern abzulenken. Dem setzt der BN Forderungen entgegen, die das Zusammenleben von Mensch und Wildtier erleichtern sollen.

Die Diskussion um die Bekämpfung von Wildtieren hat sich in Bayern in den vergangenen Wochen an Wolf und Biber entzündet (wir berichteten). „Der im Mangfallgebirge ansässige Wolf ist unverzüglich zu entnehmen“, forderte der Almwirtschaftliche Verein Oberbayern. Lokalpolitiker wie Hans Hofer, Bürgermeister von Bad Feilnbach (Kreis Rosenheim), machten ihre Position in der Wolf-Frage unmissverständlich klar: „Hier ist kein Lebensraum für diese Tierart - der Wolf muss weg.“ Von einer „Biberplage“ sprach der CSU-Politiker Reinhard Pacher (MdL). Der Landshuter Kreisrat Hans Keil (CSU) ließ sich mit Blick auf die bayerische Biber-Population zu der Aussage hinreißen, „dieses Ungeziefer“ müsse geschossen werden.

Der BN wirft Almbauern und Politikern, die für eine „Entnahme“ von Wildtieren plädieren, die Verschleierung eigener Versäumnisse und „ökologische Ignoranz“ vor. Die bayerische Agrarpolitik sei fehlgeleitet, Gewässer nicht ausreichend geschützt, schreibt der BN in einer Pressemitteilung. Von einem „Fehlen natürlicher Feinde“ könne keine Rede sein. Der Bestand reguliere sich selbst - auch wenn das „für uns Menschen als Spitzenraubtier, das diesen Planeten hemmungslos ausplündert“, schwer verständlich sei. Obwohl das Bayerische Naturschutzgesetz der „natürlichen Schöpfung“ einen eigenen Wert zuspreche, sehe die politische Realität in Bayern anders aus, moniert der BN. „Beim rigorosen Abschießen von Wildtieren ist Bayern bundesweit Spitzenreiter.“

Lediglich einen Lichtblick machen die Naturschützer aus: Der Härtefonds für Biber wurde um 100 000 Euro erhöht (wir berichteten). Doch es fehle ein staatlicher Härtefonds für Schäden, die Fischotter oder Wölfe verursachen. Außerdem fordert der BN ein Wildtiermanagement, Renaturierungsmaßnahmen zerstörter Lebensräume und Betrater. 2,5 Millionen Euro wird das Maßnahmenpaket kosten, schätzt der BN und fordert eine Aufstockung der Mittel des Freistaats von 800 000 auf eben jene 2,5 Millionen Euro jährlich.

Doch nicht nur die Politik sieht der BN in der Pflicht. Die Menschen hätten über Generationen verlernt, mit Wildtieren umzugehen. Vorurteile und Ängste in der Gesellschaft müssten abgebaut werden, erst dann sei ein Zusammenleben möglich.

mm

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Lawinen-Ticker: Nur in Allgäuer Alpen erhebliche Gefahr
Lawinen sind der absolute Alptraum für Wintersportler. In unserem Ticker verraten wir Ihnen, wie sich die Lage an den bayerischen Ausflugszielen aktuell darstellt.
Lawinen-Ticker: Nur in Allgäuer Alpen erhebliche Gefahr
Wer kennt diesen Mann? Polizei veröffentlicht Foto nach Raub
Ein bewaffneter Mann hat am Donnerstagabend eine Tankstelle in Eggenfelden überfallen. Jetzt hat die Polizei ein Foto veröffentlicht.
Wer kennt diesen Mann? Polizei veröffentlicht Foto nach Raub
Rätsel nach Fund von Frauenleiche gelöst
Wer ist die Frau? Und woran starb sie? Diese Fragen waren nach dem Fund einer Leiche im Landkreis Kelheim offen. Inzwischen hat die Polizei sie wohl geklärt.
Rätsel nach Fund von Frauenleiche gelöst
Straße nach Lkw-Unfall stundenlang gesperrt
Ein Lkw-Fahrer ist bei einem Unfall auf der Bundesstraße 14 in der Nähe von Gebenbach (Landkreis Amberg-Sulzbach) schwer verletzt worden.
Straße nach Lkw-Unfall stundenlang gesperrt

Kommentare