Navi lotst Rentner in die Falle

Neumarkt - Kuriose Panne am helllichten Tag: Auf der Fahrt zu einem Kärntner Hotel blieb ein Mann aus dem Bayerischen Wald mit seinem Auto in einer Gasse stecken. Er hatte seinem Navigationsgerät blind vertraut.

Diesen Österreich-Aufenthalt wird Wolf Sonnenschmied aus dem Kreis Cham nicht so schnell vergessen. Gelotst von einem Navigationsgerät fährt der 68-Jährige nach Villach, wo er auf dem Weg nach Kroatien über Nacht einen Zwischenstopp einlegen will. Auch bei der Hotel-Suche hört er auf sein Navi: In der Innenstadt biegt er in einen Fußgängerweg ein und gibt Gas. Als es immer enger wird, klappt er einen Seitenspiegel ein und fährt solange weiter, bis es weder vor noch zurück geht. Auch die nachfolgenden Passanten kommen nicht mehr weiter. Jemand alarmiert die Polizei. Im Blitzlichtgewitter schaulustiger Fußgänger holen die Beamten den gehbehinderten Rentner über den Kofferraum heraus und lassen ihn ins Krankenhaus bringen. Der Mann hatte sich bei dem Versuch, beide Seitenspiegel einzuklappen, den kleinen Finger so heftig gequetscht, dass ein Stück der Fingerkuppe amputiert werden musste.

Harald Geissler, Kommandant bei der Villacher Hauptfeuerwache, macht der Vorfall immer noch stutzig: „So was hab’ ich noch nie erlebt.“ Durch Navigationsgeräte verursachte Pannen sind ihm nicht neu. „Laufend verfahren sich die Leute“, klagt er. „Aber ich kann doch an einer Fußgängergasse kein Schild aufstellen, dass man nicht durchfahren darf.“ Ob das den Rentner gestoppt hätte, ist fraglich.

Die Gefahren des Tunnelblicks

ADAC-Verkehrspsychologe Ulrich Chiellino kennt die Gefahren des Tunnelblicks. Warum viele Fahrer der Technik blind vertrauen, habe auch praktische Gründe. „Der Fahrer will sich entlasten“, weiß der Experte. „Sammelt er positive Erfahrungen mit dem Gerät, baut er Vertrauen auf und macht sich keine Gedanken mehr.“ Auch bei Engstellen lasse er sich vom „Prinzip Hoffnung“ leiten. „Falsches Abbiegen und das Erkennen des Fehlers können weit auseinander liegen.“ Wird ein Fahrer fehlgeleitet, so halte meist der Glaube daran, irgendwie auf die richtige Spur gelenkt zu werden, solange an, bis alles zu spät sei. „Dann kommt der Ärger - aufs Gerät und auf sich selbst.“ Doch wer Verantwortung abgebe, müsse mit Gefahren rechnen.

Jegliche Warnung blieb das Navigationsgerät dem Rentner bis zum Schluss schuldig. Eingeklemmt zwischen abbröckelnden Hausfassaden musste er sich anhören: „Sie - sind - am - Ziel!“ Schließlich war der Hauptplatz, an dem das gesuchte Hotel liegt, bereits in Sichtweite.

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