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An der Schweigeminute für die Opfer der rechtsextremen Anschläge beteiligten sich Politiker und zahlreiche Gäste im Landtag.

Neonazi-Opfer: Der Landtag entschuldigt sich

München - Die tiefe Anteilnahme war überall im Saal greifbar: Im Bayerischen Landtag fand gestern eine Gedenkfeier für die Opfer der Neonazi-Morde in München und Nürnberg statt.

Die Frauen und Männer stehen vor ihren Sitzplätzen, schweigend, in sich gekehrt. Viele von ihnen sind schwarz gekleidet. Momente der Stille im Plenarsaal des Maximilianeums. Plötzlich hören sie fünf Namen vom Band: Enver Simsek, Abdurrahim Özüdogru, Habil Kilic, Ismail Yasar und Theodoros Boulgarides. Sie sind die fünf bayerischen Opfer der Neonazi-Mordserie und kamen zwischen 2000 und 2005 ums Leben. Drei der bundesweit neun Morde verübte die Zwickauer Zelle in Nürnberg, zwei in München.

Jenen türkisch- und griechischstämmigen Opfern gedachten Angehörige, Politiker, Vertreter der Kirchen, Vertreter des türkischen und griechischen Generalkonsulats sowie 70 Schüler des Grafinger Gymnasiums, der Georg-Huber-Mittelschule in Grafing und der Werner-von-Siemens-Realschule in Erlangen. Die Jugendlichen waren eingeladen, weil sie sich an ihrer Schule gegen rechte Gewalt engagieren. Damit so etwas wie in München und Nürnberg eben nicht passiert. Bei der Veranstaltung saßen sie aber nur auf der Tribüne.

Unten im Plenum sagte Landtagspräsidentin Barbara Stamm: „Hinter uns liegen schockierende, verstörende Wochen.“ Sie berichtete, dass die Anschläge im Parlament Fassungslosigkeit und Entsetzen ausgelöst haben. Zum einen, weil die Behörden die Verbrechen nicht verhinderten, aber auch wegen fehlerhafter Ermittlungen. Dafür entschuldigte sich Stamm bei den Familien der Opfer.

Auf die gesellschaftlichen Probleme vieler Migranten ging Haci-Halil Uslucan ein, Professor für moderne Türkeistudien an der Uni Duisburg-Essen. Oft seien es „die kleinen Widrigkeiten des Alltags“, die diskriminieren: ein Naserümpfen, ein abwertender Blick, eine schroffe Ansprache. Er mahnte daher, bei der Sprache sensibel zu sein. Zum Beispiel lasse der Begriff „Dönermord“ den Mensch in den Hintergrund treten und reduziere ihn auf eine Sache.

Vera Markert

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