+
Das Passfoto des mutmaßlichen NS-Kriegsverbrechers John Demjanjuk ist beim Internationalen Suchdienst des Roten Kreuzes (ITS) im nordhessischen Bad Arolsen auf seiner Identifikationskarte aus dem Jahr 1948 zu sehen.

35 Nebenkläger bei Demjanjuk-Prozess

München - Im Prozess gegen den mutmaßlichen NS-Verbrecher John Demjanjuk will auch ein Großaufgebot an Nebenklägern erreichen, dass sich der 89-Jährige seiner Verantwortung stellt.

Lesen Sie dazu:

Demjanjuk: Prozess beginnt am 30. November

Demjanjuk: Prozess im November

Alles zum Fall Demjanjuk finden Sie hier.

Hintergrund:

Viele NS-Verbrecher erst nach Jahrzehnten verurteilt

Die Liste der meistgesuchten Nazi-Kriegsverbrecher

Rund 20 Nebenkläger wollen am 30. November zum Auftakt des Prozesses ins Landgericht München II kommen, wie der Nebenklägervertreter und Kölner Strafrechtsprofessor Cornelius Nestler der Deutschen Presse- Agentur dpa sagte. Nach einem Bericht des Magazins “Der Spiegel“ gibt es Vorermittlungen gegen einen der für den Prozess benannten Zeugen, der eine ähnliche Kriegs-Biografie habe wie Demjanjuk. 

Der 88-Jährige habe sich bisher nie vor Gericht verantworten müssen, hieß es in dem Bericht. Er habe wie Demjanjuk zu den Trawnikis gehört, einer Gruppe von ausländischen Helfern, die die SS als Gehilfen für den Massenmord im besetzten Osteuropa rekrutierte. Der Zeuge habe unter anderem Juden im Vernichtungslager Belzec bewacht. Zuletzt sei der Mann im Juni von Beamten des Bayerischen Landeskriminalamtes vernommen worden. “Uns war allen klar, dass dort die Juden vernichtet und später dann auch verbrannt wurden“, sagte er dabei laut “Spiegel“. Gegen den Mann habe die Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg ein Vorermittlungsverfahren eingeleitet, das in eine Anklage münden könnte, hieß es.

Die Abschiebung des NS-Verbrechers Demjanjuk

Die Abschiebung des NS-Verbrechers Demjanjuk

Zu dem Prozess gegen Demjanjuk seien insgesamt mindestens 35 Nebenkläger zugelassen, sagte Nestler der dpa. Alle haben im Nazi- Vernichtungslager Sobibor im besetzten Polen Angehörige verloren. Der gebürtige Ukrainer Demjanjuk soll dort als Wachmann geholfen haben, die in Massentransporten ankommenden Juden zu vergasen. Die Anklage wirft dem 89-Jährigen Beihilfe zum Mord in 27 900 Fällen vor.

Die Nebenkläger wollten keine harte Strafe für Demjanjuk, sondern Wahrheit und Gerechtigkeit, sagte Nestler, der zusammen mit mehreren Kollegen rund 30 der Nebenkläger vertritt. “Der Weg ist das Ziel: Jeder, der verantwortlich war für die Morde an ihren Familienangehörigen, muss sich bis zum Lebensende seiner Verantwortung stellen.“ Die Opfer-Angehörigen, die am Prozessauftakt teilnehmen wollen, kommen aus den USA und aus Israel, vor allem aber aus den Niederlanden. Vier der bisher zugelassenen Nebenkläger waren selbst in Sobibor und hatten die Vernichtungsmaschinerie überlebt.

Insgesamt starben in Sobibor nach Schätzungen binnen zweieinhalb Jahren 250 000 Menschen. Demjanjuk, als Rotarmist in deutsche Gefangenschaft geraten, wurde im SS-Ausbildungslager Trawniki zum Wachmann ausgebildet und kam nach Sobibor, wo ihn die Nazis mit rund 100 anderen Trawniki als Helfer ihrer Vernichtungsmaschinerie einsetzten. dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Schnell noch raus, Sonne genießen - denn am Wochenende wird das Wetter greislig in Bayern
Ein Ende des Sommers ist nicht in Sicht. Doch am Wochenende nimmt sich das Wetter in Bayern eine Auszeit vom sonnigen Badewetter. 
Schnell noch raus, Sonne genießen - denn am Wochenende wird das Wetter greislig in Bayern
Nach Unfall auf Autobahnbrücke: Anhänger stürzt 80 Meter in die Tiefe
Ein Anhänger eines Baustellenfahrzeugs ist bei einem Unfall auf der Autobahn 71 nahe Münnerstadt (Landkreis Bad Kissingen) von einer Brücke katapultiert worden.
Nach Unfall auf Autobahnbrücke: Anhänger stürzt 80 Meter in die Tiefe
Moscheen, Seelsorge, Extremismus: So leben Muslime in Bayern
Der Islam wird in Bayern oft emotional diskutiert. Doch bislang gab es keine wissenschaftliche Untersuchung darüber, wie das muslimische Leben in Bayern aussieht. Am …
Moscheen, Seelsorge, Extremismus: So leben Muslime in Bayern
Premiere: Robotik-Spezialist hat seinen Doktor an der Fachhochschule gemacht
Novum in der Wissenschaftslandschaft: Der „Dr. FH“ kommt. Am Mittwoch erhielt der erste Absolvent einer Hochschule für Angewandte Wissenschaften seine Promotionsurkunde.
Premiere: Robotik-Spezialist hat seinen Doktor an der Fachhochschule gemacht

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.