Beispiel für Flächenfraß: Die Verkehrsanbindung eines Gewerbegebietes bei Augsburg. Das Bild stammt aus dem Buch „Hoch über Bayern“ von Klaus Leidorf (Volk Verlag).

In diesen Landkreisen wird die Natur zerstört

München - In Bayern verschwindet immer mehr Natur. Allein 2010 haben Kommunen, Kreise und Freistaat Areale in etwa der Größe des Chiemsees zugebaut. Entsprechende ökologische Ausgleichsflächen fehlen jedoch vielerorts.

Die Isentalautobahn, der Ausbau der A 92 und die Ausweisung zahlreicher Gewerbegebiete in den Kommunen: Zwischen 1984 und 2009 wurde enorm viel Fläche im Freistaat verbraucht. Fläche in der Größe von rund 171 000 Fußballfeldern. Das geht aus einer Analyse hervor, die die Grünen nun vorgestellt haben. An Ausgleichsflächen für Flora und Fauna mangelt es jedoch. „Da läuft etwas völlig falsch“, kritisiert Landtagsabgeordneter Christian Magerl (Grüne). Der Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt und Gesundheit wollte in zwei Anfragen von der Regierung wissen, wie das Verhältnis von Bau- zu den Ausgleichsflächen in den Jahren 1984 bis 2009 ist. Das Ergebnis ist laut Magerl alarmierend. Im Einzelnen nannte er folgende Zahlen:

- Landshut Stadt: Mit 454 Hektar Bauland gegenüber einem Hektar Ausgleichsfläche (0,2 Prozent) schneidet die Stadt am Schlechtesten ab.

- Miesbach: 1357 gegenüber sieben Hektar (0,5 Prozent)

- Kreis München: 2630 gegenüber 220 Hektar (8,4 Prozent)

- Kreis Bamberg: 3619 gegenüber 665 Hektar (18,4 Prozent)

- Am besten schneidet Garmisch-Partenkirchen ab. Der Kreis hat 925 Hektar Land verbaut und 366 Hektar Ausgleich geschaffen (39,6 Prozent)

Werden Bauland, Gewerbegebiete oder größere Straßen ausgewiesen, dann müssen Ausgleichsflächen zur Verfügung gestellt werden. Das ist sowohl im Naturschutzgesetz als auch in Artikel 141 der Bayerischen Verfassung geregelt. Dadurch hat der Ausgleich im Freistaat – anders als auf Bundesebene – Verfassungsrang.

In der Praxis funktioniert das Prinzip wie folgt: Bereits in die Bauplanung werden die Ausgleichsflächen aufgenommen. Ein Planungsbüro ermittelt, aus welchen Nutzungsflächen sich das entsprechende Areal zusammensetzt. Das können zum Beispiel landwirtschaftlich genutzten Flächen, Feuchtgebiete oder Artenschutzgebiete sein. Zudem erfasst das Büro die dort lebenden Tierarten. Dann errechnet es die Ausgleichsfläche. Die Kommune meldet diese den Genehmigungsbehörden.

Diese Meldepflicht besteht aber nur auf dem Papier. Denn Mittel, Verstöße dagegen zu sanktionieren, existieren bislang nicht. Darüber hinaus hat das Landesamt für Umwelt keinen Überblick über den gesamten Flächenverbrauch, wie die Anfragen der Grünen ergeben haben. „Das ist ein starkes Stück“, sagt Magerl. „Die Regierung hat keine Ahnung.“

Das möchten die Grünen, die seit Jahren fordern, den Flächenfraß zu stoppen, ändern. Sie schlagen eine Verordnung vor, die besagt, dass die Genehmigungsbehörden Ausgleichs- und Ersatzflächen unverzüglich dem Landesamt für Umwelt melden müssen. Dieses überprüft dann spätestens zwei Jahre nach Fertigstellung des Bauvorhabens, ob die Kommunen die Areale geschaffen haben. Zudem sollen die Ausgleichsflächen regelmäßig kontrolliert werden. Denn manchen Gebieten fehlt es an Pflege, so Magerl.

Neben der Schaffung der Ausgleichsflächen gibt es noch eine weitere Möglichkeit: Ersatzzahlungen an den Bayerischen Naturschutzfonds. Dieses Instrumentarium greift, wenn der Grund, der versiegelt wird, nicht sehr groß ist. Zum Beispiel ist das beim Bau eines Windrads der Fall. Magerl befürchtet im Hinblick auf die Windkraft-Diskussion, dass diese Zahlungen zunehmen.

von Eva Dobler

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