Alpenplan

Neue Skilifte im Allgäu: Naturschützer warnen

München - Planungen für neue Lifte und Skipisten im Allgäu sind Naturschützern ein Dorn im Auge. Sie befürchten, dass dadurch der seit vier Jahrzehnten bestehende Alpenplan zu Fall gebracht wird.

Die Alpenschutzkommission CIPRA Deutschland und ihre Mitgliedsorganisationen haben starke Vorbehalte gegen Planungen für neue Liftanlagen und Skipisten am Riedberger Horn im Allgäu. Um dort Erschließungen realisieren zu können, drohe ein Abweichen vom Alpenplan in der Zone C mit einem „Zielabweichungsverfahren“, teilten die Naturschützer am Montag in München mit. Sollte die Planung umgesetzt werden, wäre der Alpenplan nach 40 Jahren unveränderter Gültigkeit mit einem Präzedenzfall ausgehebelt. Zudem sehen die Naturschützer den wertvollsten Bestand der bedrohten Birkhühner im Allgäu gefährdet.

Zuständig für das „Zielabweichungsverfahren“ ist das Ministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat. „Es liegt in der Hand von Minister Söder, ob es am Riedberger Horn zu einem verhängnisvollen Präzedenzfall kommen wird“, sagte Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund Naturschutzes (BN) in Bayern, laut Mitteilung. „Sollte nun der Bau einer Bergbahn in der Schutzzone C genehmigt werden, käme das einem Dammbruch mit unabsehbaren Folgen für den gesamten bayerischen Alpenraum zu Lasten des Alpenschutzes und des Gemeinwohls und zur Freude einiger, weniger Profiteure gleich.“

Das Riedberger Horn im Oberallgäu ist ein beliebtes Ziel für Skitourengeher im Winter und Wanderer im Sommer. Trotz dieser touristischen Attraktivität konnte nach Angaben des BN in der Vergangenheit eine Balance zwischen Naturschutz und Tourismus gefunden werden. Nun würden dort Planungen und Anhörungsverfahren für neue Lifte und Pisten laufen mit dem Ziel, zwei Skigebiete zusammenzuschließen. Dazu sei eine Verbindungsbahn von Balderschwang bis knapp unter den Gipfel des Riedberger Horns geplant.

Gefahr für die Aussterben bedrohte Birkhühner

Die Naturschützer sorgen sich nicht nur darum, dass der Alpenplan zu Fall gebracht wird. Auch der Schutz von Birkhühnern, die in Bayern vom Aussterben bedroht sind, sowie der Schutz vor Lawinen- und Murenabgängen auf die Riedbergpassstraße sprächen gegen den Bau von neuen Pisten und Liftanlagen. „Es kann nicht sein, dass Bayern auf der einen Seite Gelder in Artenschutzprogramme investiert, als Vorzeigeland für den Erhalt der Biodiversität gilt und auf der anderen Seite mit einem Federstrich ein Gebiet aus der Schutzzone des Alpenplanes streicht, das für den Fortbestand von Birkhühnern im gesamten Oberallgäu von eminenter Bedeutung ist“, sagte Norbert Schäffer, Vorsitzender des Landesbunds für Vogelschutz.

Hintergrund - Der Bayerische Alpenplan

In Bayern gilt seit 1972 ein Alpenplan, der die Zulässigkeit von Erschließungen in den bayerischen Alpen regelt. Er ist ein zentrales Element des Landesentwicklungsprogramms Bayern (LEP). Nach Angaben des Bund Naturschutzes in Bayern legt der Alpenplan im Sinne der Nachhaltigkeit fest, welche Gebiete unantastbar zu bleiben haben und wo der Bau von Straßen, Liftanlagen oder Skipisten unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt ist.

Der bayerische Alpenraum ist in drei Zonen eingeteilt. In der strengsten Schutzkategorie, der Zone C, sind neue Erschließungen grundsätzlich unzulässig. Diese „Ruhezone“ umfasst 42 Prozent des gesamten Alpenplangebiets. In der Zone B (23 Prozent) sind Erschließungen nur unter Berücksichtigung eines strengen Maßstabs möglich. In der Zone A (35 Prozent) sind weitere Erschließungen grundsätzlich möglich. Allerdings sind Vorhaben auch in der Zone A auf ihre Raum- und Umweltverträglichkeit zu überprüfen.

Nach Angaben des Bund Naturschutzes wurde in der Geschichte des Alpenplans bisher noch keine Ausnahmegenehmigung erteilt.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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